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Bild:
Pablo
Reese von Lichtenberg
Der
Tagesspiegel, 02.11.2001
Münchener Merkur,
23. Oktober 2001
Zitty
Berlin, Oktober 2001
Berliner Zeitung,
29. September 2001
Telepolis 13. September 2001
Klenkes, Aachens Stadtillustrierte, September 2001
Kulturzeitschrift
Paraplui, August 2001
Berliner Morgenpost, 23. Juli 2001
Süddeutsche
Zeitung 12. Mai 2001
ntv 5. Mai 2001
Online
Today 5/2001
Net-Business,
12. April 2001
AVIVA-BERLIN, April 2001
Der Tagesspiegel, 21. März 2001
ZDF, 19. März 2001
MorgenWelt Kultur, 12. März 2001
WDR3, 6. März 2001
FAZ.NET, 27. Februar 2001
AMICA
3/01
Literatur-Café 2/01
FAZ.NET,
12.02.01
Der
Tagesspiegel, 9. 02 2001
Pressespiegel
2002 2000 1999 1998
|
Von
Jutta Heess, Der Tagesspiegel, 02.11.2001
Literarisches
Duett
Sabrina
Ortmann und Enno E. Peter veranstalten einen Literatursalon im Internet. Sie
sehen nicht ein, warum Gedichte nur in Büchern stehen sollen.
Die beiden
Berliner Literaturliebhaber betreiben www.berlinerzimmer.de
, den Literatur-Salon im Internet. Außerdem sind sie die Initiatoren eines
Literaturprojektes unter www.tage-bau.de . Darüber hinaus
hat Sabrina Ortmann gerade ein Buch geschrieben: "netz
literatur projekt" (www.berlinerzimmer.de/netzliteraturprojekt.htm).
Das Thema: Geschichte und aktueller Stand der digitalen, schreibenden Kunst.
Literatur im Internet gibt es erst seit 1995. Mit ihrem Projekt haben Ortmann
und Peter Maßstäbe gesetzt und wünschen sich eine breitere Öffentlichkeit.
Das
Interview lesen
Münchener
Merkur, 23.10.01
Herzblut
im Netz
Medientage: Diskussion über Literatur im Internet
(...)
Sabrina Ortmann hat sich wissenschaftlich sowohl mit herkömmlicher, als
auch mit computergenerierter und vernetzter Literatur beschäftigt. Das
Ergebnis heißt "netz literatur
projekt" und ist, seinem Gegenstand gemäß, ein Book-on-demand,
das also auf Nachfrage hin gedruckt wird. Fazit: Auch sie will sich nicht
festlegen, ob es sich bei Netz-Literaten um eine Avantgarde oder eine Arrièregarde
oder um versponnene Tüftler handelt, deren Werkstatt der virtuelle Raum
ist. Wie Ortmann ihren elektronischen Salon "berlinerzimmer.de",
so unterhält der Stuttgarter Wolfgang Tischer im Netz sein "literaturcafe",
in dem man sich allenfalls elektronisch niederlassen kann. Auch er bietet
Foren für Veröffentlichung und Meinungsaustausch an.
(...)
Christine
Diller
Ganzer
Artikel
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Zitty
Berlin, Oktober 2001
Sprungbrett
Uni. Studenten machen sich selbständig.
Vom Studium ins
Netz: das Berliner Zimmer
Wie Kommilitonen Firmen gründen

Foto: Zitty
Es ist ein
ständiges Kommen und Gehen. "Durch unser Zimmer laufen ungefähr
3.000 Leute pro Tag", sagt Sabrina Ortmann (Foto). Zusammen mit
ihrem Freund, dem 35-jährigen Informatiker Enno E. Peter, betreibt
sie den virtuellen Literatursalon Berliner Zimmer.
Bei
Internet-Recherchen zu einer Hausarbeit war die Germanistikstudentin
auf die kommentierte Linkliste zur deutschen Literatur des damaligen
Informatikstudenten Enno gestoßen. Auf eine E-mail hin trafen sich
beide. Sie wurden ein Paar. Und gründeten 1998 das Berliner Zimmer.
Heute verweist
ihre gemeinsame Literaturseite auf rund 800 literarische Quellen im
Netz, auf theoretische Texte zum Thema, Linksammlungen und
Rezensionen. Montagabends plauschen Literaturliebhaber im Chat, der
dichterische Nachwuchs tobt sich in einem Forum aus. Und eine
Mailing-Liste versorgt Interessierte mit den neuesten Literatur-Infos.
Das große Geld
wirft die Seite nicht ab. Die Werbeeinnahmen decken "gerade so
die Unkosten". Angebote von Verlagen lehnen Sabrina und Enno
jedoch ab. Sie wollen die inhaltliche Kontrolle über das Projekt
behalten.
Sabrina
verdiente sich schon während des Studiums ihre Brötchen als freie
Autorin. Nach 16 Semestern ist die 29-jährge nun fertig mit der Uni.
"Wenn ich
nur das Studium durchgezogen hätte, hätte ich jetzt ziemlich
schlechte Karten irgendeinen Job zu kriegen", sagt sie." So
bin ich in der Lage mich selbst zu finanzieren. Dann ist es auch egal,
wie lange das Studium dauert." Der Erfolg gibt ihr recht.
Kristian
Kissling
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Berliner
Zeitung, 29.09.2001
New York
gehört uns allen Nach den Anschlägen in den USA: Ein Blick in
deutsche Online-Zeitschriften
Michael Mayer
Dass der Krieg,
wie Heraklit meinte, der Vater aller Dinge sei, ist zwar eine dem
heutigen Mainstream zuwiderlaufende Denkart. Versteht man darunter
allerdings, dass kriegsträchtige Bedrohungsszenarien innerhalb
kürzester Zeit zur Verflüssigung politischer, gemeinhin als
unverrückbar eingeschätzter Positionen führen können, hat
Heraklits Wort auch heute erschließende Kraft. Denn wer hätte sich
früher träumen lassen, dass Russland, wenn auch noch ein wenig
wankelmütig, den Schulterschluss mit dem einstigen Antipoden suchen
würde? Von der chinesischen Haltung wie dem zaghaftem Zuspruch Irans
ganz zu schweigen. Den außenpolitischen entsprechen gleichwohl
innenpolitische Zäsuren, die, meist mit einiger Verspätung, eine
Verschiebung des gesellschaftlichen Diskurses anzeigen. Dass
Deutschland, der langjährige Profiteur atlantischer
Bündnissolidarität und zumal US-amerikanischer Entschlossenheit,
sich angesichts des New Yorker Massenmordes nicht mehr aus der
Verantwortung stehlen könne, dämmert allmählich auch jenem Teil der
Bevölkerung, dem Kriegslüsternheit vorzuwerfen absurd wäre.
