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Das Online-Magazin für Erotische Literatur des Berliner Zimmers

Berliner Zimmer - Der Salon im Netz

Nr. 3/1999

  

Inhalt Nr. 3

Editorial

Christian Anslinger
Absolute Verfügbarkeit

Werner Baur
Kalypso

Michael Eichhammer
Die Abenteur von Lady Latex

Manfred Eder
Fahrzeugwechsel

Wolf Ehrlich
OrgasMuß

Peter Felix
Dunkel

Werner Friebel
Bettgeschichte

Jan Ulrlich Hasecke
Lockendere, Üppigere, Vollere

Natalie Heim
sieh

Che Haven
"Le bruit um uns..."

Christof Hoyler
Arthur trank Rosa

Carola Heine
Last Exit - das letzte Mal

Emanuelle Mourant
Der Betrug

Petra
Der unmoralische Kuß

Christopher Ray
Maus und Kater

Regina Reichel
Frischfleisch

Hartmut Sörgel
G   LIED

Frank Steinbrink
jene die singen mit ihrer haut

Stephan Tunn
Leidenschaft

Sandra Uschtrin
Das Photo

Beate-Helena Wehrle
Der Einbruch

Josef Wilms
Kabinettgeflüster oder Eine ausgemachte Vögelei


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Leser- & Pressestimmen

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Zu Erosa Nr. 2

Zu Erosa Nr. 1

Foto: Keith Nicolson

 

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Ausschnitt aus dem Roman

"Die Reise nach Jerusalem"
von
Jan Ulrich Haseke

 

Lockendere, Üppigere, Vollere

Ein unbändiges Zirpen sirrte durch die Luft. Grillen waren im krautigen Gras versteckt und riefen sich beim Namen. Ein hysterischer Laut! Evan Evve! Immer höher, stärker, lauter. Verloren in kreischender Graswildnis erstiegen wir den Rücken des Berges. Schweiß perlte juckend unter meinen Achseln hervor, rann in kitzelnden Tropfen an meinen Flanken hinab. Blut pochte im Hals. Luft hechelte in meiner Kehle. Grillengeschrei zerriss den Atem.

Rona ruderte mit ihrer freien Hand grotesk in der Luft, mit ihren kräftigen Beinen stieg sie über das Gestein, und ihr Körper schwang hin und her zwischen mir und der bleiernen Umgebung vor uns. Beherrscht vom Sirenenschrei der sirrend-reißenden Grillen tanzten wir von Oberons Horn besessen den Berg hinauf.

Da ließ sie meine Hand los, stützte sich auf eine Mauer, stemmte sich hoch, saß obenauf, schwang die Beine herum und hüpfte auf der anderen Seite wieder hinunter. »Komm!«, sagte sie und wischte sich hastig den Schweiß von der Stirn. Ich stieg auf die niedrige Mauer und sprang ihr hinterher. Da standen wir auf einem kleinen Platz, der von hohen Zypressen umgeben war. Rona blieb stehen, breitete die Arme aus und sagte: »Na, was sagst du nun?«

Das rondellartige Plateau war mit großen Steinplatten gepflastert. Ich sah mich um. Im Tal erblickte ich einige Lampions aus den Vorgärten der Villen. Dieser breite dunkle Fleck dort unten am Hang musste die Herberge sein. Hügelbeulen wälzten sich über schwarze Täler, funkelnde Lichter flirrten auf den Hügelrücken wie Girlanden.

»Jerusalem!«, sagte Rona.))

Kein Laut war mehr zu hören, nur mein eigener Atem, der unruhig bebte. Wenn ich die Luft anhielt, konnte ich in einer der anderen Hütten ein Schnarchen hören. Warmes Menschfleisch. Trunkener traumloser Schlaf. Mein Hals schmerzte mehr und mehr. Oben auf dem Plateau hatte ich leichten kühlen Wind gespürt, der sanft über meine schweißige Haut glitt. Rona und ich standen lange schweigend da. Die Welt lag unter uns. Durch das endlose Gellen der Grillen heulte ein Motor auf, bellte fern ein Hund. Und heute lag ich Meilen entfernt, allein - ( -

( - (der feine Hammerschlag in meinen Schläfen stand still. Rona schlenderte auf und ab. Im bläulichen Kaltlicht des Mondes glänzte eine steinerne Bank weißlich. Ich setzte mich und spürte die laue Kühle des Steines. Als ich die Nase an den Stein hielt, konnte ich noch die kalkige Sonnenglut des Tages riechen. Rona blickte ins Tal hinunter. Ihre Locken griffen wie ein schwarzer Kraken in ihr weißes Kleid. Die gierigen fetten Blumenranken, die sich des Tags um ihren Leib wanden, waren verschwunden.

