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Der Pressespiegel präsentiert eine Auswahl an Berichten über das Berliner Zimmer. Wenn Sie einen Artikel über das Berliner Zimmer kennen, der hier nicht aufgeführt ist, würden wir uns über eine E-Mail mit einem Hinweis sehr freuen!

 


Bild: Bodo Streich

2004

Volando 04/2004
Saarbrücker Zeitung, 28. Juli 2004

Frankfurter Rundschau, 21. Juli 2004
Berliner Zeitung, 26. Mai 2004

Neue Zürcher Zeitung, April 2004

RM Berlin-Brandenburg Januar 2004

2003
Berlin-Bookmarks News-Magazin, Dezember 2003
BerliNews Dezember 2003

Buchreport Magazin Juli 2003
Wiesbadener Kurier Mai 2003

Frankfurter Rundschau Mai 2003

aon.at, Mai 2003

Stuttgarter Zeitung April 2003

Die Berlinerin, Februar 2003

 

Pressespiegel-Archiv 2002 2001 2000 1999 1998

„Mit ihrem Projekt haben Ortmann und Peter Maßstäbe gesetzt“
(Der Tagesspiegel)

„Einen langen Atem hat das "Berlinerzimmer.de", zur Zeit wohl das wichtigste Forum in Sachen Netzliteratur." (WDR)

„Das Berliner Zimmer gehört zu den Pionieren unter den Literatur-Sites." (com!online)

„Ein wichtiger ‚Knotenpunkt’ für literarische Aktivitäten im Netz.“
 (Clickfish)

„Ein angenehmes Hangout für Literaturliebhaber.“ (Amica)

„Ein ausgezeichneter Startplatz für die Suche nach Literatur im Netz." (Wiener Zeitung)

Volando 4/2004

Saarbrücker Zeitung 28.07.2004

Der Lockruf der Anonymität 

Blick ins "Berliner Zimmer", einen Internet-Salon

Saarbrücken. Sabrina Ortmann ist eine der Vorreiterinnen von Literatur im Internet. Die freie Journalistin betreibt mit Enno E. Peter das "Berliner Zimmer", den selbsternannten Salon im Netz. Hier treffen sich Autoren, Leser und Künstler online, "Com!online" bezeichnet die Seite als "Pionier unter den Literatur-Sites", Besucher finden Links zu Autoren und Projekten, Texte zum Thema Literatur im Netz. Mailinglisten, Newsletter und Forum, und den "tage-bau" ein literarisches Onlinetagebuch, 2000 mit dem Innovationspreis des arte-them@-Literatur-Wettbewerbs ausgezeichnet.

Das Berliner Zimmer gibt es seit 1998. Etwa zu der Zeit begann in Deutschland Literatur im Internet zu erscheinen. Allerdings gab es, so Ortmann, zu der Zeit wenige Knotenpunkte und auch kaum theoretische Reflexion. Das Berliner Zimmer wurde so zum einen aus der Idee geboren, Informationen darüber zu sammeln, was es im Internet in punkto Literatur schon gab, und zum anderen sollten theoretische Texte zum Thema zur Verfügung gestellt werden, Ortmann weist darauf hin, dass nicht nur die Art in der Literatur zugänglich wird, durch das Internet verändert wurde, sondern auch die Literatur selbst. Die Sprache werde schneller, umgangssprachlicher, spontaner, bedingt durch die Geschwindigkeit des Mediums, Auch Rückwirkungen auf die traditionelle Literatur seien möglich, so wurde etwa schon eine Folge von E-Mails als Roman veröffentlicht. [...]

 

Frankfurter Rundschau, 21. Juli 2004

Auf dem Sofa

Altbaubewohner kennen das Berliner Zimmer als Empfangs- und Aufenthalts- aber auch Durchgangszimmer, als oft großzügig geschnittenes Eckzimmer zwischen Vorder- und Hinterhaus mit einem Fenster in der Ecke.

In nämlicher Stadt gibt es seit nunmehr fünfeinhalb Jahren ein virtuelles Berliner Zimmer, das die Funktion der literarischen Salons in der Tradition des 18. und 19. Jahrhunderts in die Moderne und das Netz übertragen will: Literaten, Journalisten, Wissenschaftler und Künstler nutzten den Salon als Forum für den Austausch. Dort traf man sich, diskutierte, las sich aus den neuesten Büchern vor, knüpfte Kontakte. So entwickelte sich auch das Berliner Zimmer zum Dreh- und Angelpunkt der Netzliteraturszene in Deutschland. Damals legten Sabrina Ortmann, freie Journalistin und Öffentlichkeitsarbeiterin des DIW Berlin, und Enno E. Peter, heute Account Manager für ein Softwareunternehmen, ihre beiden privaten Literaturseiten zusammen. Seitdem betreiben sie die Website "öffentlich, aber privat" als Projekt ohne Fördermittel.

Rund 3000 Leser und Autoren täglich treffen sich hier und lümmeln sich aufs virtuelle Sofa, um zu schmökern und zu diskutieren. Amateure wie Profis können hier in kommentierten Linklisten stöbern, Interviews und Rezensionen lesen oder sich an Satiren und wissenschaftlichen Artikeln zu Kultur und Literatur im Netz erfreuen. Die Wände des Berliner Zimmers sind mit Wechselausstellungen wenig bekannter Berliner Künstler geschmückt, ein Berliner Literaturführer sorgt für Übersicht im literarischen Leben der Hauptstadt. Wer mag, lässt sich Gedichte im mp3-Format vorlesen.

Eine Sonderrolle nimmt der tage.bau ein. Hier schreiben rund 50 Autoren ein gemeinsames Onlinetagebuch. Es ist auch gedruckt erschienen. Zwischen reale Buchdeckel fand auch Ortmanns "netz literatur projekt", die Geschichte der Netzliteratur seit 1960.

