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Der Pressespiegel präsentiert eine Auswahl an Berichten über das Berliner Zimmer. Wenn Sie einen Artikel über das Berliner Zimmer kennen, der hier nicht aufgeführt ist, würden wir uns über eine E-Mail mit einem Hinweis sehr freuen!


Bild: Bodo Streich

2002
Brigitte online Dezember 2002
zitty Dschungelbuch Berlin12/2002

womanticker 19. November 2002
Com!online August 2002
dpa, 28. März 2002
WDR 5, 16. März 2002

Deutsche Welle, 20. Februar 2002
Der Tagesspiegel, 22.Januar 2002
Clickfish, Januar 2002

Pressespiegel-Archiv 2001 2000 1999 1998

„Mit ihrem Projekt haben Ortmann und Peter Maßstäbe gesetzt“
(Der Tagesspiegel)

„Einen langen Atem hat das "Berlinerzimmer.de", zur Zeit wohl das wichtigste Forum in Sachen Netzliteratur." (WDR)

„Das Berliner Zimmer gehört zu den Pionieren unter den Literatur-Sites." (com!online)

„Ein wichtiger ‚Knotenpunkt’ für literarische Aktivitäten im Netz.“ (Clickfish)

„Ein angenehmes Hangout für Literaturliebhaber.“ (Amica)

„Ein ausgezeichneter Startplatz für die Suche nach Literatur im Netz." (Wiener Zeitung)

 

Brigitte online 12/2002

Berliner Zimmer 
An die Tradition der literarischen Salons des 18. und 19. Jahrhunderts knüpft das Berliner Zimmer an und versteht sich als digitale Austauschplattform für Literatur im Internet. Die Seite bietet kommentierte Linklisten und Texte über deutschsprachige Literatur im Netz. Buch- Rezensionen, Empfehlungen und ein Chat runden das Angebot ab. 
www.berlinerzimmer.de 

Die Berlinerin, die Illustrierte, 20.02.2003

Die Berliner Salonkultur boomt. Kaum geht ein Salon ein, schießen zwei neue aus dem Boden. Geistreiche, zumeist blonde Salonièren lenken die gepflegten Gespräche. Reicht bei Britta Gansebohm schon eine Eintrittskarte, wird im "Berliner Zukunftssalon" handverlesenen jungen Führungskräften nur mit persönlicher Empfehlung Eintritt gewährt. Die "Surfpoeten" und "Theodoras Literatursalon" sind im Netz allen zugänglich, ihre Betreiber bleiben oft virtuell.

(...)

Im Netz trifft man sie alle. Im Unterschied zu herkömmlichen Salons braucht man in den virtuellen weder Couch noch Krawatte. Diesen Salon besucht man von zu Hause aus. Der Besucher zahlt kein Eintrittsgeld und braucht keine Beziehungen. Er muss den Wein alleine trinken. In den Netz-Salons tummeln sich alle, die Rang und Namen oder es mit Fleiß und Spucke geschafft haben, bei Google ganz oben zu stehen. So wartet im bescheiden layouteten "Theodoras Literatursalon" die smarte Katrin Girgensohn auf klickende Gäste. Man kann ihr aber auch wirklich begegnen: Sie ist Initiatorin des "Gespinste-Salons" im Berliner Cafe NIL und tritt im "Ersten Berliner Schreibsalon" in der Knorre in Friedrichshain auf. 

Im gediegenen virtuellen "Berliner Zimmer" findet man alles Wissenswerte über historische und aktuelle Salons im Netz, auch Frauenforschung. Die "Surfpoeten" dagegen, ein Salon frecher Jungpoeten, wirbt für die Lesungen ihrer männlichen Techno-Autoren. Der "Club der polnischen Versager" lädt ins Ungarische Haus zum "MitOst-Salon", ein Club für den Kulturaustausch in Ost- und Südeuropa. Der "Journalistinnenbund" wiederum bittet zu Frauenstammtisch und Fachvortrag. Der "Perlentaucher", ein längst sehr etabliertes und kommerzielles Medium, kocht das Feuilleton seriöser deutscher Tageszeitungen ein. Der "Blaue Drache" hat eine Pannen-Pause, ist aber bald wieder online.