So findet sich
unter dem 23. September im literarischen Online-Tagebuch "tage-bau.de"
des "Berliner Zimmers" - einer Art virtuellem Salon -
folgende Notiz: "Wenn es wahr ist, dass englische Soldaten
bereits in Afghanistan sind und an der Seite der Nordallianz gegen das
Taliban-Regime kämpfen, Respekt vor ihrem Mut, vor der Tapferkeit
ihrer Frauen und Eltern. Hoffentlich machen sie ihre Sache gut. Wie
gut würde es deutschen Soldaten tun, wenn sie Seite an Seite mit den
Engländern und den Mudschaheddin der Nordallianz den Beweis
erbrächten, dass deutsche Soldaten, die so viel sinnlosen Mut
bewiesen, ein menschenverachtendes Regime zu stützen, heute auch
bereit sind, ihr Leben einzusetzen, um ein menschenverachtendes Regime
zu stürzen!" Solche Statements müssen in einem links-liberalen
Milieu ketzerisch wirken. Und wirklich musste der Autor noch am selben
Tag mächtig Prügel einstecken.
(...)
Ganzer
Artikel
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Telepolis,
13.09.2001
Wo
Literatur schneller und kürzer wird
Michael
Klarmann
Aus alt mach
neu: (Experimentelle) Literatur tummelt sich heute (auch) im World
Wide Web
Die Frage ist
so alt wie der Begriff selbst: Was ist Literatur? Lyrik, Romane,
Novellen, John-Sinclair-Heftchen oder experimentelle Wortspielereien,
die der Autor Wochen nach der Niederschrift oder dem Anordnen selbst
nicht mehr begreift? Logisch, dass sich mit jeder technischen Neuerung
diese Frage aller Fragen wieder und wieder stellt. Sabrina Ortmann vom
literarischen Salon Berliner Zimmer liefert mit dem Buch netz
literatur projekt einige Antworten.
Schon in den
60er Jahren experimentierten Autoren mit elektronischen Medien. In der
USA erlebte damals die Literatur den erweiterten Begriff der
Beatliteratur. Allen Ginsberg, Jack Kerouac und William S. Burroughs
prägten etwas Neues, als Amerikas Bibliotheken "voller
Tränen" waren (Ginsberg). Kerouac etwa spannte eine Papierrolle
in seine Schreibmaschine, um seinen Schreibfluss nicht unnötig zu
bremsen. Burroughs experimentierte mit der Cut-up-Methode, wobei er
Manuskriptseiten von linear getippten Texten wieder zerteilte, sie
versetzt aneinander montierte und erneut abtippte. Die neuen Texte,
halbwegs redigiert, ergaben einen völlig anderen, oft kruden Sinn.
Man muss es
nicht betonen, Drogen spielten hierbei eine Rolle. Ebenso die
Kommunikation unter den Autoren. Der starre Literaturbegriff der
Universitäten wurde gelockert. Alle sollten und konnten kreativ sein,
Kettengedichte, Copy- bzw. Mail-Art-Projekte und literarische
Briefwechsel endeten in selbst kopierten Heftchen – modernes
Ambivalent: Print on Demand? – oder zwischen Buchdeckeln. 1968
schwappte der Beat mit der Studentenbewegung auch über nach
Deutschland und Europa. Aber es gab auch auf den ersten Blick
ungewöhnliche herkömmliche Romane, denen wohl nur noch das Internet
fehlte. Etwa das Buch "Rayuella – Himmel und Hölle" von
Julio Cortazar. Der Leser kann es linear lesen, oder er springt nach
einem gewissen System zwischen den einzelnen Kapiteln und die Lektüre
ergibt einen anderen Sinn.
Mail-Art-Aktionismus
wurde durch Fax und Computer schneller. In den 80er Jahren erschienen
erste Diskettenmags. Durch die Popularität des Internet wurde auch
dieser Kommunikationsweg zum Spielball der Literaturszene. Dabei kamen
sich Autor und Leser näher. Vor allem aber beschleunigte sich alles.
Ein Kettengedicht wanderte per Email schneller hin und her, als es
einst dauerte, den Brief zur Post zu tragen. Und dank Mailinglisten
oder Newsgroups ergaben sich plötzlich hunderte Versionen desselben
Textes. Ortmann spricht hier von "kollaborativen
Netzliteraturprojekten". Und natürlich gab es plötzlich
unzählige Homepages, auf denen Literatur publiziert wird, über die
Verlage und Autoren für ihre Bücher werben, dazu kamen
Online-Bibliotheken. Aber ist das alles Netz-Literatur? Ortmann
unterscheidet hier:
"Literatur
im Netz bedient sich des Internets also lediglich als Medium zur
Veröffentlichung. Es handelt sich um traditionelle Texte, die auf
Web-Seiten publiziert werden. Netzliteratur dagegen nutzt die
Möglichkeiten eines Netzes und eventuell zusätzlich die des
Computers als Stilmittel. Hierzu gehören vor allem die Möglichkeiten
der Technik, der Interaktivität und der Kommunikation. (...) Die
Netzliteratur grenzt sich wiederum ab von Hyperfiction, die sich nur
durch die Verwendung von Links von herkömmlicher Literatur
unterscheidet, und anderer Computerliteratur. Mit Computerliteratur
ist hier solche Literatur gemeint, die ohne den Computer nicht
existieren würde, die jedoch nicht das Internet benötigt, sondern
auch auf Diskette oder CD-ROM veröffentlicht werden könnte
(...)."
