Scusi. Di niente, was gibt es da schon zu entschuldigen.
Ich fuhr durch Italien, wo sonst erfährt man diese Begegnungen der
besonderen Art. Über Italiener wird ja viel gesagt. Mir verschlug er nur
die Sprache. Ja, eine Italienreise. Und mein Begleiter? Ein Unbekannter,
aber bestimmt mehr Faust als Goethe. Kurz vor Genua stand er auf, ging ans
Fenster und zog die Scheibe herunter. Er beugte sich weit hinaus und seine
Haare flatterten im Wind. Wir spielten in keinem Werbespot, obwohl er
wirklich gut gebaut war, und ich gerne mit ihm Hand in Hand ins Meer
hinausgelaufen wäre, bis uns die große Woge verschlungen und für immer
vereint hätte.
Zwei Stunden schon im selben Abteil, vis a vis, an
unsere Sitze gefesselt, schwitzten wir und behielten uns im Visier. Wir
sprachen ohne Worte, dabei so intensiv und heiß wie die Mittagssonne,
aber auch leise wie die Fangarme eines Oktopus. Die Juliwärme öffnete
unsere Herzen für das Leben, brannte, entflammte und heizte alles auf.
Wie ein kleines Mädchen spähte ich unter sein Hemd, das ein bißchen
nach oben gerutscht war. Um seinen Nabelpunkt wuchsen ein paar zarte
Härchen. Ich würde nur ganz leicht mit den Fingerkuppen darüber
streichen, stellte ich mir vor, während sich die hellblaue Jeans ziemlich
nah vor meinen Augen an die Wand drückte.
Der feste Stoff spannte um den kräftigen Po wie die
Muskulatur einer Wildkatze vor dem Absprung. Schau nicht hin, greif zu,
flüsterte es in mir mit gespaltener Zunge. Warum zum Teufel führte hier
niemand die Regie, gab einfach vor, was als nächstes zu geschehen hätte,
und wie ich die Geister wieder loswerden könnte, die ich rief. Ich
spürte die Hormone, wie sie wild durchs Blut sausten und war weit davon
entfernt, ihm lange und sanft in die Augen zu blicken, bis er mich
schließlich an sich ziehen und zaghaft küssen würde. Die Szene hier
lief weniger im Kopf ab, als mir lieb war, und das schwer zu merkende
Zauberwort meiner Rolle in diesem Stück hieß zweifellos Beherrschung. Er
lächelte mich nicht gerade schüchtern von der Seite an und zeigte dabei
sein kräftiges Gebiß, das etwas von der Vitalität eines Raubtieres
wiedergab.
So wie er mich ansah, wusste er, was vorging. Mir schoss
augenblicklich das Blut in den Kopf. Sollte ich aufspringen, weglaufen und
in Panik das Abteil verlassen, das einfach zu eng wurde für zwei, bei
denen die Chemie so hundertprozentig stimmte, dass die chemische Reaktion
jeden Moment eintreten konnte. In einer langen Kurve verlor er den Halt
und stolperte auf meinen Schoß. Ich hielt ihn fest und berührte wie
zufällig mit den Fingerkuppen ganz leicht seinen Nabel. " E
pericoloso spogersi." sagte ich. Es ist verboten, sich aus dem
Fenster zu lehnen.

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