Ganzen Artikel lesen

zitty Dschungelbuch Berlin 12/2002

Im Internet entwickelt sich eine neue Form von Literatur - sehr direkt, sehr ichbezogenen und doch im stetigen Austausch mit anderen. Schönes Beispiel dafür:

http://www.tage-bau.de

womanticker kultur im web

Margarita Morales im Berliner Zimmer

Frankfurt/M. 19.11.2002; Öffentlich aber privat möchte es sein, das virtuelle "Berliner Zimmer". Derzeit werden Bilder von Margarita Morales, einer mexikanische Künstlerin, die in Berlin lebt, hier präsentiert.

Das Berliner Zimmer ist ein virtueller Salon. Das Berliner Zimmer möchte über die deutschsprachige Literatur im Internet informieren und ein "Treffpunkt für Autoren und Leser" sein. Zudem können im Berliner Zimmer Berliner "Künstler" ihre Arbeiten ausstellen, so das Konzept von Sabrina Ortmann und Enno E. Peter, den Initiatorinnen der Site.

Margarita Morales Bilder wurden bereits in Berlin, New York und Mexiko City gezeigt. Die Bilder schmücken nun für die nächsten zwei bis drei Monate die "Wände" des virtuellen Salons. (wt-bp)

 

com!online, August 2002

 

 

dpa-Meldung (Ausschnitt), 28. März 2002

Online-Literaturmagazine sind bei Surfern zunehmend gefragt

(...)

 Reges Leben herrscht auch im "Berliner Zimmer" (www.berlinerzimmer.de). Zu den Highlights dieses im Herbst 1998 eingerichteten virtuellen Literatursalons gehören das Erotikmagazin "Erosa" und das preisgekrönte Online-Tagebuch "tage-bau", an dem zurzeit weltweit 50 Autoren mitwirken.

Solche kooperativen Schreibprojekte sind Roberto Simanowski, der der Jury des vom Deutschen Taschenbuch Verlag und T-Online durchgeführten Wettbewerbs "Literatur.digital" vorsitzt, zu wenig publikumsbezogen. Das von ihm seit 1999 herausgegebene Magazin "dichtung-digital" (www.dichtung- digital.de) besticht durch seine wegweisenden Beiträge zur Theorie und Ästhetik der Netzliteratur. Die wunde Stelle dieser Online- Angebote berührt Eugen Emmerling mit seiner Einschätzung: "Sie sind zwar professionell im Sinne des Handwerks, aber nicht im Sinne der Refinanzierung."

In der Tat wird die Arbeit an den Projekten größtenteils ehrenamtlich geleistet und auch die Autoren bekommen allenfalls ein symbolisches Honorar. Förderung von Seiten der Verlage oder der öffentlichen Hand sind kaum in Sicht. Sabrina Ortmann vom "Berliner Zimmer" sieht denn auch schon erste Zeichen der Ernüchterung in der Szene "Viele gute Angebote sind schon verschwunden oder werden nicht mehr aktualisiert. Auf Dauer wird die Vielfalt ohne gesicherte Finanzierung nicht bestehen bleiben." Roberto Simanowski sieht sogar schon eine Netzlandschaft ohne institutionell unabhängige Alternativprojekte heraufziehen. Das Archiv von "dichtung-digital" öffnet er deshalb nur noch gegen Gebühr und sorgt damit unter den Netzliteraten für heftige Kontroversen.

(...)

Von Thomas Oser

 

WDR 5 Morgenecho, 16. März 2003

Der Literaturbetrieb in Deutschland — ein Buch mit sieben Siegeln 

Per Anhalter durch die Galaxis - oder wie sich die Literatur ihren Weg durch das Internet bahnt 
von Andreas Main 

Netz-Literatur - nicht wenige Autoren setzen auf das Internet als erste Anlaufstelle. Doch viele Kämpfer für die vermeintliche Hochkultur rümpfen die Nase. Sie sehen nur unzensierten Ramsch, kurzum: Müll. Die Freunde des bunten Netz-Treibens sagen: eine wahre Fundgrube. Man müsse nur tief genug tauchen, um die Perlen zu finden. Wie auch immer. Literatur im Netz hat es nicht leicht: Selbst ein Auflagenmillionär wie Stephen King ist mit seinem virtuellen Fortsetzungsroman im Netz gescheitert. Und auch bei der Netz-Literatur im engeren Sinne ist die Party vorbei: Das literarische Online-Projekt 'pool' von Elke Naters und Sven Lager, beide Schriftsteller, ist auf Eis gelegt. Ebenso 'null' von Thomas Hettche, das von vornherein zeitlich begrenzt war. 