Wird das Berliner Zimmer mehr schlecht als recht mit Werbung finanziert, geht man bei der Tochterseite Erosa andere Wege: Eine neue Ausgabe des Erotikmagazins erscheint imer erst, wenn genügend Spenden für die Autoren zusammengekommen sind.

Ein Chat, ein Diskussionsforum, ein monatlicher Newsletter und eine Mailingliste sorgen für die aktive Einbindung der Leser. Habitués, langjährige Nutzer des Salons, helfen die kommentierten Linklisten zu pflegen. Kein Wunder, trifft man sich doch an einem sehr behaglichen Ort im Netz.

(Janko Puls)

Berliner Zeitung, 26. Mai 2004 

"Netzwerke, Kunst- und Kulturportale im Internet helfen bei der Orientierung"

Ganzer Artikel bei der Berliner Zeitung

Neue Zürcher Zeitung, 6. April 2004

Albtraum oder Stimmenvielfalt?
Die Literaturkritik im Zeitalter des Internets

(...)
Während die Online-Ausgaben der Zeitungen nur einen zusätzlichen Distributionskanal für ihre Inhalte nutzen, so sind hingegen die neuen Formen einer genuinen Internet-Literaturkritik durchaus bemerkenswert. Dazu zählen zunächst Online-Rezensionsforen, also nur im Internet publizierende literaturkritische Medien, die in der Regel kostenfrei nutzbar sind und in einer Grauzone zwischen professioneller und Laienkritik operieren. Häufig locken sie mit Zusatzangeboten wie «Schreibschulen» oder Lektoratsangeboten für angehende Autoren. Motiviert werden die meist honorarfrei arbeitenden Mitarbeiter von ihrem Enthusiasmus und wohl auch von der Aussicht auf die von den Verlagen gestellten Freiexemplare. Beispiele für diese Foren wären der «Salon im Netz» berlinerzimmer.de, literaturcafe.de und literature.de, die alle ein breites, nichtakademisches Publikum anvisieren.
(...)

Ganzen Artikel lesen ...

RM Berlin-Brandenburg, Das Regionalmagazin für Wirtschaft und Unterhaltung, Januar 2004

Erfolgsstory: Das "Berliner Zimmer"


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Berlin-Bookmarks News-Magazin, 18. Dezember 2003

Was lange währt...

5 Jahre Berlinerzimmer.de: der Virtuelle Salon feiert Jubiläum

Unter dem Motto "Öffentlich, aber privat" startete im November 1998 der erste "Berliner Salon" im Internet. Das Berliner Zimmer ist ein Treffpunkt für Kultur und Kultur-Austausch. Auf der Jubiläumsseite treten die Herausgeber und Gründer Sabrina Ortmann und Enno E. Peter einmal ins Rampenlicht, präsentieren sich in Wort UND Bild.

Sabrina Ortmann und Enno E. Peter betreiben das Berliner Zimmer als private Initiative. Nach eigenen Angaben streifen täglich 3.000 Interessierte aus aller Welt durch die Zimmer des Salons.

Das Berliner Zimmer informiert über die deutschsprachige Literatur im Internet und ist ein Treffpunkt für Autoren und Leser. Im Berliner Zimmer stellen Berliner Künstler ihre Arbeiten aus.

Das Berliner Zimmer ist öffentlich, aber gleichzeitig auch privat, Altbaubewohner kennen das Berliner Zimmer als Durchgangs- aber auch Empfangs- und Aufenthaltszimmer, meist großzügig geschnittenes Eckzimmer zwischen Vorder- und Hinterhaus. Manchmal etwas dunkel, aber immer vielseitig nutzbar.

Die Berlin-Bookmarks Redaktion gratuliert dem BerlinerZimmer.

BerliNews , 13. Dezember 2003

5 Jahre Berlinerzimmer.de
Der virtuelle Salon aus Berlin feiert Jubiläum

Unter dem Motto "Öffentlich, aber privat" eröffnete im November 1998 der erste Berliner Salon im Internet

Im 18. und 19. Jahrhundert boten die Berliner Salons Literaten, Journalisten, Wissenschaftlern und Künstlern ein Forum für den Austausch. Seit Herbst 1998 bietet das Berliner Zimmer, ein virtueller Salon, Kultur und Austausch im weltweiten Datennetz. Die Herausgeber und Gründer Sabrina Ortmann und Enno E. Peter betreiben das Berliner Zimmer als private Initiative, die bisher ohne jede Förderung ausgekommen ist.

Täglich surfen über 3.000 Besucher aus aller Welt durch die Zimmer des Salons. Hier informieren sie sich über die neuesten Trends der Netzliteratur, sehen sich wechselnde Ausstellungen Berliner Künstlerinnen und Künstler an, lesen Satiren, Interviews und Rezensionen, plaudern im saloneigenen Chat, diskutieren in der Mailingliste oder vertiefen sich in die erotischen Texte des Magazins Erosa. Eine Sonderrolle unter den Angeboten des Salons nimmt das Projekt tage-bau ein: Seit November 1999 führen rund 50 Autoren aus sechs Ländern dort ein gemeinsames Online-Tagebuch. Der tage-bau wurde vom Kultursender arte mit dem them@-Literaturpreis ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld konnte erstmals ein Netzliteraturprojekt in gedruckter Form herausgegeben werden. Seit den Anfängen der Salongeschichte stand eine Salonniere im Mittelpunkt der intellektuellen Geselligkeit.

Die fast 3.000 Stammgäste informiert die Mit-Begründerin des Netzsalons, Sabrina Ortmann, seit Mai 1999 monatlich mit einem ausführlichen Newsletter über Neuigkeiten aus dem Berliner Zimmer, Nachrichten aus der Szene der Netzliteraten und anstehende Literaturtermine. Das Berliner Zimmer bietet heute ein internationales Netzwerk mit Kontakten von Österreich bis Australien. Die hier veröffentlichten Forschungsarbeiten haben ihm zu einer internationalen Reputation über das Internet hinaus verholfen.