An drei
Beispielen macht die Autorin deutlich, wie Netzliteratur funktionieren
kann. Einmal ist es der Assoziations-Blaster, der erst durch das
Internet richtig funktioniert, an Spontaneität und Schnelligkeit
gewinnt und ein ständig sich wandelndes Schreib- und Lesevergnügen
für Jedermann darstellen kann ( Assoziations-Blaster ist offline).
Zum Zweiten der Tagebau, ein Tagebuch, in das profilierte Autoren
hineingeschrieben haben. Das Projekt verdeutlicht übrigens die
Vergänglichkeit der Netzliteratur, denn nach einem Fehler in der
Datenstruktur im August 2000 wurden weite Teile der Site gelöscht.
Lediglich das, was Autoren oder Webmaster gesichert hatten, konnte
rekonstruiert werden – da oftmals direkt in das
Online-Redaktionssystem eingegeben wurde, war manches unwiderrufbar
verschollen. Zum Dritten nennt Ortmann Die Säulen von Llacaan, ein
Fantasy-Projekt, das ähnlich wie eine Romanserie von verschiedenen
Autoren verfasst wird – obwohl sie gewisse Freiheiten haben, sind
sie an einen Rahmen und Hauptcharaktere gebunden.
Literatur, die
sich im Word Wide Web tummelt, ist also vielschichtig. Um es mit
Günter Grass zu sagen: ein weites Feld. Die Autorin beackert dieses,
vom ersten Meter an bis zum Hier und Jetzt (Ende 2000). Und sie weist
darauf hin, dass die hehre Kunst des (deutschen) Feuilleton abermals
den Begriff der Stümperei bemüht. Von "Pennälerdada"
(Erhard Schütz) war auch schon die Rede. Schuld daran könnte sein,
dass der "Autor" manchmal ein besserer Programmierer denn
Texter ist und sich durch die Homepage von Jedermann – kein Lektor
oder Redakteur verhindert Schlimmeres – und die (teilweise anonyme)
Forennutzung ein erweiterter Literaturbegriff unterhalb der
Kulturschmerzgrenze etablierte. Allerdings können gerade Foren für
Autor und Leser nützlich sein.
Und Literatur
im Netz respektive Netzliteratur, so Ortmann, lebt oft von ihrer
Spontaneität, von Kürze und Schnitten ähnlich der MTV-Ästhetik.
Die Zeichensprache des Internet, etwa der Smileys oder Kürzel,
strahlen zudem zurück auf die "normale" Literatur. Was
früher ein Briefroman war, wird heute zur Email-Erzählung. Und last
but not least wird natürlich auch die Schreibe rasanter. Weswegen
diese Bestandsaufnahme auch nur von geringer Halbwertzeit sein
dürfte. Ihren Wert mindert das nicht!
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Klenkes,
Aachens Stadtillustrierte, September 2001
World Wide
Lit.
Literatur wird
schneller, spontaner, die Texte kürzer und geprägt von der
Schnittechnik ähnlich der MTV-Ästhetik. Ort des Wandels ist - wie
sollte es anders sein? - das Internet, in dem sich neue und alte
Literaturformen tummeln. Denn schon seit den 60er Jahren tüfteln
Autoren mit elektronischen Medien. Und seitdem das Web an Popularität
gewonnen hat, expandiert auch die Netzliteratur.
Sabrina Ortmann
vom virtuellen Salon Berliner Zimmer hat sich für ihr Sachbuch
"netz literatur projekt" mitten in diese Schnelllebigkeit
gestürzt. Die Pionierin der deutschsprachigen WWW-Literatur erzählt
die internationale Geschichte der Szene und erklärt zudem anhand
deutschsprachiger Projekte, was geht. Der Assoziations-Blaster etwa
ist ein sich ständig wandelndes Schreib- und Leseerlebnis mit oft
wirr anmutenden, verlinkten Textminiaturen. Darf hier jeder texten,
durften sich beim tage-bau nur profilierte, auserwählte Autoren ins
beständig geänderte, verlinkte und erweiterte Tagebuch hinein
verewigen. Ähnliches passiert bei Die Säulen von Llacaan, ein
Fantasy-Projekt, das wie eine Romanserie von mehreren Autoren verfasst
wird, allerdings nur im und fürs Internet.
Alle drei
Beispiele, so Ortmann in ihrer fundiert recherchierten Arbeit, nutzen
das Web und dessen "Möglichkeiten der Technik, der
Interaktivität und der Kommunikation". Genau das macht für die
Autorin Netzliteratur aus. Manch einer ordnet einzelne Facetten davon
zwar unter "Pennälerdada" (Erhard Schütz) ein. Aber die
Experimentierfreude prägt stilistisch längst auch das, was zwischen
Buchdeckeln erscheint. Etwa Romane mit Smileys und Web-Kürzeln oder
E-Mail-Erzählungen statt des herkömmlichen Briefromans.
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Kulturzeitschrift
Paraplui, August 2001
Enno
E. Peter / Sabrina Ortmann: tage-bau.de - ein literarisches
Online-Tagebuch. Mein Pixel-Ich
Verlag berlinerzimmer.de 2001. 196 Seiten.
Auf der
"Suche nach dem Wesen der neuen Medien" veranstaltete der
Kultursender ARTE im Herbst 2000 den "them@-Literatur-Wettbewerb"
mit insgesamt vier Preisen. Das zum Themenschwerpunkt "Mein
Pixel-Ich. Ich bin drin, also bin ich! Oder?" eingereichte
Online-Tagebuch des Internet-Literaturforums 'Berliner Zimmer' erhielt
dabei von der internationalen ARTE-Jury den Innovationspreis
zugesprochen. Mit dem Preisgeld brachten die Herausgeber die
ursprünglich in rein virtueller Form ins Netz gestellten
Online-Chatbeiträge auch in Buchform heraus. Der Vergleich zwischen
dem prämiierten Textexperiment und der nachträglichen Buchausgabe
wirft Fragen im Hinblick auf eine mediale Bedeutungsverschiebung auf.
