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Bild: Margarita Morales
Folgende Seiten wurden ausgezeichnet mit dem:

Weitere Surftipps finden Sie
im Surftipp-Archiv
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Mai 2004
Andre Sokolowski
www.andre-sokolowski.de |
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Von
Mone Hartman
Theaterstücke mag ich am liebsten auf der
Bühne, umgesetzt in ein Spiel, zum AnSchauen, ein SchauSpiel, so
oder ähnlich - dass ich ein Theaterstück lese, ohne den konkreten
Besuch einer Aufführung desselben geplant zu haben, ist eher selten:
"Die Vorhaut des Königs", jüngstes Werk des bei Berlin lebenden
Theater- und Hörstückeschreibers Andre Sokolowski, ist eine seltene
Ausnahme. Seitdem warte ich gespannt auf die Möglichkeit, die
Aufführung dieses - oder eines anderen- Sokolewski-Stücks auf der
Bühne erleben zu können, und bin mir sicher, dass es zahlreichen
Theaterfreunden ähnlich ergehen wird: Deshalb hier meine Empfehlung
der "Texte für's Theater", zu finden auf der Website von Andre
Sokolowski...
Weiter
lesen ... |
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August 2003
Roman Graf, Autor
www.romangraf.ch |

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Roman Graf ist ein junger Schriftsteller aus
der Schweiz, Vertreter einer "neuen Ernsthaftigkeit", so schrieb die
NZZ. Im Zeitalter von Popliteratur und Spaßkultur fällt er durch den
stillen Ernst zahlreicher seiner Texte angenehm auf; besonders
schön: dass dieser Ernst nicht "schwer" bis "unverdaulich"
daherkommt- eher sogenannten 'leichten Fußes'.

Er ist Mitbegründer und Mitglied der "Gruppe
02", die sich für engagierte, junge Schweizer Literatur stark macht:
"Jung gleich Fun gleich schnelle Schreibe- eine Schubladisierung,
die längst nicht allen jungen Wortschaffenden gerecht wird", heißt
es in der Selbstbeschreibung. Roman Graf veröffentlicht Lyrik und
Erzählungen in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien in
Deutschland, Österreich und der Schweiz, und war Preisträger bei
verschiedenen Wettbewerben.
Beim Landen auf der Website
www.romangraf.ch
dachte ich zunächst, mein Browser hätte die Seite nicht korrekt
geladen: Schwarzer Hintergrund, nur ein einziges Wort ist zu sehen,
klein und weiß: "Roman". Ein Blick in den Quelltext sagt mir: Nö,
mehr steht hier wirklich nicht. "Roman" ist immerhin ein Link und
bringt mich ins Innere der Website. 'Spartanisch' ist das Wort, das
den Stil der Seite meiner Meinung nach treffend wiedergibt; schlicht
& schön, keine Schnörkel, sehr funktional. Inhaltlich bieten sich
Textproben zum Lesen und Hören, Hinweise auf Lesungen,
Kritiker-Meinungen und biographische Angaben. Die Texte: Lyrik und
Prosa. Mir gefällt besonders die Sprache dieses jungen Schweizers:
Er beherrscht nicht nur sein Handwerk, sondern hat auch den Weg zu
einem eigenen Ausdruck gefunden: Sehr klar, knapp und ohne
Schnörkel. Graf schafft es, mit seinen Texten -in denen vielfach die
'Liebe' thematisiert wird- Stimmung zu erzeugen, den Leser
gefangenzunehmen - und nach dem Lesen "bleibt etwas".
