Vera probierte die Maske auf. Sie betrachtete sich im Spiegel. Weiß wie ein Blatt
Papier war sie. Alles konnte sie darauf schreiben. Alle Lügengeschichten dieser Welt. Kein
Wort über sich selbst, nur Lügen. Sie knöpfte ihre Bluse auf. Da saß sie nun, nackte Brust, weißes Gesicht. Sie
spürte, wie sich das Objektiv auf sie richtete. Tatsächlich kribbelte es. Wie Brausepulver und Spucke. Klick! Sie
öffnete ihre Hose, zog sie aus und dann ihren Slip. Nackt stand sie da. Nackt mit weißer Maske. Klick!
("Klick!") mehr...
Nur nicht zu sehr auf sonst
verdeckte Körperteile starren, nehme ich mir vor. Und, nur keine
Aufmerksamkeit erregen. Zögernd erhebe ich mich und zupfe an meiner Hose.
Ich hole tief Luft und ziehe sie schnell mit einer einzigen Bewegung
herunter. Eilig setze ich mich wieder auf den Boden. Ich bin erleichtert,
daß ich es hinter mir habe. Hat es irgendjemand bemerkt? Ängstlich sehe
ich mich um. Nein, sie unterhalten sich immer noch über Kochrezepte. Ich
beruhige mich langsam.
Aber als ich mich dann
wieder verliebte - Ralph war ein Sportler. Er hatte einen tollen Körper,
groß, muskulös - doch seine Augen blickten ganz sanft. Wir schliefen in
seiner Umkleidekabine miteinander - nach dem Wettkampf. Alle anderen waren
schon fort. Und dann hielt ich plötzlich nur einen Morgenrock in den
Armen! Einen Frottébademantel mit einer samtenen Einfassung. Ich dachte,
er machte sich einen Scherz. Aber es war kein Scherz - er blieb genauso
verschwunden wie Bernard. Und ich hatte zwei Morgenröcke! Seine Eltern
machten einen fürchterlichen Wirbel. Die Polizei kam. Als ich ihnen
erzählte, was geschehen war, und ihnen die Morgenröcke zeigte, brachten
sie mich in eine Irrenanstalt. Aber der Arzt war sehr verständnisvoll. Er
sagte mir und meinen Eltern, woran ich litt. Ich habe seine Worte nicht
verstanden, aber er meinte, es wäre ganz harmlos. Sie ließen mich wieder
gehen.