Zunächst zum
Inhalt: In acht Wochen hatten 25 Autoren unter dem Titel
"Mein-Pixel-Ich" im vom 'Berliner Zimmer' eingerichteten
Online-Chatforum tage-bau.de ihre Ideen zum Leben im Netz eingestellt.
Spontan eingegebene kurze Erzählungen, Gedichte und Reflexionen über
das Leben in der virtuellen Welt, reale und fiktive Alltagserlebnisse,
Gedanken zur Netzidentität, Versuche über den Tod und Fragmente zur
Einsamkeit des Chatters vermischen und verknüpfen sich dabei zu einem
anarchischen, jedoch keineswegs ins völlig Chaotische
abgleitenden,abwechslungsreichen Textgeflecht. Die einzelnen Beiträge
der verschiedenen Autoren nehmen spielerisch Bezug aufeinander, bauen
interaktiv aufeinander auf und fließen so zu einem vieldimensionalen
und vielschichtigen polyphonen Stimmengewirr zusammen -- einem
improvisierten Musikstück, dessen Ganzes mehr ist als die Summe
seiner Teile.
Aufgrund des
Fehlens einer übergeordneten auktorialen Kontrollinstanz bleibt der
Gesamtcharakter des Online-Tagebuchs notwendigerweise disparat.
"Mein Pixel-Ich" ist ein unter neuartigen literarischen
Produktionsbedingungen zustande gekommenes Textexperiment, das seine
Herkunft -- das Chatforum -- nicht verleugnen kann und auch nicht
soll. Wie jedes andere gewöhnliche Chatforum bildet auch tage-bau.de
eine Arena für viele unterschiedliche Stimmen und Beiträge.
Herkömmliche Selektionsmechanismen im Hinblick auf literarische
Qualität im Sinne einer Vorauswahl sind hier unwirksam. Kein Lektor
und kein wissenschaftliches Gremium sind zwischengeschaltet, um über
die 'Veröffentlichungswürdigkeit' eines Beitrags zu entscheiden. Das
Online-Medium des Chats ist jederzeit hemmungslos offen für jeden
Beitrag jedes und jeder sich spontan berufen Fühlenden. Jeder
Beitrag, kaum eingetippt, ist augenblicklich einer zumindest
theoretisch unbegrenzten Öffentlichkeit zugänglich. Die Frage nach
der Qualität der Texte muss also im Medium des Online-Chats
zwangsläufig eine andere sein, als bei auf herkömmlichem Weg
entstandenen literarischen Produkten. Der heterogene Charakter und die
Qualitätsunterschiede müssen im neuen Medium ihrer Natur nach anders
betrachtet werden als die Qualität herkömmlicher Texte in
herkömmlichen Medien. Als neue Bewertungskriterien von
Online-Chattexten müssen deren innovative Qualitäten wie zum
Beispiel ihr momentan vielleicht noch gar nicht richtig zu ermessendes
Potential zur multidimensionalen Vielschichtigkeit und natürlich ihre
demokratische Durchlässigkeit hinzugedacht werden. Schließlich
erhielt das Online-Tagebuch "Mein Pixel-Ich" von tage-bau.de
seinen Preis aufgrund der Innovationskraft seines Gesamtkonzepts
zugesprochen, und nicht aufgrund der literarischen Qualität seiner
einzelnen Beiträge.
In diesem Sinne
als problematisch zu betrachten ist daher die (Rück-) Übertragung
des virtuellen Textgebildes in die Form einer 'festen' mit Buchdeckeln
versehenen Druckausgabe. Denn hier werden sofort wieder ganz andere
konventionelle Rezeptionserwartungen und Bewertungskriterien wirksam.
Das Lesen von Texten geschieht online ganz anders als das Lesen
gedruckter Texte. Im Online-Chat wird kurzerhand überlesen,
übersprungen oder weggescrollt, was banal erscheint. Da der im Netz
vorhandene Platz im Gegensatz zum gedruckten Medium praktisch
unbegrenzt ist, besteht keine Notwendigkeit mehr, vorzuselektieren,
was aufzunehmen und was auszuschließen ist. Der Selektionsprozess
liegt nicht mehr im Vorfeld -- bei Lektor oder Redaktion -- sondern
ganz auf der Rezeptionsseite, beim Leser. Dafür stehen dem Leser nun
neuartige Hilfsmittel wie Mausklick und Hyperlink zur Verfügung.
Natürlich kann man Online-Texte auch herunterladen und ausdrucken,
doch verändert man durch diese Überführung in ein anderes Medium
auch gleichzeitig wieder den Rahmen für ihre Rezeption.
Der in der
gedruckten und veröffentlichten Buchform gegebene Rezeptionsrahmen
lässt konventionelle Erwartungshaltungen wirksam werden, die sich
schwer tun, dem aus seinem Entstehungskontext gerissenen Onlinetext
gerecht zu werden. Dies liegt vor allem an der gewohnheitsmäßig
unbewusst an das Buch herangetragene Erwartung des Lesers, dass die
enthaltenen Texte vor ihrer Veröffentlichung einer redaktionellen
Vorselektion unterzogen wurden, oder auch an der Erwartung eines
ausgearbeiteten, verbindlich zugrunde liegenden Erzähl- oder
Argumentationskonzeptes. Aus diesen Gründen gerät der an lineare und
zusammenhängende Texte gewohnte Leser leicht ins Schleudern. Gutes
findet sich augenscheinlich gleichberechtigt neben Schlechtem, wobei
man sich fragen muss, ob das dem qualitativ Besseren gut tut. Um dem
zu begegnen, müssten die Leser mit ihren Lesegewohnheiten aufräumen
und sich auf das Experiment des anarchischen selektiven Lesens
einlassen.
Ist es dann
aber nicht doch sinnvoller, gar nicht erst zum guten alten Buch
zurückzukehren, sondern beim schnellen und sprunghaften Internet zu
bleiben und sich dort beim Pagehopping zu vergnügen? Vielleicht wäre
es klüger gewesen, das Preisgeld statt in die Buchausgabe in neue
Internetprojekte zu stecken. Denn die großen Stärken, die die
Netzwerker nutzen und weitertreiben sollten, liegen vor allem in der
Interaktivität -- der Möglichkeit also, in entstehenden Text
eingreifen zu können -- und den sich daraus ergebenden ganz neuen
Möglichkeiten der Kommunikation.