"Fünf Jahre sind eine lange Zeit für ein Kulturprojekt im WWW, und wir freuen uns deshalb sehr, dass wir unseren virtuellen Salon trotz mancher Schwierigkeiten kontinuierlich weitergeführt haben", sagt Sabrina Ortmann. "Für uns stand stets die redaktionelle und finanzielle Unabhängigkeit des Projektes im Mittelpunkt. Während des Internet-Booms haben wir mehrere Übernahmeangebote großer New Economy Firmen abgelehnt. Die waren sehr interessiert an unserer gut funktionierenden internationalen Community. Uns war immer bewusst, wie wichtig die private Atmosphäre unseres Netzsalons für seine Lebendigkeit ist." ergänzt Enno E. Peter.

Aus diesem Grund betreiben Sabrina Ortmann und Enno Peter das Berliner Zimmer seit seiner Gründung als privates Projekt. Möglich aber wird es vor allem durch die aktive Unterstützung der Habitués, der langjährigen Besucher und Freunde des virtuellen Salons. Sie helfen bei der Pflege der Linklisten, steuern Rezensionen oder Interviews bei und organisieren Lesungen in ganz Deutschland. Auf diese Hilfe sind die beiden berufstätigen Herausgeber für ihr Projekt dringend angewiesen. Finanziert wurde das Projekt durchgängig mit Hilfe von Werbeeinnahmen und privaten Mitteln. So ist es Ortmann und Peter gelungen, ihr Salonkonzept bis heute losgelöst von Internet-Hype und der folgenden Krise zu erhalten. Für 2004 planen die beiden ein Relaunch Ihres Portals, um die rund 2.000 manuell erstellten HTML-Seiten neu zu strukturieren. Doch ihr Anliegen bleibt das selbe: Sie machen sich weiterhin stark für die Literatur im Internet.

Artikel mit Bildern als PDF

Buchreport Magazin Juli 2003

Texte zwischen Bytes und Pixeln

Das Internet ist eine wichtige Bühne für Schriftsteller und Nachwuchstalente. Bei www.tage-bau.de weiß man aber, dass Verlage das Potenzial kaum nutzen.

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Wiesbadener Kurier vom 19.05.2003

Tradition des Salons Pariser Hoftheater: "tagebau.de"

Von Kurier-Mitarbeiterin Yvonne Schmidt

Mit der Eroberung des World Wide Web hat die Literatur eine Grenze durchbrochen. Im Netz der unbegrenzten Möglichkeiten schreiben die etwa 50 Autoren des kollektiven Online-Tagebuchs "tage-bau.de", ein Projekt des virtuellen Salons "Berliner Zimmer", die Tradition der Salonkultur des frühen 19. Jahrhunderts fort. Im vergangenen Jahr erhielt das 1999 gegründete Internetportal für sein literarisches Gemeinschaftswerk "Mein Pixel-Ich" vom Kultursender arte den Innovationspreis des them@-Literaturwettbewerbs. Mit Grenzerfahrung und Grenzüberschreitung befassten sich nun die (Netz-) Autoren in ihrem neuen gemeinsamen Beitrag: "drama!@borderline", so der Titel der Lesung im Pariser Hoftheater, die das Berliner Duo "drama!" musikalisch umrahmte.

"Ich habe heute schon drei Grenzen überschritten", behauptet Burkhard Sonntag, und schon sind wir mittendrin in seinem prosaischen Entgrenzungsversuch, einer Gradwanderung von Aussteiger-Träumen zur Realitätsbewältigung. Die Ausgrenzung der Menschenrechte im Grenzgebiet Gefängnis schildert Mone Hartmans provokante Prosaskizze, welche die Schranke zur Tabuzone überwindet. Bei der Beschreibung der psychischen wie physischen Grausamkeiten bleibt dem Publikum, soeben noch über mit Haschisch gefüllte Tampon-Attrappen amüsiert, das Lachen im Halse stecken. Die Trennlinie zwischen Lachen und Ernst ist fein gezogen.

Ausschweifend sind die Grenzgänge in Christiane Näglers Erzählung "Spiel des Lebens", die den Abbau der inneren Hemmschwelle thematisiert. Züchtiger dagegen Anita Behrenroths metaphorische Grenzziehung zwischen den Wirkungsfeldern menschlicher Individuen. Manchmal ist es auch die Grenze des guten Geschmacks, die mutmaßlich missachtet wird, so in Uwe Schicks Erzählung "Nichts wie weg": Das Pinkeln in den Sandkasten als Sinnbild für den Normenverstoß.

Auch musikalisch wurden Grenzen verwischt: Zwischen Pop und Chanson, Gothic und Folklore changieren die meist Moll-lastigen Eigenkompositionen des deutsch-luxemburgischen Duos "drama!". Quantitativ eindeutig unterlegen, bildeten die charismatische Sängerin Anette Moos mit der wandlungsfähigen Stimme und die virtuose Pianistin Gisèle Kremer dem literarischen Part dennoch ein ebenbürtiges Pendant. Das Publikum hätte gerne mehr als sechs Lieder gehört, wie der anhaltende Applaus bewies.

 

Frankfurter Rundschau vom 18.05.2003

Grenzen

"tage-bau.de" in Wiesbaden

Von Jamal Tuschick

Das "Berliner Zimmer" versteht sich als Salon im weltweiten Netz. Darin kann man sich mitteilen und austauschen. Man kann der Fiktion Raum geben und so seine Identität ausbauen. Das schafft Volumen gleichsam im Zustand der Schwerelosigkeit und einer beschränkten Haftung.

