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Das Haiku - Die Meditation der Silben 

Teil 2

Von Rüdiger Heins

Die Wurzeln der Haiku Dichtung
Mit dem Haiku meditierend durch die Jahreszeiten

Was ist ein Haiku?

Wozu heute noch Haiku dichten?

Meditation der Silben
Schreibübung
Adressen

Was ist ein Haiku?

Wir erkennen ein Haiku daran, dass es immer drei Zeilen hat. Diese drei Zeilen wiederum haben eine festgelegte Silbenform, die dem Haiku in seiner Gesamtheit seine unverkennbare Sprachmelodie verleiht. Die erste Zeile eines Haiku (Haiku wird im Plural übrigens ohne das "s" geschrieben) hat fünf Silben, die zweite sieben und die dritte Zeile wiederum fünf Silben. Mit insgesamt siebzehn Silben in drei Zeilen ist es mit dieser Dichtform möglich, eine Impression zu transportieren, die durch die Zusammenstellung von Worten Sprache zur Minimal Art mit großer Nachwirkung werden lässt. Im Folgenden ein Haiku, das ich geschrieben habe, als der Golfkrieg Anfang der neunziger des vergangenen Jahrhunderts ausgebrochen war. Ein Haiku, das übrigens auch heute noch - oder wieder - Aktualität besitzt:

apokalypse 
in den nachrichten der welt 
und laub fällt vom baum

Das optische Erscheinungsbild dieses Haiku ist klar. Drei Zeilen bilden die Textkulisse. Doch nun untersuchen wir etwas näher die Struktur der Silben:

Erste Zeile: a / po / ka / lyp / se (fünf Silben). Mit einem Wort, dem Begriff der Apokalypse beschreite ich hier in der ersten Zeile den Weg der fünf Silben. Geübte Lyrikleser wissen bereits jetzt schon, dass dieses Gedicht sich mit einem Thema beschäftigt, das in uns ein eher ungutes Gefühl erzeugt.

Zweite Zeile: in / den / nach / rich / ten / der / welt (sieben Silben). Die zweite Zeile korrespondiert mit der ersten. Der durch die apokalyptischen Reiter bekannte Begriff der "Apokalypse" aus dem Alten Testament. Die Verwebung (Texten ist nichts anderes als das Verweben von Worten, das lateinische Wort textus, dem unser Begriff Text abgeleitet ist, bedeutet nichts anderes als verweben) von Worten wird hier aus der alttestamentlichen Zeit mit einer Redewendung des 21. Jahrhunderts verwoben. apokalypse / in den nachrichten der welt / In der Silbenstruktur ist erkennbar, dass wir es in der zweiten Zeile mit insgesamt sieben Silben zu tun haben.

Dritte Zeile: und / laub / fällt / vom / baum (fünf Silben). Hier steht jedes Wort für eine Silbe. Deswegen erscheinen die Querstriche immer jeweils hinter einem Wort und nicht wie in den beiden ersten Zeilen, in den einzelnen Worten. Diese letzte Zeile bezieht sich übrigens im klassischen Sinne auf die Jahreszeit, in der diese Zeilen geschrieben wurden. Das vom Baum fallende Laub weist eindeutig auf den Herbst hin.

Haiku mit der Begrenzung auf siebzehn Silben lässt sich so erklären, dass wir einen Atemzug benötigen, um diese siebzehn Silben auszusprechen. Auch eine Korrespondenz mit dem Zen -Buddhismus, bei dem wir Atemübungen finden, die den meditierenden Menschen mithilfe des Ein- und Ausatmens in einen Zustand höchsten Wohlbefindens versetzen sollen. Das Schreiben von Haiku als eine Form der Meditation auf dem Weg zum inneren Glück.

zarter blütenduft 
entlang der alten mauer 
lächelt das mondlicht 
Beate Giebel

Haiku- Dichtung hat aber auch sehr viel mit Disziplin zu tun. Das Glück bedarf der Zuwendung. Anfangs fällt es den westlichen Menschen schwer, sich der Ordnung der Zeilen und Silben hinzugeben. Doch bei intensiver Übung gestalten sich diese "Sachzwänge" zu inneren Freiräumen, die im außen Grenzen durch Silbenzahl setzen, aber im Innern die Fantasie zum Fliegen bringen können.

Im gelben Rapsfeld, 
unter den Pfirsichen vor
erste Kirschblüten. 
Matsuo Bashô

 

Wozu heute noch Haiku dichten?

Das Dichten von Haiku hat auch in der heutigen Zeit, die durchflutet ist von Virtualität und Medienrummel, seine Aktualität nicht verloren. Im Gegenteil: Je schnelllebiger sich unser menschliches Zusammenleben zeigt, desto häufiger suchen Menschen eine Nische, in der sie sich von den Folgen der modernen Gesellschaft erholen können. Eine dieser Nischen ist das Dichten von Haiku. Die Zahl Haiku dichtender Menschen ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Hierüber gibt es zwar kein genaues Zahlenmaterial, dennoch zeigen neu erscheinende Haiku - Publikationen, als Anthologie oder Einzelveröffentlichung, dass es im deutschsprachigen Raum bereits eine große Haiku Gemeinde gibt. Vermutlich schreiben in diesem Land mehr Menschen Haiku, als Haiku Bücher gekauft werden; und vermutlich gibt es in diesem Land mehr Haiku Dichter, als wir uns das im Augenblick vielleicht vorstellen können. Haiku Dichtung wird im Rahmen des Deutschunterrichtes an den Schulen gelehrt, in der Erwachsenenbildung (Schreibkurse in den Volkshochschulen), aber auch auf den Universitäten wird in den Creative Writing Seminaren immer wieder auch Haiku dichten angeboten. Haiku führt Menschen zusammen, die sich so vielleicht nie kennen gelernt hätten, Haiku baut Brücken über kulturelle Barrieren hinaus.