(Das
Online-Projekt "Mein Pixel-Ich" ist im Netz unter http://www.tage-bau.de
aufzufinden.)
(Belbet Tomasi)
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Berliner
Morgenpost, 23. Juli 2001
«Heute habe
ich Kopfschmerzen»
Online-Tagebücher:
Warum Menschen ihr Innenleben im Netz publik machen
Unter die
Matratze, zwischen die Weltliteratur oder doch lieber hinter den
Nachtschrank? Für Tagebuchschreiber war das Versteck ihrer privaten
Seiten immer eine zentrale Frage. Bis das Internet kam. Die
Aufbewahrungsorte vieler Tagebücher sind seitdem öffentlich und
heißen www.mytagebuch.de oder www.tagebuchwebring.de. Von solchen
Abietern oder Portalen aus gelangt der User direkt in das nun gar
nicht mehr geheime Innenleben seiner Mitmenschen. Allein im
deutschsprachigen Raum legen schätzungsweise bis zu 150 000
Protokollierer regelmäßig im Netz Bericht über ihr Leben ab. Einige
notieren in sogenannten Weblogs mit zahlreichen Links ihre täglichen
Reisen durchs Netz wie etwa die Blogger (www.x-7.de/extra/bloggerparty.htm),
andere gehen die Sache persönlicher an und führen echte virtuelle
Tagebücher. Doch warum geben Menschen ihre persönlichsten Gedanken
und Erlebnisse einem unbekannten Publikum preis?
Bei der
Berlinerin Sabrina Ortmann zum Beispiel stehen literarische Ambitionen
im Vordergrund. 1999 gründete die Germanistin zusammen mit Enno Peter
das Online-Tagebuch «tage-bau»
auf der Seite des virtuellen Literatursalons berlinerzimmer.de. Über
50 Tagebuchschreiber beteiligten sich daran, auch Prominente wie Doris
Dörrie. Die Initiatoren wurden dafür sogar mit dem
Arte-Innovationspreis ausgezeichnet. «Wir schreiben explizit für
Leser. Wir können uns ausprobieren und Kommentare zu den Texten sind
ausdrücklich willkommen», sagt Sabrina Ortmann. Und beschreibt damit
eine Aufgabe des Online-Tagebuchs, die Wissenschaftler als
Übungsfunktion bezeichnen. In Online-Tagebüchern, so die Psychologin
Nicola Döring, würden die Einträge stärker literarisch verfeinert
als in ihren Offline-Pendants. In der Computerzeitschrift c't nennt
die Wissenschaftlerin außer der Übungsfunktion noch vier weitere
Funktionen: Archiv-, Reflexions-, Ventil- und Sozialfunktion.
(...)
Ganzer
Artikel
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Süddeutsche
Zeitung, 12. Mai 2001
"...
Eine ganz neue Welt für Schreibende hat sich aufgetan, ein völlig
neues Selbstbewusstsein ist bei Autoren ebenso wie bei Künstlern
aller anderen Gattungen, die sich ebenfalls en masse im Internet
tummeln, gewachsen: Man liest mich, also bin ich. [...]
Dass
durchaus auch Schreckliches dabei ist, davon können Sabrina Ortmann
und Enno E. Peter, Betreiber der inzwischen in einschlägigen Kreisen
schon berühmten Site www.berlinerzimmer.de, ein Lied singen. Die
beiden Literaturfachleute, die das aufwändige Projekt von ihrer
Wohnung in der Weinsbergstraße (Weinbergsweg
Anm. der Redaktion) aus managen, verdrehen die Augen beim
Gedanken an die Machwerke, die ihnen zur Veröffentlichung
beispielsweise in ihrem Online- Erotik-Magazin „Erosa“ zugesandt
wurden. (Ganz
so schlimm ist es auch nicht ;) Anm. der Redaktion)
Wie
viele, ja unzählige Menschen sich zum Schreiben berufen fühlen und
ihre Texte im Internet ungehindert veröffentlichen, zeigt schon die
Link Liste, die Ortmann und Peter auf ihrer Seite haben. Mehr als 80
Links (es sind über 400 Anm. der
Redaktion) sind da zu finden: vom Assoziationsblaster.de
(„eine Art Literaturmaschine, in der sich alle eingetragenen Texte
mit nicht linearer Echtzeit-Verknüpfung automatisch miteinander
verbinden“) über „Beim Bäcker“ (gemeinsames Schreibprojekt auf
der Homepage von Claudia Klinger) bis zu „Textwerk“, „Wolfskreis-Lyrics“
und „Yolanthes Bibliothek“. „Die Autorenecke“, „Die kleine
Leseecke“, „Die Literaturkneipe“, „gedichte.de“, „Tabula
rasa“ – der Erfindungsreichtum und der Output der Schreibenden
findet kein Ende. Und das sind nur die von Ortmann und Peter auf eine
gewisse Qualität hin geprüften Websites. Ganz zu schweigen also von
den unendlich vielen Homepages mit Lyrik, Tagebucheinträgen und Ergüssen
aller Art, die es sonst noch gibt.
Gedruckt wird auf Bestellung
Bei
aller Demokratie des Internets: „Es muss schon eine gewisse Qualitätsauslese
geben“, finden Ortmann und Peter. Dennoch waren gerade sie es, die
mit der Veröffentlichung ihres Online-Projekts „tage-bau.de“,
eines literarischen Online-Tagebuchs, eine große Qualitätsdebatte im
Netz angestoßen haben. „Mein
Pixel-Ich“ heißt das Buch mit dem Untertitel „berlinerzimmer.de
offline1“, das bei „books on demand“ (www.bod.de) herausgegeben
wurde. ..."
