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Cluster: die Ordnung im Chaos 

Von Rüdiger Heins

Die Interaktion der beiden Gehirnhälften
Das Handwerk des Clustering

Vom Lösen der Blockaden

Vom Urknall zum Cluster

Das Cluster im Textlabor

Ein Übungsbeispiel

Die Idee für eine Geschichte ist gut. Das weiße Blatt liegt auf dem Schreibtisch, der Füller daneben: Doch das Blatt bleibt leer. Das hat jetzt ein Ende, denn mit der Methode des Clusterings verschwindet die Angst vorm weißen Blatt.

Das Cluster gehört im Creative Writing (Creative Writing, auch Composition genannt, wird an Hochschulen gelehrt) zu den wirkungsvollsten Methoden, einen Text ins Fließen zu bringen. Doch zunächst zur Begriffserklärung: Cluster kommt aus dem Englischen und bedeutet im übertragenen Sinne so viel wie, Büschel, Traube, Gruppe, Haufen oder Anhäufung. Das Konzept des Clustering ist einfach, die Wirkung verblüffend. 

Der Autor nimmt ein leeres Blatt, legt es quer vor sich hin und schreibt in dessen Zentrum den Schlüsselbegriff für seine Idee. Nun zieht er eine Elypse um diesen Begriff und schon beginnt der Schreibprozess. Alles was dem Autor jetzt zu dem Schlüsselbegriff einfällt, gruppiert er um das Zentrum herum. Die einzelnen Wörter, Sätze, Zitate, Informationen, Gedanken oder Gefühle werden nun umrahmt und mit dem Zentrum durch eine Linie verbunden. Das ursprünglich leere Blatt ist nun visuell mit der Idee für die Story gefüllt. Was ist passiert? Mit der Methode des Clustering haben wir ein visuelles Formengebilde zu Papier gebracht, das ergänzt durch Textinformationen, dem Gehirn die Möglichkeit gibt, komplexe Gebilde und abstrakte Denkkonstruktionen mit einem schöpferischen Sprachausdrucksvermögen in Verbindung zu bringen.

Die Interaktion der beiden Gehirnhälften

Die visuelle Form des Clusterings ermöglicht dem Gehirn eine Korrespondenz mit der linken und der rechten Hemisphäre. "Eine wesentliche Voraussetzung für das natürliche Schreiben ist, dass beide Gehirnhälften beim Schreibvorgang mitwirken (Gabriele L. Rico arbeitet an der San Jose University als Dozentin für Anglistik und Kunstpädagogik. Sie hat das Cluster für das Creative Writing entwickelt. RICO 2002: 17). Während die linke Gehirnhälfte für das logische Denken zuständig ist, also Informationen der Reihenfolge nacheinander verarbeitet, im Sinne von A, B, C…., ist die rechte Hemisphäre in der Lage, Informationen gleichzeitig zu verarbeiten. Die rechte Gehirnhälfte ist aus dieser Perspektive gesehen das Steuerzentrum der Gefühle. Hier bezieht der Autor seine Wortbilder her, den Rhythmus von Sprache, die Metaphern und den emotionalen Zugang zu seinem gewählten Thema. Die rechte Gehirnhälfte als emotionaler Ausdrucksindikator ist auch gleichzeitig der Ort, von dem aus wir dichten. 

Aber die rechte Hemisphäre alleine würde nicht ausreichen, um einen Text zu dem werden zu lassen, wie wir ihn gerne hätten. Dazu brauchen wir auch den linken Teil unseres Gehirns, denn hier verknüpfen wir beispielsweise Wörter nach grammatischen Regeln, denn die Struktur der linken Hemisphäre ist syntaktisch. Hier finden wir auch das Sprachzentrum, das unsere emotionalen Wortkreationen der linken Hemisphäre von der feinstofflichen Ebene in die grobstoffliche Form der Sprache transportiert.