Wie sich solche Prozesse zur Literatur verhalten, muss von Fall zu Fall bestimmt werden. Das Medium fördert populäre Missverständnisse über Kultur. Vom Gespräch im idealen Salon konnte man ausgeschlossen werden, an den Netz-Debatten darf jeder teilnehmen. Das Internet erweitert die Möglichkeiten Kunstfiguren mit Prothesenfunktionen in die Welt zu setzen und damit das Spektrum, in dem Illusionen ihrem Gegenteil bis zur Ununterscheidbarkeit nahe kommen. In dieser Sphäre lassen sich Spekulationen kaum noch abwehren, weil alle mit gleich gutem Recht ihre Sache zu vertreten scheinen.

Vielleicht wurde deshalb ein Projekt von dem Kultursender arte mit dem Innovationspreis ausgezeichnet, das seine Probanden bloßzustellen droht. Die Rede ist vom Netztagebuch tage-bau.de, das, so Mitherausgeberin Sabrina Ortmann, 1999 "ins Leben gerufen" wurde. Fünfzig Autoren aus sechs Ländern beteiligen sich täglich am Forum. Jedes Jahr wird ein Thema ausgeschrieben, 2003 steht "Borderline" dafür.

Im Pariser Hoftheater in Wiesbaden lasen nun neun tage-bau.de-Aktivisten vor, was ihnen zur Vorgabe eingefallen ist. Den Anfang gestaltete Anita Behrenroth so: "Hallo, ich bin Anita. Ich bin aus München." Sie hat sich selbst ein paar Grenzen gezogen und berichtete davon mit entwaffnender Naivität. In ihrer Geschichte gelangt die Erzählerin durch einen Garten ans Meer: "Die Blumen schliefen noch." Am Strand legt sie das Nachthemd ab und eine Muschel dazu. Sie weiß: "Ein April macht noch lange keinen Sommer." Als Zuhörer wurde man das Gefühl nicht los, dass sich hier jemand krampfhaft an ein Thema heranzudichten versucht hatte, dem alle Grundbegriffe fehlten. Das traf auch auf Uwe Schick zu, der einen "zufrieden lächelnden" Herbert ins Feld führte, der gelegentlich "die Zinken einer Gabel in Fleisch jagt".

Schick wurde von Christiane Nägler abgelöst, die eine kleine, nur halb verkitschte Hörigkeitsgeschichte zum Besten gab, deren großer Vorzug darin lag, dass sie offenbar nicht an den Haaren herbeigezogen worden war. Eine femme fatale mit Bezwingungsfantasien spielte die Hauptrolle bei Nägler.

Auch extreme Gewalterfahrungen kamen zur Sprache, in einem Text von Mone Hartman. Sie war als Autorin klug genug, um eine Vorstellung von den engen Grenzen ihrer Mittel zu haben. Auch insoweit blieb sie beim Thema. Indes gingen ihre unverstellten Auskünfte über einen Knastbesuch unter die Haut.

aon.at, 07. Mai 2003

Erosa 
Ebenfalls aus Berlin stammt virtuelle Literatursalon Berliner Zimmer, der die Herzen geneigter Leserschaft mittels schön gestalteter Seiten und anspruchsvoller Inhalte höher schlagen lässt. Für die erotische Feder haben die Betreiber des Zimmers ein eigenes kleines Magazin ausgekoppelt: Erosa - unter http://www.berlinerzimmer.de/erotik/ l präsentiert das erotische Online-Magazin des Berliner Zimmers erotische Kurzgeschichten und Gedichte...

 

Stuttgarter Zeitung 23.04.2003

Ins Netz gegangen Hinterzimmer

http://www.berlinerzimmer.de

Die Macher von Erosa behaupten, ihr 1999 gestartetes Projekt sei das erste Online-Magazin für erotische Literatur. Tausenden Stöhnveteranen der Internet-Sexbuden müsste da vor Lachen der Sadomasoknebel aus dem Mund fallen, sind sie doch schon viel länger im Geschäft, läge die Betonung bei Erosa nicht eindeutig auf dem Wörtchen Literatur. Etliches hier ist dampfbeschlagen schwülstig, aber einige Texte bemühen sich auch um die intelligente Erkundung eines menschlichen Erfahrungsbereichs. Erosa ist nämlich Teil der Website "Berliner Zimmer", die den Anspruch erhebt, eine virtuelle Fortführung der Literatensalons alter Schule zu sein. Und so lässt sich hier allerhand entdecken, vor allem zur Literatur im Netz selbst. Die Geräusche aus dem Hinterzimmer kann man ja überhören...

tkl

Brigitte online 12/2002

Berliner Zimmer 
An die Tradition der literarischen Salons des 18. und 19. Jahrhunderts knüpft das Berliner Zimmer an und versteht sich als digitale Austauschplattform für Literatur im Internet. Die Seite bietet kommentierte Linklisten und Texte über deutschsprachige Literatur im Netz. Buch- Rezensionen, Empfehlungen und ein Chat runden das Angebot ab. 
www.berlinerzimmer.de 

Die Berlinerin, die Illustrierte, 20.02.2003

Die Berliner Salonkultur boomt. Kaum geht ein Salon ein, schießen zwei neue aus dem Boden. Geistreiche, zumeist blonde Salonièren lenken die gepflegten Gespräche. Reicht bei Britta Gansebohm schon eine Eintrittskarte, wird im "Berliner Zukunftssalon" handverlesenen jungen Führungskräften nur mit persönlicher Empfehlung Eintritt gewährt. Die "Surfpoeten" und "Theodoras Literatursalon" sind im Netz allen zugänglich, ihre Betreiber bleiben oft virtuell.

(...)