Mit freundlicher Genehmigung der
Süddeutsche Zeitung
und der DIZ München
GmbH
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Sendung
ntv.de: Virtuelle Salons 5.5.2001
Ausschnitt
als MPG
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Berliner Zeitung, 2. Mai 2001
MTV zum Lesen
Ausgezeichnete Texte im virtuellen Literatursalon
"Berliner Zimmer"
Laura Weissmüller
Wenn man das Berliner Zimmer betritt, öffnet
man keine Tür. Es ist ein virtueller Raum und die einzige Bewegung,
die man ausführen muss, ist das Klicken der Maustaste. Obwohl die
Herausgeber Enno E. Peter und Sabrina Ortmann ihr Zimmer in der
Tradition der Literarischen Salons des 19. Jahrhunderts sehen,
verzichten sie auf den wirklichen Raum und laden ihre Gäste zu sich
ins Netz ein.
Seit 1998 wollen sie für Autoren und Leser ein Forum
schaffen, das den gegenseitigen Austausch ermöglicht und die
literarische Orientierung im Internet vereinfacht. Im Netz kann jeder
seine Texte veröffentlichen - Autoren und die, die sich dafür
halten. Deswegen gehen gute Texte oft unter. "Qualität muss man
suchen. Es gibt eben noch keinen Marcel Reich-Ranicki im Web",
sagt Ortmann. Ihre über 500 kommentierten Links helfen bei der Suche
nach Lesenswertem. Hier tauchen oft junge Autoren auf.
Manche wagen
sich zum ersten Mal mit ihren Texten in die Öffentlichkeit. Sie
wollen sich austesten und Meinungen zu ihren Werken einholen.
Theoretisch können sie damit die halbe Welt erreichen. Doch das
Internet ist flüchtig, Seiten verschwinden wieder und die Texte sind
nicht statisch, sondern "butterweich". Deswegen gibt es die
allgemeine Tendenz, Literatur, die online entsteht, als Buch zu veröffentlichen.
"Denn für das richtige Lesen sind Bücher besser geeignet",
meint die Herausgeberin, die immer noch lieber in Büchern stöbert
als im Netz surft. Deswegen wurde auch ein Teil der Texte des
online-Tagebuchs "tagebau" unter dem Titel "Mein
Pixel-Ich" veröffentlicht. Das Projekt will die Eigenschaften
des Internet wiedergeben. Es verändert sich ständig, ist aktuell und
offen für alle. Jeder kann sich als Autor anmelden und seine Gedanken
zum Tag veröffentlichen. Es sind kurze Texte. "Keine Monster -
ein bisschen wie MTV zum Lesen", findet der Vater des Projekts.
Der "tagebau" ist die erfolgreichste Rubrik im
Berliner Zimmer. Er wurde mit dem Innovationspreis des deutsch-französischen
Kultursenders Arte beim Thema Literatur-Wettbewerb ausgezeichnet. Und
da im Internet vieles weder Anfang noch Ende hat, ist auch für den
Tagebau kein Ende in Sicht.
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Online
Today 5/2001

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Net-Business,
12. April 2001, S. 57
Internet-Literatur / Ein virtuelles Tagebuch geht offline: Die Poeten der
Pixelwelt. Von Anja Dilk.
www.berlinerzimmer.de
Morbus Web: "Gestern hatte ich Kopfschmerzen. 'Virus' sagte der Doktor.
Heute stürzte mein Rechner ab. 'Virus' sagte der Fachmann. Morgen geh ich ins
I-Café." (Betty Bienenstich, 28. September 2000, 15:12 Uhr) Unter Strom:
"Ja. Trefferquote konstant. Logfile. 40 000 hits pro Monat. Baby, stream
me, oh please streame me. Let me be your Downloadslave." (Thorsten
Kettner, 28. August 2000, 13:10 Uhr) Webfantasien. Pixel-Ichs beziehen
Position. Dutzendfach, in literarischem Gewand. Die Berliner Sabrina Ortmann
und Enno E. Peter haben die literarischen Gedankenfetzen von 25 Autoren in
ihrem Onlinetagebuch "Tagebau - Schreiben am Tag" gesammelt. Thema:
Mein Pixel-Ich. Sie schreiben über ihre Erlebnisse im Netz, ob genervt wie
unter der Überschrift "Morbus Web" oder lustvoll wie bei
"Unter Strom". Ende 2000 gewannen die Gründer des virtuellen
Literatursalons Berlinerzimmer.de mit dem Onlinetagebuch den
Arte-Innovationspreis. Mit dem Preisgeld bringen sie "Mein
Pixel-Ich" jetzt als Buch (Book-on-Demand; 28,80 DM) heraus. Ortmann:
"Ein Netzprojekt offline zu bringen, ist für uns ein spannendes
Experiment. Es ist ein Buch zum Stöbern. Man blättert durch die Seiten, wie
man Sites aufklickt - und bleibt irgendwo hängen." Das Berliner Zimmer
ist die virtuelle Wiedergeburt klassischer Salons vergangener Jahrhunderte.
Ein Ort, an dem sich Künstler, Intellektuelle und Neugierige treffen, um sich
auszutauschen: über Poesie und Prosa, Erotik und Politik.

AVIVA-BERLIN im Gespräch mit Sabrina Ortmann, der Herausgeberin des
"Pixel-Ichs". Von Sharon Wølk, April 2001

Artikel und Interview lesen
Der
Tagesspiegel, Interaktiv, 21. März 2001, S. 18: Kafkas EDV-Service. Ein literarischer
Spaziergang im Internet. Von Markus Ehrenberg
(...)
Irgendwo dazwischen liegt das "Berliner Zimmer" mit seinem
literarischen Online-Salon. Daraus entstand das Netztagebuch
"tage-bau", das bei Arte einen Preis gewann.
(...)
www.berlinerzimmer.de. Es gibt sie
noch, die literarischen Salons.
(...)
ZDF / „Etage Zwo – Vernetzte Welt“, 19. März
2001
Beitrag zu "Lesen im Internet", in dem auch der tage-bau vorgestellt und Sabrina
Ortmann als Herausgeberin und Heike Blume als Autorin interviewt wurden.



Lesen
Das Leseverhalten der
Deutschen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Eine Studie der
Stiftung Lesen zeigt, dass oberflächlicher gelesen wird und Lektüren
schneller abgebrochen werden.
