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Das Haiku

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Das Haiku - Die Meditation der Silben 

Von Rüdiger Heins

Die lyrische Form des Haiku bewegt sich in einer Textkulisse von drei Zeilen, beschränkt auf siebzehn Silben. Diese Dichtkunst hat in Japan eine lange Tradition; wobei sich die Anfänge jener ursprünglich japanischen Lyrik im Niemandsland der schriftlosen Vorzeit verlieren.

Die Wurzeln der Haiku Dichtung
Mit dem Haiku meditierend durch die Jahreszeiten
Was ist ein Haiku?
Wozu heute noch Haiku dichten?

Meditation der Silben
Schreibübung
Adressen

Die Wurzeln der Haiku Dichtung

Das Haiku ist vermutlich eine der ältesten Dichtformen, die wir in der Literaturwissenschaft kennen. Seit etwa 1600 Jahren wird in Japan diese Dichtung gepflegt. Dabei sind die Ursprünge dieser Dichtkunst nicht unbedingt identisch mit dem Haiku, das wir heute kennen. Das Tanka beispielsweise, mit seinen fünf Zeilen, wird als eine der Urformen dieser Dichtung angesehen. Ein Tanka hat fünf Zeilen, das Haiku nur drei. 

Das Wort "Haiku" bedeutet übrigens im japanischen Uta, eine Ableitung von uta-u; wörtlich übertragen bedeutet dies: Gesang. Haiku Gedichte wurden zu Beginn ihrer "lyrischen Evolution" singend vorgetragen. Ein Hinweis darauf, dass Haiku Gedichte ein rhythmisches Klangerlebnis mit dem Medium Sprache ausdrückt. 

Erst mit der Einführung chinesischer Schriftzeichen im Jahre 375 n. Chr. werden die ersten poetischen Fragmente japanischer Dichtkunst auch zu Papier gebracht. Die Spurensuche nach dem Haiku im Laufe der Literaturgeschichte beginnt jedoch erst in den Jahren 400 bis 759. In der Anthologie Manyôshû, der ältesten erhaltenen japanischen Lyriksammlung, finden wir heute in einem Volumen von etwa "Zehntausend-Blättern" insgesamt 4496 Gedichte, von denen etwa 4173 Tanka Gedichte sind (Ulenbrook 1996: 205). Tanka ist eine, wie bereits erwähnt, Urform des heutigen Haiku. 

"Die Regeln der japanischen Verskunst sind äußerst einfach, sie verlangen weder Reim noch Silbenmaß. Das Besondere liegt darin, dass die Zeilen immer abwechselnd aus 7 oder 5 Silben bestehen (Hasumi 1986: 12)." 

Die japanische Dichtkunst des Haiku wurde in der Form, wie wir sie heute kennen (mit der Silbenstruktur 5 / 7 / 5) im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert aus der so genannten "Ur - Haiku - Dichtung" entwickelt. Der direkte Vorfahre des Haiku ist die Renga Dichtung, eine Dichtzyklus auf der Grundlage 5 / 7 / 5, jedoch ohne Begrenzung der Strophen. Renga war ein Gesellschaftsspiel, das von mehreren Personen gedichtet wurde. Jeder Spielteilnehmer dichtete eine Strophe, die ein anderer beantwortete oder fortsetzte. 

Genau genommen ist das Haiku auch eine Fortentwicklung des fünfzeiligen Tanka (5 / 7 / 5 / 7 / 7). Das Tanka ist unterteilt in eine Oberstrophe und eine Unterstrophe. Die Oberstrophe hat bereits die klassische Struktur des Haiku (5 / 7/ 5), auf die wir noch zu sprechen kommen.

blätter winken grün 
früchte süss und reif - nehmen 
abschied vom sommer 
Ina Leisenheimer

Erst als Matsuo Bashô (1644 - 1694 die Haiku Bühne betritt, erhält das Haiku seine Form (siehe auch: Was ist ein Haiku?) wie wir sie kennen. Gewiss gab es bereits vor Bashô Dichter, die damit begonnen hatten, die drei Zeilen des Haiku auf der Grundlage der siebzehn Silben zu kultivieren. Dennoch ist es Bashô zu verdanken, dass diese Dichtkunst auch zu ihrer literarischen Anerkennung gelangte. Bashô transportierte das Haiku aus der weltlichen Kulisse in spirituelle Sphären. Für ihn war das Dichten innerhalb einer begrenzten Textkulisse eine zen-buddhistische Übung auf dem Weg ins Nirwana.