Wer sich einen eigenen Eindruck verschaffen
möchte, findet Texte von Roman Graf auf:
http://www.romangraf.ch
http://gruppe02.ch/
http://story.ch/
Interview mit Roman Graf im Berliner Zimmer
(Mone
Hartman) |
Gesprächsstoff und Klospülungen
Mirco Buchwitz und das Albert Siebener Ensemble
Die Assoziationswege des Hirns sind nicht unbedingt nachvollziehbar:
"Mirko Buchwitz und das Albert-Siebener-Ensemble", seit geraumer Zeit
besuche ich -mehr oder weniger- regelmäßig diesen Ort in der
WeltWeitenWirrnis, und seither denke ich bei "Albert-Siebener-Ensemble" als
erstes an Blasmusik, Ernst Mosch und seine Egerländer, so oder ähnlich
- dabei ist diese Assoziation völliger Schwachsinn: Mirko Buchwitz und sein
Ensemble, das ist - ... "Kabarett? Comedy? Literatur?", so lautet auf der
Website eingangs die Frage, gefolgt von der Aufforderung: "Finden Sie es
heraus!".
Ich habe herausgefunden: Wie immer man Buchwitz' Arbeiten verschubladen
mag, sie sind vor allem: Lebendig, vielseitig, eigen. "Buchwitz muss gehört
oder gesehen werden!", dieser Imperativ ist denjenigen Texten vorangestellt,
die man auf der Präsentationsplattform "Kopffüssler Produktionen" lesend
konsumieren kann; das Meiste findet man in MP3-Form vor: Spoken Words ... in
'Begleitung' eben jenes bereits erwähnten "Ensembles", wobei Buchwitz zum
einen er selbst ist, zum anderen auch das Ensemble verkörpert - "eine
polyphrene Persönlichkeit"... ;-)
Was der 27-jährige Hannoveraner anstrebt, ist eine Mischung aus Kabarett,
Standup Comedy und literarischem Vortrag; was er dabei vermeiden will, ist
Langeweile, Staub und Geistlosigkeit - das Vorhaben gelingt ihm, und
neugierig wird man schon durch die Überschriften seiner Texte, etwa "Ein
stiller Kuss Flussabwärts", "Am Morgen Des Prämenstruellen Syndroms", oder
auch "Neulich Im Supermarkt - Das Gemüse", um nur wenige Beispiele zu
nennen. Inhaltlich geht es zumeist um den Bereich des sogenannten
‚Zwischenmenschlichen'; ein ewiges Thema, das bei Buchwitz neu belebt wird
durch den deutlich ‚eigenen' Blick, den er darauf wirft. Das Stück "9xklug -
Die SuperSat Quiz Show" übrigens machte 2002 den 2. Platz beim
Hörspielwettbewerb der Berliner Akademie der Künste. (Alle Stücke auch auf
CD's erhältlich).
Neben der "Buchwitz-Sektion" gibt es das "Magazin", u.a. mit Texten
einiger ausgewählter AutorInnen wie Kersten Flenter oder Marjana Gaponenko
(einige Texte sind von Buchwitz vertont), außerdem dort: Monatliche
Kolumnen. Wer ein wenig stöbert, stößt irgendwann auch auf "Dr. Gras" und
seine fein bebilderten Artikel mit "Tipps zum Vogelfutteranbau"... ;-)
Unbedingt erwähnenswert: "The Marla Singer Experience", ein interessantes
Textprojekt. Das Ganze beginnt mit einer Kontaktanzeige, die ein betrunkener
"Tyler" ins Netz stellt: "Poppen? Nicht nur auf Samt, sondern auch mal auf
Speed?", und er erhält eine Antwort via E-Mail, von einer Marla, und er
antwortet nun wiederum dieser Marla, teils in öffentlichen Foren, teils
komponiert er für sie, und der Leser kann dieser Entwicklung (oder
Ver-wicklung) lesend und hörend folgen. "Steigen Sie ein?", wird man
gefragt, "Jeder kann eine Marla sein. Jeder ein Jack. Das Netz ist irre.
[...] Was Sie tun müssen? Schreiben Sie, bis niemand mehr weiß, wer wer ist!
Das Netz ist irre".
Mirco Buchwitz und das Albert-Siebener-Ensemble: Den LeserInnen des
Berliner Zimmers hiermit wärmstens ans Herz gelegt.
(Mone
Hartman)
Wussten Sie, dass nach der Definition des deutschen Finanzamtes auch
Journalisten Schriftsteller sind? Unter unseren Besuchern und
Newsletter-Lesern sind sehr viele Journalisten. Viele Autoren sind auch als
Journalisten tätig und umgekehrt. Daher haben wir erstmals ein engagiertes
journalistisches Projekt mit dem Berliner Zimmer Surftipp ausgezeichnet.