Literatur- und
Medienexperte Thomas Wegmann zum Thema: "Das Buch wird nicht
verschwinden, es wird auch weiterhin gelesen. Ein Medium kann man nicht gegen
das andere ausspielen. Es wird in Zukunft immer stärker in so genannten
Medienverbundsystemen gedacht und gearbeitet. Das Internet wird allein nicht
die Literatur ersetzten können, die Literatur wird aber umgekehrt auch nicht
ohne das Internet auskommen. Es gibt bereits zahlreiche Beispiele für
Internetliteratur. Viele Leute stellen ihre Gedichte ins Netz (www.gedichte.de)
oder Tagebücher (www.koblenz.de/kultur/tagebuch(. Es gibt auch
Schreibprojekte an denen man Kollektiv mitarbeiten kann (www.thestories.cjb.net).
Also Texte, die man weiterschreiben kann."
Literaturforum im
Netz
Das World Wide Web geht
äußerst kreativ mit dem Thema um. Da gibt es Literaturforen (www.literaturcafe.de),
Autoren, die ohne Verlag ihr Werk im Internet publizieren (www.stephenking.com),
und manch einer lässt die Salonkultur vergangener Zeiten virtuell wieder
aufleben.
Beispiel: www.berlinerzimmer.de
- ein virtueller Salon, der sich der Literatur im Netz widmet, Treffpunkt für
Autoren und Leser ist. Ein ambitioniertes Projekt des Berliner Zimmers ist der
Tagebau. 50 Autoren schreiben hier gemeinsam an einem Tagebuch, das vom
Kultursender Arte bereits mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Hinter dem
Projekt steht die Germanistikstudentin Sabrina Ortmann, die sich seit drei
Jahren engagiert, die Onlineliteratur aus ihrer Nische zu holen: "Es war
uns wichtig, ein Forum zu schaffen, in dem über das, was im Netz literarisch
passiert, informiert wird. Wir bieten 500 Links zu Literatur im Internet,
einen Chat, zwei Mailing-Listen, und ein Forum, wo Autoren und Leser
zusammenkommen sollen. So, wie es auch früher in den Salons der Fall war. Wir
sehen uns als Forum für diejenigen Autoren, welche die Freiheit schätzen, im
Internet gute Literatur zu machen. Freiheit abseits des Mainstreams der
Verlage. Meistens sind das Autoren, die sich der Maschinerie von
Literaturagentur und Verlag nicht aussetzten wollen."
(....)
Kompletter
Text bei ZDF-Online
Debatte:
Wenn alle schreiben... , 12. März 2001, MorgenWelt Kultur
" - und alle lesen
und dies auch noch in geselliger Runde tun, dann haben wir einen
"Salon". Und wenn dieser Salon dann noch im Internet stattfindet,
sitzen wir mitten im "Berliner Zimmer" von Sabrina Ortmann und Enno
E. Peter.
Den Leser empfängt
eine schön gestaltete Site rund um das Thema "Literatur" - und er
kann selbst mittun in einem Tagebuch-Forum, das sich "Tagebau" nennt
und in dem sich jeder irgendetwas Lyrisches, Prosaisches oder Persönliches
vom Herzen schreiben kann.
Das Tagebau-Forum hat
vor einiger Zeit einen Innovations-Preis von ARTE erhalten - woraufhin die
Site-Organisatoren beschlossen, ein Buch mit den gesammelten
Tagebau-Einträgen zum damaligen Wettbewerbsthema "Mein Pixel-Ich"
herauszugeben. Das Buch wurde im virtuellen Literaturcafé rezensiert und
seitdem geht es hoch her: in Salon und Kaffeehaus gleichermaßen.
Ist die nunmehr
gedruckte Sammlung einfach nur das, was sie ist - nämlich ein Sammelsurium
von allerlei Texten, geschrieben von allerlei Leuten - wie Café-Rezensent
Malte Bremer behauptete, oder ist sie gar eine besonders avancierte Art von
"Literatur", wie die Herausgeber meinen?
Das wird zur Zeit an
beiden Orten heftig diskutiert . So mancher Salonlöwe, der sich schon als
Shooting-Star am deutschen Literaturhimmel glänzen sah, grollt nun ob der
unfreundlichen Rezension. Auffallend war indes, dass sich selbst der Verfasser
des Buch-Vorworts auffallend vornehm zurückhielt, wenn die Rede auf die
Qualität der Pixel-Ich-Texte kam.. offenbar traut auch er nicht der voreilig
ausgerufenen Literatur-Revolution.
Da kann man nur raten:
"Tiefer hängen, liebe Kaffeehausbesucher und Salongäste!". Nicht
jede Schreibübung ist schon Literatur - und ob die aus dem Internet in die
Druckfassung beförderte Geselligkeit den Tag überdauern wird, ist letztlich
doch ganz unwichtig: Hauptsache, man hat sich gut unterhalten - und das allein
zählt doch in einem Salon, nicht wahr?
Infos zum Buch gibt es
hier... "
dl/mw
"Kunst
und Kultur im Internet", Interview auf WDR3 (Radio), Mosaik, am 6.März
2001
"www.berlinerzimmer.de
Der literarische Salon im Netz. Mit vielen Links und Informationen zu
Literatur im Netz und Webliteratur.
www.berlinerzimmer.de/tagebau
Das preisgekrönte literarische Tagebuchprojekt des Berliner Zimmers heißt
"Tagebau" Ein literarisches Tagebuch, an dem bekannte und unbekannte
Autoren gemeinsam schreiben. Gibt es jetzt auch als Buch mit dem Titel:
"Mein Pixel-Ich"."
(WDR3-Homepage, www.wdr.de/radio/wdr3/sendungen/mosaik/20010306.html
)
Was vom Tagebau übrig bleibt ,
Rezension von Roberto Simanowski, Faz.Net, 27. Februar 2001

"Im Sommer 2000 schrieb der Fernsehsender „ARTE“ einen Schreibwettbewerb im Internet aus. Der
Vorstoß hieß „Liter@turwettbewerb“ und zielte inhaltlich wie formal auf die Neuen Medien. Eins der
Schlüsselthemen lautete „Mein Pixel-Ich“, eine der Preiskategorien „Innovation“.