Einen langen Atem hat das "Berlinerzimmer.de", zur Zeit wohl das wichtigste Forum in Sachen Netzliteratur. Ein Literatur-Salon im Netz, ganz in der Tradition des 19. Jahrhunderts. Andreas Main hat den virtuellen Salon besucht. 

"Also ich denke das Buch, was man sich in Urlaub mitnimmt zum Schmökern oder das Buch, was man sich abends, nachts mitnimmt ins Bett oder so, das wird sich dadurch niemals ersetzen lassen, durchs Internet." Martina Peter ist im richtigen Leben Referentin im Bundesjustizministerium. Sie schreibt aber nicht nur Gesetzesentwürfe, sondern auch Bücher in gebundener Form. Und sie macht mit beim Internet-Literaturprojekt "tagebau.de", eine Säule im Berlinerzimmer.de.

Im Tagebau arbeiten 50 Frauen und Männer zwischen 18 und 70, Hausfrauen, Studenten und Professoren, alles dabei: literarische Anfänger ebenso wie Profis. Sie schreiben ein literarisches Online-Tagebuch mit Gedichten, Kurzgeschichten, Essayistischem und so weiter, fast immer die kleine Form. Und einige der Tagebau-Werke sind auch zu hören im Netz. 

Martina Peter kennt beides: den klassischen Verlag und das Netz. "Für mich ist natürlich auch der Unterschied, dass es dieses vorige Lektorat nicht gibt bei den Texten, was sonst eben beim traditionellen Buchverlag der Fall ist. Und für mich ist es dieser Hinsicht eine recht angenehme Begleiterscheinung weil ich sehr frei arbeiten kann auf diese Weise, und auf der anderen Seite ist das Risiko für mich als Autorin natürlich ein bisschen höher, weil es nicht gegengelesen ist vorher, bevor ich es an die Öffentlichkeit gebe." 

Netz-Literatur ist spontan, schnell, manchmal rasant und vor allem interaktiv und kommunikativ. MTV-Ästhetik halt. 'Netz-Literatur' ist nicht gleich 'Literatur im Netz'. Wenn Verlage oder Autoren das world wide web nur nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen, dann ist das etwas anderes als jene Texte, die primär für Online-Leser geschrieben werden. 

Zusammen mit Enno E. Peter betreibt Sabrina Ortmann das Berliner Zimmer. Es bietet seit mehr als vier Jahren unter anderem eine kommentierte Link-Liste, einen Newsletter zum Thema. Oder auch Erosa - das Online-Magazin für erotische Literatur. Und eben den Tagebau. Und das sollten neue Tagebau-Autoren mitbringen: "Wir möchten Autoren oder Menschen, die sich schon mit Literatur beschäftigt haben, die also leidenschaftlich literarisch arbeiten. Wir sind aber nicht wie der pool ein abgeschlossenes Forum, wo wir sagen: Hast Du Buchpublikationen darfst Du mitschreiben." 

Ortmann, Pionierin der www-Literatur, versteht sich nicht als Verlegerin, eher als Moderatorin. Sie eröffnet Freiräume. Eingriffe in die Texte sind verpönt. Allerdings: Nicht jeder darf schreiben. Zunächst bedarf es einer Bewerbung. Erst dann gibt es den direkten Zugang, ein Login. Honorare werden nicht gezahlt. Dennoch wächst und gedeiht das Online-Tagebuch: "Man sitzt nicht alleine zu Hause in seinem Kämmerchen und schreibt, sondern man hat da ein Forum, wo man Feedback kriegt. Und dann ist das nicht das Forum, wo alles gestochen scharf, druckreif, perfekt - auch gar nicht sein muss." 

Immer mehr Menschen laufen durch ihr Berliner Zimmer. Zuletzt gab es den Besucher-Rekord: 250.000 page-views pro Monat. Also so viele Seiten wurden aufgerufen. Die Clickrate wächst kontinuierlich, völlig losgelöst vom Absturz der New Economy: "Die Sache ist die: Da wir mit dem Berliner Zimmer kein Geld verdienen - es ist keine Firma, sondern ein privates Projekt, wie die Salons, öffentlich aber privat - ist es so, dass uns ob hype oder Frust oder nicht, eigentlich nicht tangiert." 