Unter Journalistenlinks.de haben 30 junge Journalisten einen Webkatalog
aufgebaut, der nach eigenen Angaben exakt auf die Bedürfnisse von
Medienmachern zugeschnitten ist. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von
über 2500 Links in 356 Kategorien mit Suchfunktion. Nutzer können jeden
einzelnen Link bewerten, kommentieren, weiter empfehlen und in ihren
persönlichen Favoriten speichern. Hinzu kommt, dass die Herausgeber in der
Rubrik "Büros und Macher" eigene Kategorie für "Schriftsteller" eingerichtet
haben, in die sich gerne noch viel mehr Autoren eintragen können. Initiiert
und durchgeführt hat das Projekt der 26jährige freie Journalist Alexander
Häntzschel.
(Sabrina
Ortmann)
Hier geht der Leser baden
Über den blauen Kacheln des Schwimmbeckens bewegen sich die Wellen; rote,
gelbe und grüne Badekappen, Farbflecken über dem Grund, treiben vorüber,
nur beobachtet von der Schwimmmeisterin und ihrem Praktikanten ...
Leser von Internet-Literatur beginnen mit diesen Eindrücken die Annäherung
an den im wahrsten Sinne des Wortes „ausufernden“ Text „Die
Schwimmmeisterin“ von Susanne Berkenheger, die in der Hyperfiction-Szene
keine Unbekannte ist. Ihr Erfolgstext „Zeit für die Bombe“ sicherte ihr
schon große Aufmerksamkeit in der deutschsprachigen Internet-Literatur –
und nun ist ihr nächstes großes Werk online zu lesen (http://www.schwimmmeisterin.de).
Ihre Handschrift ist unverkennbar: Der Leser leitet sich selbst durch
den Text, große und kleine, zumeist bunte Fenster tun sich auf, bieten
dem Leser mit ihren Links Wege durch den Text an, nicht ohne die Auswahl
dann und wann zu kommentieren, konterkarieren oder korrigieren. Manchmal
erscheint der Lesevorgang wie ein Spiel, bei dem man keine Angst haben
muß, zu verlieren („Was verbirgt sich wohl hinter diesem Link?“), an
anderen Stellen gerät man fast in Streß, wenn man mit all den Pop-ups
Schritt halten will. Nur vor der Nässe braucht man keine Angst zu haben,
alles bleibt trocken im Monitor. Und doch ist bei all dem die Lektüre
nicht gerade simpel: Es wird nicht zuviel verraten, wenn ich sage, daß
der Leser in die Rolle des Praktikanten schlüpft, der die
Schwimmmeisterin bei ihrer Arbeit begleitet. Doch als sich der „hai“
einschleicht (eine gelungene Simulation, bei der der User hilflos
mitansehen muß, wie sich ein „Virus“ namens hai75 herunterlädt), beginnt
die Überwachung des Schwimmbeckens etwas außer Kontrolle zu geraten...
Dazu verwirren noch die sexuellen Reize der Badenixe...
Man kann jetzt schon die Stimmen derjenigen hören, die dem Text Banalität
vorwerfen, und es ist durchaus wahr, daß das manchmal etwas ratlose
Herumklicken nicht mit der ernsten, seriösen Lektüre eines linearen
Textes (auch am Bildschirm) zu vergleichen ist. Aber gerade dieser
Vergleich hieße, einen Baggersee mit einem Erlebnis-Bad
zusammenzubringen: Berkenhegers Schwimmmeisterin-Text spielt mit dem
Zwang und den Freiheiten des Lesers, läßt ihn eine Geschichte erforschen
und ihn Spaß haben an animiertem Text im www. Insofern ist der Text
gelungen, und jeder ist eingeladen, sich einmal (oder noch besser:
mehrmals) ins kalte Wasser zu stürzen.