Die geistigen und webadministrativen Eltern des Multiuser-Tagebuchs „Tagebau“, Sabrina Ortmann
und Enno E. Peter, hatten ihre Mitschreiber mit wöchentlichen Zwischenüberschriften („Die Geburt
einer virtuellen Existenz“, „Identität im Internet“ oder „Vom Cyberflirt zum Flamewar“) auf das Thema
einschwören können - und die Jury des Wettbewerbs überzeugt. Denn an der Netzspezifik, an der
„Innovationskraft dieses literarischen Gemeinschaftswerk“ konnte kein Zweifel sein. Nun gibt es das
Ganze als Buch: Pixel auf Papier.
(...)"
Kompletter Artikel
Netz-Salon, von Peter Praschl,
AMICA, Ausgabe 03/01, S. 84

Foto: AMICA
Früher haben sich Dichter und Leser in Salons getroffen. Heute treffen sie sich im Netz. Der Salon
von Sabrina Ortmann, 28, heißt Berliner Zimmer und ist ein angenehmes Hangout für
Literaturliebhaber. Seit 1998 präsentieren Internet-Dichter ihre Werke, ein gut gepflegter Katalog
liefert Hunderte Links zu Autoren, Verlagen und Projekten, im tage-bau protokollieren um die 50
Poeten ihre Erlebnisse und Gedanken, und weil man auch in Salons gern über das eine plaudert, gibt's auch ein erotisches Netzmagazin namens Erosa. Am meisten interessiert sich Ortmann für
"kollaborative Projekte", vielstimmige Dichtungen, zu deren mehrere Autoren beitragen. Eine davon,
Mein Pixel-Ich, erscheint jetzt auch als Buch, zum Nachlesen im Bett oder in der Badewanne.
www.berlinerzimmer.de
Zum Ausdruck drängt doch alles, von Malte Bremer, 27.02.2001, www.literaturcafé.de

Das literarische
Online-Projekt tage-bau.de des Berliner Zimmers ist nun auch als Buch
erhältlich. Unser Kritiker Malte Bremer hat es sich angesehen.
Die Redaktion des
Literatur-Cafés sitzt ratlos vor einem Buch. (...)
Durch die Linearität ist
der Weg zum Papier relativ problemlos und verlustfrei möglich, und irgendwie
scheinen sehr viele ähnliche Internet-Literaturprojekte diesen Weg zum Papier
zu gehen. Es seien Norman Ohlers »Quotenmaschine«, Rainald Goetz' »Abfall
für alle« (schon aus dem Netz entfernt), Hettches »NULL« oder - demnächst
bei KiWi - »Am Pool« genannt. Nach Ausdruck drängt, am Ausdruck hängt doch
alles, scheint die Devise zu sein. Frei nach Goethe, der auch als Ausdruck
vorliegt. Um seine Texte wäre es schade, wenn es damals schon Computer und
Internet gegeben hätte und der Faust dummerweise bei einem Festplattencrash
im digitalen Orkus verschwunden wäre. Denn hier beginnt unsere Ratlosigkeit.
Natürlich kannten wir schon einige der Texte, als sie nur im Web zu lesen
waren. Die Zeitungsberichte, die über das Projekt erschienen und im Anhang
des Buches wiedergegeben sind, die Laudatio der ARTE-Jury und auch der
Vorwortschreiber Dr. Roberto Simanowski, Herausgeber der renommierten Website
Dichtung Digital, sie alle betonen die Verbindung von Internet und Buch,
zitieren Ausschnitte aus dem Inhalt, zitieren sich gegenseitig und drücken
sich - bei Simanowski am deutlichsten zu merken - um einen nicht unwichtigen
Punkt: um die literarische Bewertung der Texte, um die Frage, was der
unbedarfte Leser, der vielleicht nicht mit einem Tagebuch-Autor verwandt ist
und der wenig über den Ursprung der Texte weiß, von diesem Buch hat? Kurz:
Lohnt es sich, das Buch zu lesen? Oder ist es nur der Versuch, durch den Druck
die Texte vor der Flüchtigkeit des Internet zu retten? Wenn eine Besprechung
des Buches für die Allgemeinheit erfolgen soll, dann kann sie nur unter
diesem Aspekt geschehen. Also haben wir Malte Bremer gebeten, der ansonsten in
seiner Rubrik Texte von Gästen des Literatur-Café bespricht, sich das Buch
anzusehen. Hier
sein Ergebnis.
Medienkunst.
Eigentum und Aneignung, Hackertum und Geschäftsmodell. Von Waltraud Schwab,
FAZ.NET, 12.02.01
"(...)
Ähnliches berichtet Enno E. Peter vom Berliner Zimmer. Mit seinen Projekten
soll die Internetliteratur, die die Stringenz des Lesens und die Autorität
des Autors radikal in Frage stellt, endlich zum anerkannten Genre werden.
Einem ,dem per Abonnementgebühren oder Verlagskooperationen letztlich auch
Geld zufließt. (...)
Der
Tagesspiegel, Interaktiv, 9. Februar 2001
Mein Pixel-Ich
"tage-bau",
Schreiben am Tag, ist ein literarisches Online-Tagebuch, das im Rahmen des
virtuellen Salons Berliner Zimmer herausgekommen ist. Im Herbst 2000 erhielten
25 Teilnehmer des Projektes den Innovationspreis beim
them@-Literatur-Wettbewerb des Kultursenders Arte. Ihr Thema: "Mein
Pixel-Ich". Es geht um Flirten um Cyberspace, Online-Shopping, das Leben
in virtuellen Communities - die Themen der "jetzt"-Generation.
Ampool.de macht das auch. Darum lohnt es sich, in Online-Literatur zu
blättern: Rede und Gegenrede, Kommentare, einem Briefwechsel vergleichbar.
Wer das Ganze lieber in den Händen hielt, kauft sich die Anthologie als Buch.
Die Seite finden Sie
unter: www.tage-bau.de
(meh)
Pressearchiv:
2002
2000
1999
1998
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| | Ein literarisches Online-Tagebuch: Mein Pixel-Ich |
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