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Mit dem Haiku meditierend durch die Jahreszeiten

Haiku Gedichte können auch eine Meditation sein. Der zen-buddhistische Laienmönch Matsuo Bashô verbrachte einen großen Teil seines Lebens Haiku dichtend. Mittellos und auf der Suche nach der ewigen Erleuchtung, war für ihn die Dichtkunst eine Möglichkeit in die Meditation der Sprache einzutauchen.

Nichts als Stille! 
Tief in den Felsen sich gräbt 
Schrei der Zikaden 
Matsuo Bashô

Haiku Gedichte sind zarte Aquarelle, die mit den Farbnuancen der Worte, zu Papier gebracht werden. Haiku Dichter und Dichterinnen bedienen sich dieser kürzesten Form der Dichtkunst, die wir in der Literaturgeschichte kennen, um Gefühle, Gedanken, Erkenntnisse, Naturimpressionen und Fantasien zu Papier zu bringen. Übertragen auf die Bildende Kunst haben wir es beim Haiku mit einen Minimal-Art in der Lyrik zu tun. 

Haiku DichterInnen sind so gesehen Minimal-Art Künstler der Sprache. Mit dezent platzierten Worten, verteilt auf die drei Zeilen der Haiku Kulisse, gelingt es ihnen in der Tradition der alten Meister ihre inneren Klangwelten nach außen in Sprache zu transportieren. Nicht gerade eine einfache Aufgabe in einer Welt, in der die vielen Worte so viel bedeuten, das Wenige aber übersehen wird. Einer Welt, in der die Lauten das Sagen haben und die leisen Worte verschwinden. Einfach verschwinden. nicht aufzuhalten / die luft voller erwartung / das jahr explodiert, schreibt Theo Schmich (Bernhardt, Hrsg. 2002:14) in einem seiner Verse und trifft damit den Puls der Zeit, indem er die traditionellen Vorgaben eines Haiku in die Sprache des 21. Jahrhundert transportiert. Bereits in der ersten Zeile erfahren wir die Impression des Autors, während die zweite verschlüsselt eine Auskunft über die Jahreszeit - die luft voller erwartung - gibt. Einer Zeit, in der die Kälte unter den Menschen immer unerträglicher wird und die Suche nach Liebe die Polkappen zum Schmelzen bringt, das ist vermutlich die prosaische Interpretation dieses Gedichtes, die in der letzten Zeile mit den Worten: "das jahr explodiert" zum Ausdruck gebracht wird. 

Haiku beziehen sich auch heute noch (der Tradition verpflichtet) auf die Jahreszeit, in der sie entstanden sind. In ihrem Ursprung waren Haiku Naturgedichte, die eingebettet in die Jahreszeit, eine autobiografische Auskunft über das Befinden des Dichters gaben. Mit wenigen Worten können geübte Haiku - Dichter zarte Aquarelle der Sprache zu Papier bringen.

abenddämmerung 
nahe am ufer des teichs 
tränende herzen 
Rüdiger Heins

Das Jahreszeitenwort (japanisch: kigo) im Haiku spielt eine wesentliche Rolle, um dem Dreizeiler die Möglichkeit zu geben, sich in der Kulisse einer Jahreszeit zu bewegen. Folgende Thesen sind deswegen beim Schreiben eines Haiku im Bezug auf eine Naturimpression zu berücksichtigen:

1. Das Haiku ist ein Naturgedicht 

2. Das Haiku sollte ein Jahreszeitenwort enthalten.

(Buerschaper 2002: 2)

Das Rotkehlchen schilt: 
Eis auf der Vogeltränke 
Wart nur, die Sonne ... 
Margret Buerschaper

Dieses Haiku von Margret Buerschaper zeigt uns die klassische Form eines Haiku - Gedichtes: Eis auf der Vogeltränke. Unschwer ist hier die Jahreszeit zu erkennen, in der sie ihren Vers angesiedelt hat. Buerschaper verwendet nicht einfach platt den Begriff "Winter" oder vielleicht die Metapher "weiß wie der Schnee", nein sie transportiert die Jahreszeit auf eine Vogeltränke und lässt durch das darauf befindliche Eis erkennen, dass wir uns in der Jahreszeit des Winters befinden. Die Dramaturgie wird dann in der letzten Zeile verändert - und nimmt einen unerwarteten Verlauf: Hier erfahren wir, etwas über das Befinden der Dichterin: Wart nur, die Sonne... Das Rotkehlchen schilt ist gutes Beispiel dafür, dass Naturimpression und Meditation im Einklang mit der Melodie des Haiku sind. Eine zarte Pflanze, die sich Haiku nennt, bahnt sich ihren Weg zum Licht.

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