sonnenblume blickt 
kraftlos zur erde, sehnt sich 
nach wärme und licht 
Ute Dewitz

Unabhängig von der sozialen Funktion des Haiku gibt es natürlich auch noch eine fachliche Komponente. Für Autorinnen und Autoren sollte das regelmäßige Dichten von Haiku geradezu ein "muss" sein. Viele großen Schriftsteller und Dichter haben im Laufe ihres literarischen Werdegangs Haiku Gedichte geschrieben. Von Rilke etwa kennen wir ein Haiku, das zwar den Regeln der Haiku Dichtung, zumindest, was die Silbenanzahl anbelangt, nicht entspricht, dennoch bewegt sich Rilke in einer Kulisse von drei Zeilen und er schreibt dieses Gedicht auch im Geiste des hai-i.

Kleine Motten taumeln schaudernd quer aus dem Buchs; Sie sterben heute Abend und werden nie wissen, dass es nicht Frühling war.

In einem Brief an Gudi Nölke, den er ihr 1920 aus Genf schreibt, schreibt er über seine Entdeckung des Haiku Folgendes: "Kennen Sie die kleine japanische (dreizeilige) Strophe, die "Hai-Kais" heißt?" Dieses von insgesamt drei überlieferten Haiku Gedichten Rilkes gehört zu den frühen Beispielen der deutschsprachigen Haiku -Kunst (Sommerkamp 2002: 2). Aber auch bei Paul Ernst finden wir bereits in einer 1898 erschienen Lyriksammlung mit dem Titel "Polymeter" ein frühes Haiku deutschsprachiger Herkunft:

Eine Wasserrose 
Die aus der Tiefe auftaucht. 
Kräuselt sich das Wasser.

Die beiden Beispiele dieser hochkarätigen Dichter des 20. Jahrhunderts zeigen uns ein zunächst vorsichtiges Herantasten an diese fernöstliche Dichtkunst. Etwas zu langatmig bei Rilke, ein wenig hölzern bei Ernst, aber dennoch sind in seinen Zeilen bereits die ersten Fragmente der deutschsprachigen Haiku Dichtung zu erkennen. Auch Brecht, der schreibende Revolutionär bediente sich dieser meditativen Dichtkunst:

Der Bauer pflügt den Acker. 
Wer 
Wird die Ernte einbringen?

Bert Brecht hat sich mit seinen Zeilen schon ganz dicht an den Haiku - Geist, den hai-i angenähert. Aber auch hier sehen wir, dass die Struktur der Silben entweder noch nicht erkannt - oder aber nicht bekannt ist. Der Haiku Einfluss deutschsprachiger Dichter macht sich auch in den Werken anderer Nachkriegsautoren bemerkbar. Autoren wie Paul Celan, Günter Eich oder Helmut Heißenbüttel lassen in ihren Lyriken deutliche Einflüsse des asketischen Haiku erkennen (Sommerkamp 2002: 6). Auch zeitgenössische Dichter bedienen sich immer wieder der Haiku Dichtung, um etwas mit wenigen Worten (in einem Atemzug) auszudrücken, was mit vielen Worten nicht die Essenz ihrer Aussage treffen würde. Allen Ginsberg, Anne Waldmann, H.C. Artmann oder Arnfrid Astel benutzen immer wieder die vorgegebene Struktur des Haiku, um ihrer Dichtung einen Klang zu geben, den sie mit anderen Techniken so nicht bekommen würden.

Ein nächtliches Dorf. 
Hingeduckt seine Dächer. 
Ins Schneewolkengrau. 
Heinrich Wiedemann

Das Schreiben von Haiku führt auch maßgeblich dazu bei, den eigenen Schreibstil zu verbessern oder ihm auch eine eigene Dynamik zu verleihen. Durch die geistige Bewegung in dieser überschaubaren Sprachkulisse erfährt der Dichter mehr über seine Möglichkeiten mit "weniger mehr" auszudrücken. Das Reduzieren von Sprache auf das Minimum eines Ausatmens bringt innere Ressourcen der Kreativität in einen Schreibfluss, den der amerikanische Kreativitätsforscherforscher Mihály Csikszentmihalyi, ungarischer Abstammung, so beschrieben hat: "Dichtung ist eine der besten kreativen Nutzungen von Sprache. Da Verse dem Verstand ermöglichen, Erfahrungen in kondensierter Form zu bewahren, sind sie ideal, um das Bewusstsein zu formen (Csikszentmihalyi 1991: 175). Schreiben also, als Ausdruck ursprünglicher Kreativität. Durch die Konzentration auf innere Schichten der Seele werden schöpferische Prozesse (Kreativität) ausgelöst. Haiku Dichtung als Urbild lyrischer Kreativität: Die Kreativitätsforschung sagt dazu, dass wenn ein Mensch in seinem Leben das erste Haiku Gedicht schreibt, dies ein Ausdruck von höchster Kreativität im Leben eines Menschen ist.

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