Im Netz trifft man sie alle. Im Unterschied zu herkömmlichen Salons braucht man in den virtuellen weder Couch noch Krawatte. Diesen Salon besucht man von zu Hause aus. Der Besucher zahlt kein Eintrittsgeld und braucht keine Beziehungen. Er muss den Wein alleine trinken. In den Netz-Salons tummeln sich alle, die Rang und Namen oder es mit Fleiß und Spucke geschafft haben, bei Google ganz oben zu stehen. So wartet im bescheiden layouteten "Theodoras Literatursalon" die smarte Katrin Girgensohn auf klickende Gäste. Man kann ihr aber auch wirklich begegnen: Sie ist Initiatorin des "Gespinste-Salons" im Berliner Cafe NIL und tritt im "Ersten Berliner Schreibsalon" in der Knorre in Friedrichshain auf. 

Im gediegenen virtuellen "Berliner Zimmer" findet man alles Wissenswerte über historische und aktuelle Salons im Netz, auch Frauenforschung. Die "Surfpoeten" dagegen, ein Salon frecher Jungpoeten, wirbt für die Lesungen ihrer männlichen Techno-Autoren. Der "Club der polnischen Versager" lädt ins Ungarische Haus zum "MitOst-Salon", ein Club für den Kulturaustausch in Ost- und Südeuropa. Der "Journalistinnenbund" wiederum bittet zu Frauenstammtisch und Fachvortrag. Der "Perlentaucher", ein längst sehr etabliertes und kommerzielles Medium, kocht das Feuilleton seriöser deutscher Tageszeitungen ein. Der "Blaue Drache" hat eine Pannen-Pause, ist aber bald wieder online.

Ganzen Artikel lesen

zitty Dschungelbuch Berlin 12/2002

Im Internet entwickelt sich eine neue Form von Literatur - sehr direkt, sehr ichbezogenen und doch im stetigen Austausch mit anderen. Schönes Beispiel dafür:

http://www.tage-bau.de

womanticker kultur im web

Margarita Morales im Berliner Zimmer

Frankfurt/M. 19.11.2002; Öffentlich aber privat möchte es sein, das virtuelle "Berliner Zimmer". Derzeit werden Bilder von Margarita Morales, einer mexikanische Künstlerin, die in Berlin lebt, hier präsentiert.

Das Berliner Zimmer ist ein virtueller Salon. Das Berliner Zimmer möchte über die deutschsprachige Literatur im Internet informieren und ein "Treffpunkt für Autoren und Leser" sein. Zudem können im Berliner Zimmer Berliner "Künstler" ihre Arbeiten ausstellen, so das Konzept von Sabrina Ortmann und Enno E. Peter, den Initiatorinnen der Site.

Margarita Morales Bilder wurden bereits in Berlin, New York und Mexiko City gezeigt. Die Bilder schmücken nun für die nächsten zwei bis drei Monate die "Wände" des virtuellen Salons. (wt-bp)

 

com!online, August 2002

 

 

dpa-Meldung (Ausschnitt), 28. März 2002

Online-Literaturmagazine sind bei Surfern zunehmend gefragt

(...)

 Reges Leben herrscht auch im "Berliner Zimmer" (www.berlinerzimmer.de). Zu den Highlights dieses im Herbst 1998 eingerichteten virtuellen Literatursalons gehören das Erotikmagazin "Erosa" und das preisgekrönte Online-Tagebuch "tage-bau", an dem zurzeit weltweit 50 Autoren mitwirken.

Solche kooperativen Schreibprojekte sind Roberto Simanowski, der der Jury des vom Deutschen Taschenbuch Verlag und T-Online durchgeführten Wettbewerbs "Literatur.digital" vorsitzt, zu wenig publikumsbezogen. Das von ihm seit 1999 herausgegebene Magazin "dichtung-digital" (www.dichtung- digital.de) besticht durch seine wegweisenden Beiträge zur Theorie und Ästhetik der Netzliteratur. Die wunde Stelle dieser Online- Angebote berührt Eugen Emmerling mit seiner Einschätzung: "Sie sind zwar professionell im Sinne des Handwerks, aber nicht im Sinne der Refinanzierung."

In der Tat wird die Arbeit an den Projekten größtenteils ehrenamtlich geleistet und auch die Autoren bekommen allenfalls ein symbolisches Honorar. Förderung von Seiten der Verlage oder der öffentlichen Hand sind kaum in Sicht. Sabrina Ortmann vom "Berliner Zimmer" sieht denn auch schon erste Zeichen der Ernüchterung in der Szene "Viele gute Angebote sind schon verschwunden oder werden nicht mehr aktualisiert. Auf Dauer wird die Vielfalt ohne gesicherte Finanzierung nicht bestehen bleiben." Roberto Simanowski sieht sogar schon eine Netzlandschaft ohne institutionell unabhängige Alternativprojekte heraufziehen. Das Archiv von "dichtung-digital" öffnet er deshalb nur noch gegen Gebühr und sorgt damit unter den Netzliteraten für heftige Kontroversen.

(...)

Von Thomas Oser

 

WDR 5 Morgenecho, 16. März 2003

Der Literaturbetrieb in Deutschland — ein Buch mit sieben Siegeln 

Per Anhalter durch die Galaxis - oder wie sich die Literatur ihren Weg durch das Internet bahnt 
von Andreas Main 

Netz-Literatur - nicht wenige Autoren setzen auf das Internet als erste Anlaufstelle. Doch viele Kämpfer für die vermeintliche Hochkultur rümpfen die Nase. Sie sehen nur unzensierten Ramsch, kurzum: Müll. Die Freunde des bunten Netz-Treibens sagen: eine wahre Fundgrube. Man müsse nur tief genug tauchen, um die Perlen zu finden. Wie auch immer. Literatur im Netz hat es nicht leicht: Selbst ein Auflagenmillionär wie Stephen King ist mit seinem virtuellen Fortsetzungsroman im Netz gescheitert. Und auch bei der Netz-Literatur im engeren Sinne ist die Party vorbei: Das literarische Online-Projekt 'pool' von Elke Naters und Sven Lager, beide Schriftsteller, ist auf Eis gelegt. Ebenso 'null' von Thomas Hettche, das von vornherein zeitlich begrenzt war. 

