Karibische Schweine

Karibische Schweine

von Viktor Pavel


Auf jamaica gab es wenig, das bier nicht hätte fortspülen können wie ein hurricane gilbert. Ich fühlte mich bereits wie schwarz -nur eben reicher. Und doch blieb ein dunkler rest, eine muschelbank von gedanken, (treibend, reifend) deren austern sich nachts in meine träume ergossen.


Unweit meiner bambushütte lebte ein schwein. Seine besitzer hatten ihm den meerblick zugemauert, und das tier -schwarz wie es war- schwitzte in der tropensonne. Kein fehler der evolution, dachte ich, denn wenn es nach dem schwein ginge, würde es nicht dort schmoren sondern nach hause gehen. Täglich kamen 2 bekiffte schwarze und kippten einen brei auf das schwein, der wie ranzige sägespäne roch. Das machte ihnen sichtlich freude.


Ich machte es mir zur gewohnheit, dem tier die schalen meiner papayas, und mangos zu geben. Später brachte ich psychoaktive pilze und schickte das schwein auf einen drogentrip. Es stöhnte genüßlich, während ihm zuckungen über die schwarte liefen.


Da ich es vor einigen jahren aufgegeben hatte, den heiligen zu spielen, hatte ich nichts dagegen, daß mich eine einheimische zu ihrem liebhaber erkor. Ohne allerdings die erhoffte heirat samt mitnahme nach deutschland in aussicht zu stellen. Ich könnte nie ein frau heiraten, die davon überzeugt ist, es erfreue gott, wenn wir homosexuelle mit macheten abschlachten.


Ich weiß nicht, ob assoziationen unmoralisch sein können, aber jedenfalls dachte ich, wenn ich mit der frau zusammen war, an das schwein, das einsam dem meer hinter der betonwand lauschte und sich genierte, wenn man ihm beim pinkeln zusah. Die nächte gehörten der frau, die nachmittage dem schwein, das mein erscheinen stets freudig begrunzte. Ich setzte mich zu dem tier, lehnte mich gegen seinen borstigen bauch und tätschelte seinen schinken. Es waren friedliche momente mit bierflasche und zigarrette.


Die frau rief nach mir, konnte mich hinter der wand aber nicht sehen. Die jungs mit dem brei kamen vorbei, kicherten, hielten mir eine macheten hin und sagten, für 50 us-dollar könne ich das schwein gleich hier abschlachten.


Die Frau wollte geld, das schwein wollte liebe. Daß mir deshalb das schwein sympathischer ist, zeigt, wie naiv ich noch bin.


Befreien konnte ich sie beide nicht. Von Jamaica vermisse ich nur das schwein.


© Viktor Pavel 2017