(Jörn Pinnow)
"Salbader Belehrung & Erbauung" nennt sich das sehens- und
lesenswerte Magazin aus Berlin. Literatur kann doch Spaß machen! Alle
Ausgaben sind jetzt komplett im Online-Archiv verfügbar, inklusive
Illustrationen, z.B. von Tom. Da vergisst man glatt die
Telefon-Rechnung! Statt vieler Worte zu verlieren empfehlen wir: gleich
mal reinlesen.
(Sabrina
Ortmann)
-
Wenn es der Deutschunterricht nicht schaffte, einem Gedichte
suspekt zu machen, dann schafft es das Internet mit Sicherheit. Im www gute,
neue Lyrik zu erstöbern ist trotz kurzer Linkbesprechungen komplizierter als
der Kauf mancher Kleidungsstücke. Wer jedoch Maßgeschneidertes für gewisse
blaue Stunden sucht, dem sei die Lyrik-Homepage lyrikon.de von Frank
Reinhard wärmstens empfohlen.
-
Schon das schlichte orange-braun gehaltene Design ist eine
Wohltat für die reizmüden Augen. Wer die beim Lesen schonen möchte, der kann
den MP-3-Button anklicken und der eindringlich sanften Stimme des
31-jährigen Reinhard lauschen. Vom Rezitieren versteht der in Freiburg
aufgewachsene Mann nämlich genauso viel wie vom Dichten. Einiges ist in
Französisch verfasst und vieles in Versen, die zum Glück selten den Umfang
eines Sonetts sprengen. Thematisch kommen die Gedichte konventionell daher,
was nicht das Schlechteste ist, wenn Stimmung und Handwerk wie von Frank
Reinhard beherrscht werden. Und die Stimmung, die wie ein Celloton zwischen
den Zeilen streicht, ist melancholisch, allerdings ohne Larmoyanz und große
Gesten. Selbst Frühlingshaftes wirkt bei ihm immer auch herbstlich. Da sind
wehmütige Rückblicke und Ahnungen, Fragen, die das kommende Gehende
betreffen. Und da sind Titel wie "Herbst", "Abschied" und "Was kommen wird",
die schlicht und vertraut klingen, hinter denen sich das Bekannte jedoch
immer wieder als etwas Neues entpuppt.
-
Das Studium der Natur- und Sprachwissenschaft merkt man dem
Dichter an. Eine Feststellung, kein Vorwurf. Dadurch vermag er es, das
Unsagbare auf den Punkt zu bringen. Aber um das Unsagbare überhaupt erst mit
Leben zu erfüllen, bedarf es mehr als das Studium der Poetologie, nämlich
Talent. Und das zeigt sich bei Frank Reinhard nicht nur bezüglich der
Dichtkunst: Er ist vielseitiger. Unter dem Menü-Punkt "Kleine Schriften"
lassen sich literaturtheoretische Aufsätze wie zu Rilkes "Panther"
nachlesen, er schreibt Prosa, hat Bücher veröffentlicht und leitete von 1988
- 1991 in Freiburg eine Theatergruppe. Als wäre das nicht schon allerhand,
bietet er sogar seine Dienste als Lektor an. Nicht umsonst also hat er im
Oktober 2000 für seine Seite den "Hohen Parnass" verliehen bekommen.
-
Mit dem Blick für das Wesentliche sind auch Grafiken und
Aquarelle junger Künstler sparsam in die Homepage eingefügt. Ihnen haftet
ein Hang zum Romantischen an, womit sie das Poetische nicht kontrastieren,
sondern auf angenehme Weise unterstreichen. Nachzulesen sind weiterhin
"Gasttexte" und eigene "Texte zu Bildern", allesamt Porträts. Mehr kann man
sich von einer Lyrikseite wohl nicht wünschen.
(Frank Unfug)

Anfang September 2001 erscheint die neue Ausgabe des "Philotast". Zum
dritten Mal veröffentlicht das Online-Magazin Texte, Bilder und Töne. Die
Redaktion stellt alle vier Monate einen neuen Themenschwerpunkt vor, mit
Beiträgen von festen und freien Mitarbeitern. Die Herausgeber Patrick Keßler
und Nicole Traut, Studenten aus Köln, nennen ihr Projekt "Magazin für
Gesellschaft, Kunst und Literatur" und geben damit ihren Anspruch zu
erkennen: Im "Philotast" sollen Formen des künstlerischen Ausdrucks
erscheinen, die gesellschaftlich relevante Fragen zur Diskussion stellen.