Einen langen Atem hat das "Berlinerzimmer.de", zur Zeit wohl das wichtigste Forum in Sachen Netzliteratur. Ein Literatur-Salon im Netz, ganz in der Tradition des 19. Jahrhunderts. Andreas Main hat den virtuellen Salon besucht. 

"Also ich denke das Buch, was man sich in Urlaub mitnimmt zum Schmökern oder das Buch, was man sich abends, nachts mitnimmt ins Bett oder so, das wird sich dadurch niemals ersetzen lassen, durchs Internet." Martina Peter ist im richtigen Leben Referentin im Bundesjustizministerium. Sie schreibt aber nicht nur Gesetzesentwürfe, sondern auch Bücher in gebundener Form. Und sie macht mit beim Internet-Literaturprojekt "tagebau.de", eine Säule im Berlinerzimmer.de.

Im Tagebau arbeiten 50 Frauen und Männer zwischen 18 und 70, Hausfrauen, Studenten und Professoren, alles dabei: literarische Anfänger ebenso wie Profis. Sie schreiben ein literarisches Online-Tagebuch mit Gedichten, Kurzgeschichten, Essayistischem und so weiter, fast immer die kleine Form. Und einige der Tagebau-Werke sind auch zu hören im Netz. 

Martina Peter kennt beides: den klassischen Verlag und das Netz. "Für mich ist natürlich auch der Unterschied, dass es dieses vorige Lektorat nicht gibt bei den Texten, was sonst eben beim traditionellen Buchverlag der Fall ist. Und für mich ist es dieser Hinsicht eine recht angenehme Begleiterscheinung weil ich sehr frei arbeiten kann auf diese Weise, und auf der anderen Seite ist das Risiko für mich als Autorin natürlich ein bisschen höher, weil es nicht gegengelesen ist vorher, bevor ich es an die Öffentlichkeit gebe." 

Netz-Literatur ist spontan, schnell, manchmal rasant und vor allem interaktiv und kommunikativ. MTV-Ästhetik halt. 'Netz-Literatur' ist nicht gleich 'Literatur im Netz'. Wenn Verlage oder Autoren das world wide web nur nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen, dann ist das etwas anderes als jene Texte, die primär für Online-Leser geschrieben werden. 

Zusammen mit Enno E. Peter betreibt Sabrina Ortmann das Berliner Zimmer. Es bietet seit mehr als vier Jahren unter anderem eine kommentierte Link-Liste, einen Newsletter zum Thema. Oder auch Erosa - das Online-Magazin für erotische Literatur. Und eben den Tagebau. Und das sollten neue Tagebau-Autoren mitbringen: "Wir möchten Autoren oder Menschen, die sich schon mit Literatur beschäftigt haben, die also leidenschaftlich literarisch arbeiten. Wir sind aber nicht wie der pool ein abgeschlossenes Forum, wo wir sagen: Hast Du Buchpublikationen darfst Du mitschreiben." 

Ortmann, Pionierin der www-Literatur, versteht sich nicht als Verlegerin, eher als Moderatorin. Sie eröffnet Freiräume. Eingriffe in die Texte sind verpönt. Allerdings: Nicht jeder darf schreiben. Zunächst bedarf es einer Bewerbung. Erst dann gibt es den direkten Zugang, ein Login. Honorare werden nicht gezahlt. Dennoch wächst und gedeiht das Online-Tagebuch: "Man sitzt nicht alleine zu Hause in seinem Kämmerchen und schreibt, sondern man hat da ein Forum, wo man Feedback kriegt. Und dann ist das nicht das Forum, wo alles gestochen scharf, druckreif, perfekt - auch gar nicht sein muss." 

Immer mehr Menschen laufen durch ihr Berliner Zimmer. Zuletzt gab es den Besucher-Rekord: 250.000 page-views pro Monat. Also so viele Seiten wurden aufgerufen. Die Clickrate wächst kontinuierlich, völlig losgelöst vom Absturz der New Economy: "Die Sache ist die: Da wir mit dem Berliner Zimmer kein Geld verdienen - es ist keine Firma, sondern ein privates Projekt, wie die Salons, öffentlich aber privat - ist es so, dass uns ob hype oder Frust oder nicht, eigentlich nicht tangiert." 

Natürlich: Als die Euphorie am größten war, da haben sich auch Sabrina Ortmann und ihr Partner hingesetzt und Geschäftsmodelle entwickelt. Aber so wie es zur Zeit aussieht, lässt sich mit einem Projekt wie dem Berliner Zimmer kein Geschäft machen. Ihr Geld verdienen die beiden woanders. 

"Sommer, Sonne, Sonett, Sonar. Nach all den Elegien nun Sonett. Sonar, Sonett, Sommer." Literatur im Netz steckt in den Kinderschuhen. Es gibt dort mehr lyrische Ergüsse von zweifelhafter Qualität als zwischen Buchdeckeln. "Also von mir gibt's keine bissigen Sprüche über andere Netzautoren, weil ich denke: Jeder kann das schreiben, was er oder sie will. Dafür ist jeder selbst verantwortlich. Da halte ich mich zurück." 

Womöglich fehlen dem Medium die Filter. Es kostet nichts, sein Werk zu publizieren, und oftmals machen das nur jene, die im literarischen Betrieb keine Chance haben. Warum soll ich einen Text umsonst ins Netz stellen, wenn ich dafür andernorts Geld verdienen kann? Wer so argumentiert, hat nicht viel verstanden von Interaktivität, von Virtualität und so fort, meint Autorin Martina Peter: "Was mir nicht gefällt, ist die leichte Überheblichkeit, die von klassischem Feuilleton und klassischem Printmedien dem Internet und den Autoren, die im Internet schreiben, gegenüber herrscht. Und das halte ich in diesem pauschalen Grundsatz für falsch." 