Natürlich: Als die Euphorie am größten war, da haben sich auch Sabrina Ortmann und ihr Partner hingesetzt und Geschäftsmodelle entwickelt. Aber so wie es zur Zeit aussieht, lässt sich mit einem Projekt wie dem Berliner Zimmer kein Geschäft machen. Ihr Geld verdienen die beiden woanders. 

"Sommer, Sonne, Sonett, Sonar. Nach all den Elegien nun Sonett. Sonar, Sonett, Sommer." Literatur im Netz steckt in den Kinderschuhen. Es gibt dort mehr lyrische Ergüsse von zweifelhafter Qualität als zwischen Buchdeckeln. "Also von mir gibt's keine bissigen Sprüche über andere Netzautoren, weil ich denke: Jeder kann das schreiben, was er oder sie will. Dafür ist jeder selbst verantwortlich. Da halte ich mich zurück." 

Womöglich fehlen dem Medium die Filter. Es kostet nichts, sein Werk zu publizieren, und oftmals machen das nur jene, die im literarischen Betrieb keine Chance haben. Warum soll ich einen Text umsonst ins Netz stellen, wenn ich dafür andernorts Geld verdienen kann? Wer so argumentiert, hat nicht viel verstanden von Interaktivität, von Virtualität und so fort, meint Autorin Martina Peter: "Was mir nicht gefällt, ist die leichte Überheblichkeit, die von klassischem Feuilleton und klassischem Printmedien dem Internet und den Autoren, die im Internet schreiben, gegenüber herrscht. Und das halte ich in diesem pauschalen Grundsatz für falsch." 

Aus den wichtigsten Online-Projekten sind inzwischen Bücher geworden. Der Pool erschien bei Kiepenheuer + Witsch als "The Buch", "Null" bei Dumont als "Null". Und auch wenn der Tagebau online bleibt, es gibt ihn auch offline als: "Mein Pixel-Ich".

Links zum Thema: 
www.berlinerzimmer.de/tagebau/
http://www.berlinerzimmer.de/ 
www.dumontverlag.de/null/
  
http://www.forum-der-13.de
 
http://www.ampool.de/
 

 

Deutsche Welle, 20. Februar 2002

Literatur live und online

Bleiern und statisch ist Literatur in Printform - flüchtig und unstetig dagegen Geschriebenes im Internet. Ist Netzliteratur ein neues Genre? Die Herausgeber des Online-Projekts "Berliner Zimmer" sind sich dessen sicher.

Seit 1998 wollen Sabrina Ortmann und Enno E. Peter Literaten, Journalisten, Wissenschaftlern und Künstlern ein Forum im Netz schaffen. Ihre Site, die den Namen eines düsteren Raums mit Ausblick auf einen Berliner Hinterhof trägt, knüpft im Untertitel an die Tradition des literarischen Salons des 19. Jhd. an.

Wer per Mausklick ins Berliner Zimmer - den Salon im Netz - eintritt, stößt deshalb nicht auf durchdesignte Virtualität. Die Aufmachung ist schlicht und farblich im klassischen Bordeaux der Samtbezüge alter Canapés gehalten. Der Austausch über Bücher, das Knüpfen von Kontakten - all dies ist auch virtuell möglich. Chat, Forum, Mailinglisten und Newsletter sorgen für Interaktion. Doch nicht nur als ein Treff- und Orientierungspunkt in den unendlichen Weiten des World Wide Web ist der virtuelle Salon gedacht. In der Rubrik "Interaktiv" findet sich ein literarisches Online-Tagebuch, der lebendigste Bereich wie Sabrina Ortmann sagt.  

Literarische Experimente im WWW

An dem Netzliteratur-Projekt tage-bau, das im November 1999 mit 12 Autoren startete, schreiben mittlerweile 50 registrierte Autoren mit. Zeitweise zu einem vorgegebenen Thema, meistens jedoch vollkommen frei, fantasieren, denken und träumen sowohl Amateure als auch professionelle Schreiber über die Tastatur. Und auch das Lächeln, Zwinkern und Schmunzeln der Leser, die das Geschriebene kommentieren, ist tastaturgeneriert.  