Die Texte und Bilder sollen Impulse zur Selbstreflexion geben. Anstelle von
unterhaltendem Konsum wünschen sich die Herausgeber (re-)aktive Rezeption.
Jede der bisher erschienenen Ausgaben steht unter einem Motto wie "Tod",
"Liebe" oder "Utopie". In den Rubriken "Literatur", "Geistiges", "Künste"
und "Medien" setzen sich die Autoren mit dem jeweiligen Thema auseinander.
In allen Sparten finden sich sowohl Primärtexte und Originalwerke als auch
Rezensionen. Den Leser erwarten regional bedeutende Theaterkritiken ebenso
wie international relevante Themen und Humorvolles, etwa den Comic-Helden
des "Philotast", Thilo Fast.
Dem Redaktionsteam ist es gelungen, trotz der selbst gesteckten Themenenge,
eine beeindruckende Vielfalt an Ausdrucksformen zu versammeln. So wenig
originell die Schwerpunkte klingen, so überraschend unkonventionell ist die
Mehrzahl der Texte. Die professionelle Gestaltung der Seiten sorgt dafür,
dass der Aufenthalt auch sinnlich eine Bereicherung ist. Beim "Philotast"
ist sogar, pars pro toto, die "Autoren"-Seite intelligent und optisch
ansprechend gestaltet.
(Jörn Pinnow)

"Popliteratur + Internet = Pop + Literatur im Netz -
Poetry und Prosa aus Bielefeld: Was ist schon wichtiger als Dein
Walkman?" - So liest der geneigte Surfer für wenige Momente, wenn
er die Domain
www.texteratur.de ansteuert - und dann wird er geleitet zum
Netzauftritt von "Texteratur".
3 Menschen, männlich, aus dem ostwestfälischen Bielefeld
(nach eigenen Angaben sind sie dort bereits "so etwas wie Country
Eggs"), schreiben, was die "Köpfe hergeben", ohne sich dabei um
diskursive Abhandlungen zu kümmern. Im Mittelpunkt des Interesses stehen
bei Torsten, Henrik und Johannes "kurze Texte und Gedichte, die auf dem
Weg zum Bus, auf den Straßen in der Stadt der beim Essen" entstehen.
Das klingt nach frischen, freien Texten, und genau das
findet man auf dieser Website. Erfrischend auch die Tatsache, dass die
drei Autoren je einen sehr eigenen Stil haben: Das sorgt für
Abwechslung, auch wenn die drei mit "Texteratur" quasi eine "Corporate
Identity" haben. Was die literarische Arbeit angeht, hat der
Netzauftritt der Bielefelder einiges für sie in Gang gesetzt, wie zum
Beispiel die Publikation einer Anthologie im Münchner Yedermann-Verlag,
oder diverse Auftritte, etwa die "DJ-Lesungen"; nähere Infos hierzu hält
die Website natürlich bereit.
By the way, durch den Online-Auftritt der "Texteratur"
lässt sich nicht nur userfreundlich navigieren, das gesamte technische
Konzept der Site ist auf Sehbehinderten- bzw. Blindenfreundlichkeit
ausgelegt, ein sicherlich lobenswerter Pluspunkt. Was den Inhalt der
zahlreichen Texte angeht: Sie streifen unterschiedlichste, unterhaltsame
Thematiken. Aber...: Selbst lesen. Das lohnt.
Ein ausführliches Interview mit den Machern von Texteratur
lesen Sie hier.
(Mone Hartman)

"Geschichten mit Hängen und Würgen" kündigt das "Hanebüchlein" an - und
bietet sie und vieles mehr. Ständig spürt man das Augenzwinkern der Autoren,
das zu sagen scheint: "Habt soviel Spaß an den Texten wie wir, aber lasst
uns nicht niveaulos werden!"