Aus den wichtigsten Online-Projekten sind inzwischen Bücher geworden. Der Pool erschien bei Kiepenheuer + Witsch als "The Buch", "Null" bei Dumont als "Null". Und auch wenn der Tagebau online bleibt, es gibt ihn auch offline als: "Mein Pixel-Ich".

Links zum Thema: 
www.berlinerzimmer.de/tagebau/
http://www.berlinerzimmer.de/ 
www.dumontverlag.de/null/
  
http://www.forum-der-13.de
 
http://www.ampool.de/
 

 

Deutsche Welle, 20. Februar 2002

Literatur live und online

Bleiern und statisch ist Literatur in Printform - flüchtig und unstetig dagegen Geschriebenes im Internet. Ist Netzliteratur ein neues Genre? Die Herausgeber des Online-Projekts "Berliner Zimmer" sind sich dessen sicher.

Seit 1998 wollen Sabrina Ortmann und Enno E. Peter Literaten, Journalisten, Wissenschaftlern und Künstlern ein Forum im Netz schaffen. Ihre Site, die den Namen eines düsteren Raums mit Ausblick auf einen Berliner Hinterhof trägt, knüpft im Untertitel an die Tradition des literarischen Salons des 19. Jhd. an.

Wer per Mausklick ins Berliner Zimmer - den Salon im Netz - eintritt, stößt deshalb nicht auf durchdesignte Virtualität. Die Aufmachung ist schlicht und farblich im klassischen Bordeaux der Samtbezüge alter Canapés gehalten. Der Austausch über Bücher, das Knüpfen von Kontakten - all dies ist auch virtuell möglich. Chat, Forum, Mailinglisten und Newsletter sorgen für Interaktion. Doch nicht nur als ein Treff- und Orientierungspunkt in den unendlichen Weiten des World Wide Web ist der virtuelle Salon gedacht. In der Rubrik "Interaktiv" findet sich ein literarisches Online-Tagebuch, der lebendigste Bereich wie Sabrina Ortmann sagt.  

Literarische Experimente im WWW

An dem Netzliteratur-Projekt tage-bau, das im November 1999 mit 12 Autoren startete, schreiben mittlerweile 50 registrierte Autoren mit. Zeitweise zu einem vorgegebenen Thema, meistens jedoch vollkommen frei, fantasieren, denken und träumen sowohl Amateure als auch professionelle Schreiber über die Tastatur. Und auch das Lächeln, Zwinkern und Schmunzeln der Leser, die das Geschriebene kommentieren, ist tastaturgeneriert.  

Zu dem Thema "Mein Pixel-Ich" schrieben 25 Teilnehmer des Netzliteratur-Projekts von der Geburt der virtuellen Existenz über Liebe, Hass bis zu ihrem Tod. Die Beiträge reflektieren das Leben verschiedener Menschen unterschiedlichster Herkunft im Netz unter wechselnden Aspekten. Mit dem Preisgeld finanzierten die Herausgeber Ortmann und Peter eine Druckversion der Wettbewerbstexte und veröffentlichten damit das erste Netzliteraturprojekt in Buchform.

"Der längste Screenshot der Welt"

Die Print-Version von "Mein Pixel-Ich" zeigt jedoch, dass virtuelle Interaktivität nicht schwarz auf weiß abgebildet werden kann. Was für die einen ein Buch ist, ist für die anderen noch lange nicht der "längste Screenshot der Welt". Hyperstructures existieren nur im Netz. Weiterhin sind Farben, Schriftarten, Bilder, Illustrationen und Animationen verloren gegangen. Nicht dargestellt sind auch die von Emoticons wimmelnden Kommentare des Lesers/Autors - die Grenzen verwischen hier. Dass Netzliteratur nur im Netz funktioniert, ist nichts, was man den rührigen Herausgebern zuraunen müsste. Sie sind alte Hasen.

Netzliteratur oder Literatur im Netz ?   

Sabrina Ortmann hat sich auch theoretisch mit der Netzliteratur befasst. Allgemeingültige Definitionen und Kriterien für das nunmehr 7 Jahre alte Genre gibt es nicht, sagt sie. In ihrem Buch „netz literatur projekt“ hat sie allerdings versucht, den Begriff einzugrenzen und gleichzeitig die Entwicklung einer neuen Literaturform nachgezeichnet.

Danach hat man es im Internet nur dann mit Netzliteratur zu tun, wenn Literatur, Technik, Interaktivität und Kommunikation miteinander in Beziehung gesetzt werden. Netzliteratur verdient ihren Namen nur dann, wenn sie eigens fürs Web entwickelt wurde. Weitere Kriterien sind Offenheit und permanente Veränderung. Der Prozess steht im Vordergrund  und nicht das Ergebnis. Deshalb wird es den tage-bau auch weiterhin geben -ohne Printversion. Diese war sowieso nur als Bonbon für die Mitwirkenden des Wettbewerbs gedacht.  

Über den Erfolg solcher durch und durch idealistischer Unternehmen entscheiden letztendlich die Clickraten: im Januar erzielten die Betreiber des Berliner Zimmers immerhin einen Besucherrekord von über 250.000 Pageviews (Seitenaufrufen). Gratulation!

 Christine Gruler

 

Der Tagesspiegel, 22. Januar 2002

Neue Daten für Literaten

Der Kritiker Peter M. Stephan schreibt an einem Internet- Literaturführer für Berlin. Er schaut sich in den Lesesalons der Stadt um und trifft Luftikusse - zum Beispiel im Mudd-Club.