Das Handwerk des Clustering

Clustering ist für den Autor nicht nur ein handwerkliches Instrumentarium ungeordnete Gedanken zu ordnen, sondern auch ein Hilfsmittel, um eine Schreibblockade zu überwinden; denn Schreibblockaden treten oftmals dann auf, wenn sich eine Textkulisse im Gehirn ausbildet, aber die Möglichkeiten der Umsetzung in schriftliche Sprache an der Fülle des Erdachten und Erfühlten scheitern. Eine Schreibblockade beginnt da, wo das Gehirn Emotionalität und Rationalität nicht mehr in Einklang bringen kann. Die Informationen beider Hemisphären laufen zwar parallel ab, sind aber nicht als ganzheitliches Sprachprodukt abrufbar. Mit Hilfe des Clustering geben wir unserem Gehirn die Möglichkeit, eine visuelle Brücke zu bauen, deren Informationen auf dem Blatt durch Sprach- und Formelemente zum Ausdruck kommen.

Vom Lösen der Blockaden

Das weiße Blatt wird also durch dieses visuelle Ausdrucksmittel spielend überwunden, indem es dem denkenden Autor eine Spielmöglichkeit zur Verfügung stellt, die seine Angst löst und Sprache ins Fließen bringt. Aus dieser Perspektive betrachtet ist das weiße Blatt ein Ausdruck der Schreibblockade, sozusagen haben wir es hierbei mit einer visuellen Botschaft der Leere zu tun. Dennoch befindet sich im übertragenen Sinne unter dieser Leere eine Software bestehend aus Textfragmenten, für die wir eine Steuerungsfunktion benötigen, um sie abzurufen.

Hierbei ist das Cluster ein Transportmittel, um unterbewusste Blockaden abzubauen, und die Textproduktion wieder zu beleben. Schreibblockaden haben immer auch etwas mit Lebensblockaden zu tun. Autoren, die sich mit Schreib- oder Lebensblockaden auseinander setzen müssen, haben die Möglichkeit, mit diesem externen Hilfsmittel Bewegung in den Stillstand zu bringen. Das Cluster ist aus tiefenpsychologischer Sicht gesehen auch ein Spiegel unseres Unterbewussten. Unsichtbares wird sichtbar gemacht. Und dieser Prozess des Sichtbarmachens löst einen Heilprozess aus, den wir auch aus dem Bereich der heilenden Poesie kennen. 

Ein Cluster ist also mehr, als nur ein Handwerkszeug, das Texte abrufen kann. Clustering, als Instrumentarium der Tiefenpsychologie, beleuchtet dunkle Flecken des Unterbewussten, ohne die Seele zu verletzen.

Vom Urknall zum Cluster

Am Anfang jeden Textes steht ein Cluster. Diese Urform der Textgestaltung weist in seiner Erscheinungsform Korrespondenzen zur Entstehung unseres Universums auf. Stellen wir uns vor, die Elypse im Zentrum des Geschehens mit ihrem Schlüsselbegriff sei eine Supernova. Also ein gigantisches Gestirn, dessen Ausmaße mit dem menschlichen Verstand nicht zu erfassen sind. Diese Supernova trägt die Informationen unserer Idee. Stellen wir uns weiter vor, dass dieser Stern sich auf die Größe eines Tennisballes zusammenzieht, um wenige Augenblicke später mit der geballten Energie dieser Kompression explodiert.

Chaos im Universum. Chaos im Gehirn. Chaos, ein Begriff aus dem Altgriechischen, bedeutet im übertragenen Sinne nichts anderes als Urmasse. Aus dieser Urmasse entsteht Kreativität. Chaos als Informationsträger von Schöpfung, denn der explodierende Stern lässt eine Fülle von anderen Sternen und Planeten entstehen, die unser Universum bilden. Das ist eine Form von Urkreativität. Die Formel heißt also "von der Zerstörung zur Schöpfung". Es kann nur etwas Neues erschaffen werden, wenn das Alte seine Daseinsform beendet hat. In der Schreibblockade bedeutet diese Daseinsform, die Überwindung innerer Spannungen, die bei Nichtbeachtung den Kreativitätsprozess behindern.