Zu dem Thema "Mein Pixel-Ich" schrieben 25 Teilnehmer des Netzliteratur-Projekts von der Geburt der virtuellen Existenz über Liebe, Hass bis zu ihrem Tod. Die Beiträge reflektieren das Leben verschiedener Menschen unterschiedlichster Herkunft im Netz unter wechselnden Aspekten. Mit dem Preisgeld finanzierten die Herausgeber Ortmann und Peter eine Druckversion der Wettbewerbstexte und veröffentlichten damit das erste Netzliteraturprojekt in Buchform.

"Der längste Screenshot der Welt"

Die Print-Version von "Mein Pixel-Ich" zeigt jedoch, dass virtuelle Interaktivität nicht schwarz auf weiß abgebildet werden kann. Was für die einen ein Buch ist, ist für die anderen noch lange nicht der "längste Screenshot der Welt". Hyperstructures existieren nur im Netz. Weiterhin sind Farben, Schriftarten, Bilder, Illustrationen und Animationen verloren gegangen. Nicht dargestellt sind auch die von Emoticons wimmelnden Kommentare des Lesers/Autors - die Grenzen verwischen hier. Dass Netzliteratur nur im Netz funktioniert, ist nichts, was man den rührigen Herausgebern zuraunen müsste. Sie sind alte Hasen.

Netzliteratur oder Literatur im Netz ?   

Sabrina Ortmann hat sich auch theoretisch mit der Netzliteratur befasst. Allgemeingültige Definitionen und Kriterien für das nunmehr 7 Jahre alte Genre gibt es nicht, sagt sie. In ihrem Buch „netz literatur projekt“ hat sie allerdings versucht, den Begriff einzugrenzen und gleichzeitig die Entwicklung einer neuen Literaturform nachgezeichnet.

Danach hat man es im Internet nur dann mit Netzliteratur zu tun, wenn Literatur, Technik, Interaktivität und Kommunikation miteinander in Beziehung gesetzt werden. Netzliteratur verdient ihren Namen nur dann, wenn sie eigens fürs Web entwickelt wurde. Weitere Kriterien sind Offenheit und permanente Veränderung. Der Prozess steht im Vordergrund  und nicht das Ergebnis. Deshalb wird es den tage-bau auch weiterhin geben -ohne Printversion. Diese war sowieso nur als Bonbon für die Mitwirkenden des Wettbewerbs gedacht.  

Über den Erfolg solcher durch und durch idealistischer Unternehmen entscheiden letztendlich die Clickraten: im Januar erzielten die Betreiber des Berliner Zimmers immerhin einen Besucherrekord von über 250.000 Pageviews (Seitenaufrufen). Gratulation!

 Christine Gruler

 

Der Tagesspiegel, 22. Januar 2002

Neue Daten für Literaten

Der Kritiker Peter M. Stephan schreibt an einem Internet- Literaturführer für Berlin. Er schaut sich in den Lesesalons der Stadt um und trifft Luftikusse - zum Beispiel im Mudd-Club.

Christian Domnitz

Eigentlich müsste er es gut finden: Denn im Literaturhaus in der Fasanenstraße richtete er die erste offene Lesebühne Berlins ein. Das war 1972. Ist schon lange her. Und die Lesebühne wurde knapp ein Jahr später wieder geschlossen.

Peter Martin Stephan ist im Mudd-Club. Der Literaturkritiker besucht zum ersten Mal eine der lustigen Lesebühnen in Mitte: Er will die "Surfpoeten" in seinen Berlin-Literaturführer im Internet aufnehmen. Er guckt sich im Publikum um: "Es sind wahrscheinlich viele Studenten hier", sagt er. Auf der Bühne sitzen acht junge Männer in alten Sesseln, rauchen und trinken Wein. Sie sind mit etwa zwanzig Jahren zehn Jahre jünger als Peter M. Stephans Tochter. Er stellt sich vor, sagt "guten Tag" und: "Ich komme aus der Literaturwissenschaft." Die alte Schule des Schreibens trifft die junge: "Ach, schon wieder so ein Interview." - "Nein, ich mache einen Berlin-Literaturführer fürs Internet." Einer der jungen Literaten schüttelt den Kopf. Die anderen lehnen sich zurück und warten auf Fragen.

"Habt Ihr etwas mit der amerikanischen Slam-Poetry der Achtziger zu tun?" Eher nicht. "Wie findet Ihr Jack Kerouac?" Auch das war lange vor ihrer Zeit. "Mit romantischer Dichtung habt ihr ja auch wenig zu tun, Luftikusse seid Ihr ja nicht." - "Doch, Luftikusse, das ist ein gutes Wort", sagt Surfpoet Ahne.