Christian Domnitz

Eigentlich müsste er es gut finden: Denn im Literaturhaus in der Fasanenstraße richtete er die erste offene Lesebühne Berlins ein. Das war 1972. Ist schon lange her. Und die Lesebühne wurde knapp ein Jahr später wieder geschlossen.

Peter Martin Stephan ist im Mudd-Club. Der Literaturkritiker besucht zum ersten Mal eine der lustigen Lesebühnen in Mitte: Er will die "Surfpoeten" in seinen Berlin-Literaturführer im Internet aufnehmen. Er guckt sich im Publikum um: "Es sind wahrscheinlich viele Studenten hier", sagt er. Auf der Bühne sitzen acht junge Männer in alten Sesseln, rauchen und trinken Wein. Sie sind mit etwa zwanzig Jahren zehn Jahre jünger als Peter M. Stephans Tochter. Er stellt sich vor, sagt "guten Tag" und: "Ich komme aus der Literaturwissenschaft." Die alte Schule des Schreibens trifft die junge: "Ach, schon wieder so ein Interview." - "Nein, ich mache einen Berlin-Literaturführer fürs Internet." Einer der jungen Literaten schüttelt den Kopf. Die anderen lehnen sich zurück und warten auf Fragen.

"Habt Ihr etwas mit der amerikanischen Slam-Poetry der Achtziger zu tun?" Eher nicht. "Wie findet Ihr Jack Kerouac?" Auch das war lange vor ihrer Zeit. "Mit romantischer Dichtung habt ihr ja auch wenig zu tun, Luftikusse seid Ihr ja nicht." - "Doch, Luftikusse, das ist ein gutes Wort", sagt Surfpoet Ahne.

Die Lesung beginnt. Die Texte sind schnell, manchmal brutal und werden in gespielter Naivität vorgetragen. "Das sind junge Leute, die nicht mehr an Romantik und Händchenhalten glauben", sagt Stephan. Nach dem etwas unklaren Vortrag eines Surfpoeten: "Die jungen Leute geben sich keine Mühe mehr." Peter M. Stephan ist kritisch. "Man wertet immer", sagt der Mann, der über Max Frisch promoviert und Heinrich von Kleist herausgegeben hat. Er erinnert sich, der Literat Karl Dall habe vor Jahrzehnten - lange vor seiner Zeit beim Fernsehen - Gedichte vorgelesen und sie danach an der Kerzenflamme verbrannt. Das sei ja stilistisch ähnlich gewesen.

Einmal, als ein Text vorgelesen wird über "fiese Firmen, die sich an meinem Müll bereichern", muss der Kritiker das erste Mal lächeln. Das ist unangenehm: Lachen müssen, ohne es zu wollen. "Das ist Oberflächenliteratur", sagt er. Aber sie sei witzig. Schließlich singen die Surfpoeten mit ihrem Publikum "Der Mond ist aufgegangen". Beim "steigt der weiße Nebel wunderbar" setzt Stephan genüsslich die Bierflasche an den Mund.

"Auch ich könnte so etwas schreiben: Es ist nur gefährlich." So schnell zu schreiben, das mache die Sinne stumpf. Die Texte seien unfertig, manchmal stecke einfach zu viel in ihnen drin: Man müsse an einigen Stücken noch etwas arbeiten. "Doch stattdessen werfen sie sie wahrscheinlich weg."

Er überlegt, wie er die "Surfpoeten" im Internet-Literaturführer vorstellen wird. Etwa zehn Orte hat er schon kritisch besucht, wie Theodoras Literatursalon, von dem er schreibt, "das Publikum ist streitbar und wird immer streitbarer in fortschreitender Nacht." Das "Literarische Colloqium Berlin" steht neben dem "Kaffee Burger".

Eines wurmt ihn. Max Frisch habe doch mal gesagt, er wolle mit seiner Literatur eine Spur hinterlassen. Ja, und die Surfpoeten? Stephan legt die Sirn in Falten, und fragt sich laut: "Warum machen die das bloß?" 

Der Berlin-Literaturführer von Peter M. Stephan im Netz: www.berlinerzimmer.de/berlinerliteratur

Clickfish, Januar 2002

LITERATURFüHRER BERLIN

Literarisches Leben in Berlin

Manchmal verliert man in Berlin die Übersicht. Und gerade im Bereich der Literatur gibt es viele Institutionen, Autorengruppen und Veranstalter, die einem selten in den Programmankündigungen begegnen. Der “Literaturführer Berlin” des Berliner Zimmers (www.berlinerzimmer.de) schafft Abhilfe, indem mit Bild und Text die Literaturszene Berlins vorgestellt wird.

Bekannte Institutionen wie das Literarische Colloquium oder die literaturWERKstatt berlin werden in Worten beschrieben, die man auf der Zunge schmecken kann. Die gleiche Behandlung erfahren aber auch weniger bekannte Literaturstätten in Berlin, wie zum Beispiel der Literarische Salon Britta Gansebohm, die Restauration Walden oder die Bücherstube Marga Schoeller.

Die Fotos machen Lust auf einen Besuch. Wenn vorhanden, sind Links zu den entsprechenden Websites vorhanden, in jedem Fall aber die vollständige Adresse mit Telefonnummer. Das Angebot wird fortlaufend erweitert.

Peter M. Stephan ist der Verfasser der Texte. Er ist Mitgründer der Literaturzeitschrift LITFASS, war Vorsitzender der Neuen Gesellschaft für Literatur e.V. und lebt als freier Autor in Berlin. Die Fotos stammen von Enno E. Peter, der zusammen mit Sabrina Ortmann das Berliner Zimmer im Internet betreibt - einen wichtigen “Knotenpunkt” für literarische Aktivitäten im Netz.

(Titus Müller)

 

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