Das Cluster im Textlabor

Für den praxisbezogenen Einsatz des Clusterings im eigenen Textlabor empfiehlt sich folgende Vorgehensweise: 

  1. Der Assoziationsimpuls ergibt sich aus dem Thema, über das wir gerne etwas schreiben würden.

  2. Das Schlüsselwort entsteht aus dem ersten Gedanken zum Thema. Merke: Der erste Gedanke ist immer de beste Gedanke. Wie oft haben Sie einen ersten Gedanken verworfen, um dann einen zweiten aufzunehmen? Am Ende sind Sie entweder wieder zum ersten Gedanken zurückgekehrt oder die Geschichte ist gestorben. Diesen Nebenschauplatz können Sie sich ersparen, wenn Sie Ihrem ersten Impuls für den Schlüsselbegriff nachgehen. 

  3. Das Cluster entsteht durch freie Assoziation. Begriffe, Metaphern, Zitate, Informationen, Gefühle, Erkenntnisse, Farben, Gerüche ... All das, was Ihnen zum gestellten Thema einfällt, wird nun spontan in das Cluster integriert. Vergessen Sie dabei aber nicht, jeden Begriff nochmals mit einer Elypse zu versehen und eine Verbindungslinie zum Schlüsselwort herzustellen. Es ist auch möglich, Verbindungslinien innerhalb der einzelnen Clusterpunkte herzustellen. 

  4. Transformation in Sprache. Bereits während des Clustering werden Sie feststellen können, dass in Ihnen ein Sprachprozess angeregt wird. Satzfragmente, einzelne Formulierungen, Szenen, Handlungen usw. beginnen sich zu formieren und regen Ihren Schreibprozess an. 

  5. Der emotionale Zugang zum Thema korrespondiert nun auch mit Ihrem kognitiven Verständnis. Abstrakte Gefühle werden zu erdachter Sprache. 

  6. Suchen Sie sich nun, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Cluster vollständig ist, einen Begriff heraus. Auch hier wieder die Spielregel: "Erster Gedanke ist bester Gedanke!" Diesen Clusterpunkt setzen Sie nun wiederum in das Zentrum eines weißen Blattes und machen diesen Begriff zum Schlüsselwort. Ein neues Cluster entsteht. Übrigens können Sie jeden der gefundenen Clusterpunkte aus dem "Urcluster" noch einmal intensiv clustern. 

  7. Der erste Satz: Sollten Sie wieder erwarten nun immer noch keinen fließenden Anfang finden, machen Sie einfach ein Cluster zum ersten Satz. Der Schlüsselbegriff heißt also in diesem Fall: "Der erste Satz". Clustern Sie alles auf, was Ihnen zu diesem "Phänomen des ersten Satzes" einfällt. 

  8. Der Schreibprozess: Jetzt legen Sie sich eine Uhr auf den Tisch und schreiben Sie innerhalb von zwei Minuten all das auf, was augenblicklich in Ihnen auftaucht. Freewriting nennt sich das im Creative Writing. Wenn Sie sich allen Ballast innerhalb dieser zwei Minuten von der Seele geschrieben haben, machen Sie eine kleine Pause von maximal zehn Minuten. 

  9. Es geht los!

Ein Übungsbeispiel

Das Thema heißt: "Das weiße Blatt". Setzen Sie diesen Satz in das Zentrum eines leeren Blattes. Mit diesem Schlüsselbegriff halten Sie nun Einzug in die Welt der gähnenden Leere. Sie werden vermutlich erstaunt sein, über das Ergebnis dieser sogenannten gähnenden Leere. Die ist gar nicht so leer. Gähnende Leere kann man überwinden, indem man sie sich anschaut. Danach versuchen Sie einmal einen lyrischen Text oder einen Prosatext aus den Clusterpunkten zum "weißen Blatt zu schreiben".

Literaturhinweis:
Gabriele L. Rico. Garantiert Schreiben lernen. Reinbeck 2002

Rüdiger Heins ist Autor und Dozent für Creative Writing am INKAS Institut für Kreatives Schreiben in Bad Kreuznach. Weitere Informationen über den Autor dieses Beitrages erhalten sie in den Websites: www.ruedigerheins.de  www.inkas-id.de 

Weiter: 3. Erinnern - Wiederholen - Durcharbeiten

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