Die Verantwortlichen des Hanebüchleins legen wenig Wert auf
Selbstdarstellung oder Finanzen, sie konzentrieren sich, der Leser nimmt es
dankbar war, auf Texte und Themen. Seit Mitte 2000 schreiben und gestalten
sie gemeinsam ihre Internetseite aus Lust an frechen Formulierungen mit
satirischem Unterton, ohne auf Genregrenzen Rücksicht zu nehmen. Im
"Magazin" etwa finden literarisch-fiktionale Texte (epische und lyrische),
aber auch Fortsetzungsgeschichten ("Harry Pötter") und Kritiken ihren Platz,
und der Chef des Ganzen, Commodore Nutt, hat seine Kolumne und spricht Ex
cathedra, z.B. über Zensur bei Comics.
Der "Service", die zweite Hauptrubrik, umfasst das, was man so gerne
Lifestyle nennt, ohne dabei das Literarische zu verlassen, das auch auf
dieser Seite des Hanebüchleins an erster Stelle steht. Texte rund ums Essen
("Plat du jour"), eine Seite für die Dame (weibliche Autoren unter sich),
Reiseberichte und der Personenkult um Totte (von dem Sänger lassen sich MP3s
herunterladen) stehen hier im Mittelpunkt.
Was die Beschreibung nicht verrät: Die Macher verstehen ihre Seite als
Forum für Literatur und andere Kunstformen. Sie suchen neue Autoren und
Texte, die sich selbst als Dilettanten verstehen, oder in ihren eigenen
Worten: "Uns gefällt die ursprüngliche Idee des Amateurs, die ursprünglich
keine qualitative Herabsetzung bedeutet, sondern lediglich von der Liebe zu
einer bestimmten Tätigkeit zeugt." In diesem Sinne sei allen
Literatur-Liebhabern, schreibenden wie lesenden, das Hanebüchlein ans Herz
gelegt, denn hier scheinen professionelle Amateure am Werk zu sein.
Tiefe Einblicke hinter die Kulissen des Hanebüchlein erhalten Sie in
unserem ausführlichen
Interview mit Christian Bartel. Hier gibt es auch endlich eine Antwort
auf die Frage nach der Herkunft des Namens "Hanebüchlein".
(Jörn Pinnow)

Wer von einer Autoren-Homepage im WWW mehr erwartet als
eine Liste der Publikationen und ein Bestellformular für Bücher, dem
empfiehlt das Berliner Zimmer in diesem Monat die abwechslungsreichen
Seiten des 32jährigen Schriftstellers, Musikers und Dozenten Martin von
Arndt.
Seit zwei Jahren können interessierte Leser hier in einer
vielfältigen Auswahl von Lyrik, Kurzprosa, Satiren, Theaterstücken und
essayistischen Texten stöbern. Unter den Satiren befinden sich
beispielsweise 10 Tipps zum Thema: Wie schreibe ich "den Roman" meiner
Generation? Zwar geht das Lesevergnügen hier eindeutig auf Kosten einer
jungen Schweizer Autorin, die Tipps sind allerdings durchweg brauchbar,
deckt sich doch z.B. die dringend angeratene Magersucht hervorragend mit
dem gängigen Schönheitsideal. Tiefgründiges und Ernstes findet sich
unter www.vonarndt.de
genauso wie Humorvolles. So ist beispielsweise das Rauchen auf der
Bücherseite unerwünscht. Einige Texte lassen sich übrigens auch
augenschonend als virtuelle MP3-Lesung genießen. Wer nicht nur lesen
oder hören, sondern sich selbst äußern will, klickt sich zu den
kulturpolitischen Foren und Meinungsumfragen oder mischt im Gästebuch
mit, wo sich nach Auskunft von Arndts "Spinner und Fußballfans austoben"
und wo sich auf diese Weise "ganz neue Mutationsformen der beseelten
Kommunikation" bilden.