Die Lesung beginnt. Die Texte sind schnell, manchmal brutal und werden in gespielter Naivität vorgetragen. "Das sind junge Leute, die nicht mehr an Romantik und Händchenhalten glauben", sagt Stephan. Nach dem etwas unklaren Vortrag eines Surfpoeten: "Die jungen Leute geben sich keine Mühe mehr." Peter M. Stephan ist kritisch. "Man wertet immer", sagt der Mann, der über Max Frisch promoviert und Heinrich von Kleist herausgegeben hat. Er erinnert sich, der Literat Karl Dall habe vor Jahrzehnten - lange vor seiner Zeit beim Fernsehen - Gedichte vorgelesen und sie danach an der Kerzenflamme verbrannt. Das sei ja stilistisch ähnlich gewesen.

Einmal, als ein Text vorgelesen wird über "fiese Firmen, die sich an meinem Müll bereichern", muss der Kritiker das erste Mal lächeln. Das ist unangenehm: Lachen müssen, ohne es zu wollen. "Das ist Oberflächenliteratur", sagt er. Aber sie sei witzig. Schließlich singen die Surfpoeten mit ihrem Publikum "Der Mond ist aufgegangen". Beim "steigt der weiße Nebel wunderbar" setzt Stephan genüsslich die Bierflasche an den Mund.

"Auch ich könnte so etwas schreiben: Es ist nur gefährlich." So schnell zu schreiben, das mache die Sinne stumpf. Die Texte seien unfertig, manchmal stecke einfach zu viel in ihnen drin: Man müsse an einigen Stücken noch etwas arbeiten. "Doch stattdessen werfen sie sie wahrscheinlich weg."

Er überlegt, wie er die "Surfpoeten" im Internet-Literaturführer vorstellen wird. Etwa zehn Orte hat er schon kritisch besucht, wie Theodoras Literatursalon, von dem er schreibt, "das Publikum ist streitbar und wird immer streitbarer in fortschreitender Nacht." Das "Literarische Colloqium Berlin" steht neben dem "Kaffee Burger".

Eines wurmt ihn. Max Frisch habe doch mal gesagt, er wolle mit seiner Literatur eine Spur hinterlassen. Ja, und die Surfpoeten? Stephan legt die Sirn in Falten, und fragt sich laut: "Warum machen die das bloß?" 

Der Berlin-Literaturführer von Peter M. Stephan im Netz: www.berlinerzimmer.de/berlinerliteratur

Clickfish, Januar 2002

LITERATURFüHRER BERLIN

Literarisches Leben in Berlin

Manchmal verliert man in Berlin die Übersicht. Und gerade im Bereich der Literatur gibt es viele Institutionen, Autorengruppen und Veranstalter, die einem selten in den Programmankündigungen begegnen. Der “Literaturführer Berlin” des Berliner Zimmers (www.berlinerzimmer.de) schafft Abhilfe, indem mit Bild und Text die Literaturszene Berlins vorgestellt wird.

Bekannte Institutionen wie das Literarische Colloquium oder die literaturWERKstatt berlin werden in Worten beschrieben, die man auf der Zunge schmecken kann. Die gleiche Behandlung erfahren aber auch weniger bekannte Literaturstätten in Berlin, wie zum Beispiel der Literarische Salon Britta Gansebohm, die Restauration Walden oder die Bücherstube Marga Schoeller.

Die Fotos machen Lust auf einen Besuch. Wenn vorhanden, sind Links zu den entsprechenden Websites vorhanden, in jedem Fall aber die vollständige Adresse mit Telefonnummer. Das Angebot wird fortlaufend erweitert.

Peter M. Stephan ist der Verfasser der Texte. Er ist Mitgründer der Literaturzeitschrift LITFASS, war Vorsitzender der Neuen Gesellschaft für Literatur e.V. und lebt als freier Autor in Berlin. Die Fotos stammen von Enno E. Peter, der zusammen mit Sabrina Ortmann das Berliner Zimmer im Internet betreibt - einen wichtigen “Knotenpunkt” für literarische Aktivitäten im Netz.

(Titus Müller)

 

Pressespiegel-Archiv 2001 2000 1999 1998

  

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