Die Grillen sägten Kristalle in die Nacht. Ronas breitere Hüften, wallenderes Haar, größere, lockendere Brüste, dichtere Augenbrauen, fülligere Lippen, ihre Silhouette gegen einen achatfarbenen Himmel: klarer, schärfer, verlangender. (Aline stand damals in feuchter neblichter Morgenwiese, allein. Und sie ahnte nicht, dass ich hinter ihr war. Zierlich, zart, fern. Kleine feuchte Seufzer - )

Feiner Sand knirschte unter meinen Handflächen. Wüstenstaub vom Sinai durch heiße Winde hierher nach Jerusalem gefegt. Er klebte an meinen Händen. Und ich streifte ihn an meiner Hose ab. Auf meinen Armen lag ein schwacher Jadeschimmer. Rona rührte sich nicht vom Fleck und in meinem Kopf wirrten sich Stimmen - : lockendere Brüste, üppiger, voller.

Ich stand auf und ging zu ihr. Wie an Rachels Grab blieb ich einen Schritt hinter ihr stehen und sehnte meine Hände an die Üppigeren, Lockenderen, Volleren. Ihr Kopf drehte sich langsam einer inneren Partitur lauschend ins Profil und lockte mich. Ich tat den Schritt vorwärts, fühlte, wie sie ihren Körper nach hinten neigte, so dass ihre Schulter meine Brust berührte und der Geruch ihrer tiefschwarzen Haare in meine Nase kroch und Unheil stiftete. Ich strich mit verlangenden Händen ihre Arme hinauf, fühlte den rauhen Widerstand ihrer kräftigen Härchen, umfasste zärtlich ihre Schultern, und senkte meine Hände, während sie ihren Kopf in den Nacken fallen ließ, hinunter und drückte feuchte Finger auf die schwellenden Knospen ihrer vollen Brust. »Nein - «, wimmerte sie, als ich ihren Hals küsste und meine Lippen auf eine pochende Ader legte, um das Leben in ihr zu spüren. Ronas Haut war klamm und schmeckte bitter.

Sie riss sich los »nein!« ich griff ihre Hand verrenkte Armzeichen breiter wallender fülliger »nein!« Hände an Steinmauern gekrallt Küsse auf windenden Hals breiter runder lockender Atemfluchten von hechelnden Grillen betäubt. Hingegeben.

Rona gab auf, erschrocken ließ ich sie los, ihre Hände ruhten auf den bröckelnden Steinen der Umfriedung, das helle Kleid löste sich in klammen Falten von ihrem Bauch. Rona blickte in ihre Hand, ich sah von hinten eine dunkle Schramme darin. Sie schluckte Wut und Scham hinunter und drehte sich um: ihr Gesicht glühte im fahlen Schein des Splittersteins, Haarsträhnen rissen ihre Stirn in Fetzen, in ihren Augen verbündete sich Stolz mit Lust, sie riss meinen Mund auf den ihren stieß in drohender Gebärde ihr breiteres Becken an mich presste ihre weichen Volleren durchwühlte mein Haar eroberte wir sanken nieder messerscharfe Felsvorsprünge ritzten fiebrige Haut rauhe Ellenbogen schürften über kantige Steinplatten knirschender Sand unter zuckenden Muskeln Glimmerglanz um bebenden Umbilikus Katzengold Strauchwuchs in rotgranitenen Felsspalten tauperlig nachtschwarz Milchdruse Schleifspuren auf kantigem verwittertem Untergrund karstige Schlotte Schmelzlust stürzt in Katavothre ins Schlundloch in den saugendtiefen Ponor -

Schrei und Lustruf fährt in den wimmelnden Wiesendschungel bringt Zirpe und Grille zum Verstummen befiehlt wie Asosra glühgeschweiften Meteoren die weitgewandert am Pechhimmel Menetekel schreiben und mit berstendem Knall in runzlige Gemmen zerplatzen / lässt den Mond in Schaum ertrinken / lässt Fels und Berg von hallender Klage berichten und dringt in tiefste Höhlen wo blinde Salamander in zähes Magma stoßen das aufdringt durch Spalten quillt sich rauchzischend ins Meer erbricht, erstarrt, erkaltet, von Schlamm bedeckt in tiefe Erdzeitalter fällt - - -

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Jan Ulrich Hasecke: DIE REISE NACH JERUSALEM 
ISBN 3-8311-0321-6 / Roman, 150 Seiten, 19,80 DM 

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Fast täglich schreibt Jan Ulrich Hasecke satirische, essayistische und manchmal eben auch erotische Texte in sein Sudelbuch und verschickt sie per E-Mail. Das Berliner Zimmer hat juh's Sudeleien schon lange abonniert. Wir lassen uns doch nichts entgehen!

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Copyright aller Texte bei den Autoren, für die Zusammenstellung und Präsentation im Internet bei Enno E. Peter und Sabrina Ortmann 1999.  

 

 


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