Einen Pluspunkt gibt es noch für die teilweise leicht
selbstironischen Orientierungshilfen auf von Arndts Seiten. Ob als
eigene Sitemap im Hintergrund, als Gebrauchsanweisung für die
MP3-Lesungen oder in Form eines Autobahnschildes und der rhetorischen
Frage "Na? Woher kamst du denn?" am Ende einer Geschichte - als Gast auf
diesen Seiten fühlt man sich niemals allein gelassen. Und langweilig
wird einem auch nicht. Noch ein Tipp für die Schnell- und Vielleser: wer
alles gelesen hat und noch mehr will, kann sich zwei komplette Bücher
kostenlos als PDF auf die Platte speichern.
Mehr über Martin von Arndt und seine literarische Arbeit
on- und offline können Sie in unserem
ausführlichen Interview lesen.
(Sabrina
Ortmann)

Wer kennt das nicht: Auf unzähligen selbstgebastelten Homepages ruhen
mindestens ebensoviele literarische Texte - manche mehr, manche weniger
interessant, fast alle ohne nennenswerte LeserInnenschaft. Wer möchte alle
Texte suchen, die Spreu vom Weizen trennen, dem Ganzen eine Struktur geben?
Das Projekt "THYLA" hat sich zum Ziel gesetzt, lesenswerte, aber bislang
unveröffentlichte Texte von 'namenlosen' Autoren bekannt zu machen. Dabei
geht es fast immer um Gedichte. Damit ist diese Seite sicherlich nicht
einzigartig, warum ist sie dem Berliner Zimmer dann einen Surftipp wert?
Da ist zum einen: das Lektorat. Dies alleine garantiert zwar noch nicht
Höchstleistungen hinter dem Vorlesungsverzeichnis, aber unter den
zahlreichen Texten wurden erstaunlich viele ausgewählt, deren Lektüre eine
Bereicherung ist. Schließlich sagen die Initiatoren von sich selbst, daß sie
einen "sehr hohen Anspruch" haben - daran müssen sie sich dann auch messen
lassen. Wenn der Text diese Hürde genommen hat, wird er vielleicht sogar bei
einer der 'real life'-Lesungen vorgetragen, die hier angekündigt werden. Des
weiteren: die Aufmachung. Ohne Werbung (ein paar "Freundschaftslinks"), ohne
Blinken und Bewegung; der Text steht im Mittelpunkt. Man findet sich gut
zurecht und die Seiten laden sich schnell. Offensichtlich geht es mehr um
Literatur als um Technik oder Verkauf.
Was noch: das Zusatzangebot. THYLA bietet einigen Service, den man gerne
nutzt. Die Themenblöcke der Texte werden von Bildern begleitet (wenn man
möchte sogar mit Musik), und man kann nachlesen, was aus der einen Autorin
oder dem anderen Autoren geworden ist. Wie es sich gehört: Als besonders
gelungen verstandene Gedichte werden hervorgehoben. Neben einer redaktionell
begleiteten Hundeseite (etwas zusammenhangslos, aber wohl ein Lieblingsthema
der Macher) werden Bücher und Verlage vorgestellt, eine regelmäßig
erscheinende Kolumne rundet das Bild eines "Literaturmagazins" ab.
Und schließlich: das Netzige. Unaufdringlich werden die Möglichkeiten des
Internets eingesetzt, damit mehr entsteht als nur ein neuer Distributionsweg
für Texte: Eine Kettengeschichte (der Prosateil der Seite) soll von den
Lesern weitergeschrieben werden, es läßt sich chatten, und, eine schöne
Idee, miteinander in der "Lyrikbegegnung" über zwei Gedichte pro Monat
diskutieren. Ein neuer, unveröffentlichter lyrischer Text "tritt an" gegen
einen anonymisierten, von einem renommierten Autoren verfaßten - mitmachen,
argumentieren ist gefragt. Allgemeinere Auffassungen über Literatur finden
im Forum Platz. THYLA wächst weiter. Wer also Lust hat auf im positiven
Sinne unprätentiöse Literatur im Netz, kann ruhig öfter hier mal
vorbeischauen.
(Unser April-Surftipp hat für Sie
Jörn Pinnow aus den unendlichen Weiten des Netzes gefischt und
besprochen.)

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