Das Online-Magazin für Erotische Literatur des Berliner Zimmers

Berliner Zimmer - Der Salon im Netz

Nr. 3/1999

  

Inhalt Nr. 3

Editorial

Christian Anslinger
Absolute Verfügbarkeit

Werner Baur
Kalypso

Michael Eichhammer
Die Abenteur von Lady Latex

Manfred Eder
Fahrzeugwechsel

Wolf Ehrlich
OrgasMuß

Peter Felix
Dunkel

Werner Friebel
Bettgeschichte

Jan Ulrlich Hasecke
Lockendere, Üppigere, Vollere

Natalie Heim
sieh

Che Haven
"Le bruit um uns..."

Christof Hoyler
Arthur trank Rosa

Carola Heine
Last Exit - das letzte Mal

Emanuelle Mourant
Der Betrug

Petra
Der unmoralische Kuß

Christopher Ray
Maus und Kater

Regina Reichel
Frischfleisch

Hartmut Sörgel
G   LIED

Frank Steinbrink
jene die singen mit ihrer haut

Stephan Tunn
Leidenschaft

Sandra Uschtrin
Das Photo

Beate-Helena Wehrle
Der Einbruch

Josef Wilms
Kabinettgeflüster oder Eine ausgemachte Vögelei


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Leser- & Pressestimmen

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Zu Erosa Nr. 2

Zu Erosa Nr. 1

Foto: Keith Nicolson

 

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"Die Abenteuer von Lady Latex"
von Michael Eichhammer


Sie fragte sich, ob alle Superhelden und Superheldinnen beim ersten Tragen so viel Zeit damit verbrachten darüber nachzudenken, ob ihr Kostüm perfekt saß. Zugegeben, die Hauptanforderungen an einen Superhelden-Dress waren, daß er kugelsicher war, genug Taschen für die umfangreiche Superhelden-Ausrüstung hatte, eine gute Tarnfarbe hatte und so elastisch war, daß er einen nicht einschränkte, wenn es auf schnelle und präzise Bewegungen ankam. Aber obwohl sie mehr Zeit damit ver-brachte sich mit irgendwelchen Superschurken im Dreck zu wälzen als mit dem netten Jungen von nebenan (der sicher gerne das selbe mit ihr getan hätte) auszugehen, fühlte sie sich sehr weiblich und wollte ihren Sexappeal mit dem Dress nicht verstecken, sondern unterstreichen. Und sie wollte bei ihrem Styling mehr Geschmack beweisen als ihre Vorgänger Superman und Batman, diese Winterunterwäsche-Fetischisten, deren Vorstellung von modischer Extravaganz ihren Höhepunkt offensichtlich darin fand, die Unterhosen außen zu tragen.

Nachdem sie sich für fast 20 Minuten im Spiegel betrachtet hatte und dabei jede erdenkliche Perspektive ausgetestet hatte, kam sie zu dem Schluß, daß dieser hautenge schwarze Latexbody, die dazugehörigen langen Stiefel und die Gummihandschuhe all ihre Ansprüche erfüllte. Sie fand, daß das Schwarz perfekt ihre langen blonden Haare unterstrich. Der Dress saß sie eine zweite Haut um die wohlgeformten Rundungen ihres Körpers. Die Brüste wirkten durch den Druck des Latex sogar noch größer. Wenn man ganz genau hinsah, konnte man bei hellem Licht sogar die Andeutung ihres Venushügels erkennen - aber sie hatte sich geschworen, daß kein Gauner jemals unverletzt so nah an sie herankommen würde...Das Material war eng, aber es fühlte sich angenehm an, ja sogar erregend. Ob Batman wohl von seinem eigenen Outfit auch so angeturned wurde? Hatte der schwarze Ritter während der Fahrt in seinem Bat-Mobil unter seiner Bat-Hose einen Bat-Ständer? Sie hatte weder Lust noch Zeit diesen Gedanken weiter nachzugehen und schaltete statt dessen zur Inspiration für ihre erste Heldentat den Fernseher an. Sie zappte durch ein paar Nachrichtensendungen und Reportage-Magazine und war sich sicher, daß es ihr nicht an Aufgaben mangeln würde.

Voller Tatendrang öffnete sie das Fenster, sprang behende wie eine Katze in den Regen, flog - unterstützt von ihrem Superhelden-Zubehör - von Häuserdach zu Häuserdach und kletterte schließlich wie eine Fliege die Häuserschluchten hinab in das Jammertal der Großstadt Gothamandeggs City, wo die Verbrechensrate längst die Geburtenrate überrundet hatte. Sie wurde sofort vom Schwarz der Nacht verschluckt. Sie bewegte sich lautlos im Schutz der Dunkelheit, von einer schattenspendenden Häuserfassade zur nächsten. Immer möglichst weit entfernt vom Spotlight der Laternen. Einen kurzen Augenblick war sie unkonzentriert und mußte einen hohen Preis dafür bezahlen. Nur kurz war sie aus dem Schattenreich in das Rampenlicht einer Neonreklame gestolpert und schon fand sie sich umzingelt von fünf bierbäuchigen Typen, die rochen wie ein Pissoir, dessen Toilettenfrau offensichtlich verdammt wenig Trinkgeld bekam. "Also, man kann wirklich nicht sagen, daß das Sprichwort ´In der Nacht sind alle Katzen grau´ stimmt. Da haben wir ja ein besonders schönes Exemplar von einer Pussy mit schwarzen Fell!", meinte einer. Er klang so, als hätte er zuviel getrunken. "So ein süßes gestiefeltes Kätzchen! Oder sollte ich sagen: Muschi!" Seine Kumpane kicherten wie ein Rudel Schimpansen. Der widerliche Typ war jetzt so nahe an sie herangetreten, daß sie riechen konnte, daß sie mit ihrer Vermutung recht gehabt hatte: Er war betrunken. Sein eigentümliches Parfüm aus Bier, Schnaps, Schweiss und Urin stach in ihre Nase und sie befürchtete fast ohnmächtig zu werden. Seine Blicke durchbohrten sie vor Geilheit, ihre Blicke durchbohrten ihn vor Abscheu.

Die Männer hatten von Anfang an einen Kreis um sie gezogen, dessen Radius sie in kleinen Schritten verkleinerten. "Nettes Outfit! Bist wohl auf dem Weg zu einer SM-Party, oder?" Wieder wurde das Lallen des Anführers mit anerkennendem Gegacker seiner Kumpels belohnt. "Ich bin Lady Latex!", sagte sie und war sich mit einem Male nicht mehr so sicher, ob das ein so guter Name für eine Superheldin war. "Oho, Lady Latex!...Erzähl mir deine Fantasien, dunkle Lady! Ich bin sehr flexibel.", sagte das Stinktier und kam näher. Seine Freunde taten ihm gleich. Er fuhr fort: "Wenn du willst, kann ich dein Meister sein. Ich würde dich zwingen nichts als eine Hundeleine zu tragen, wenn wir ausgehen. Ich würde in einem Café einen Fremden an unseren Tisch bitten und dir befehlen, ihm vor allen Leuten einen runterzuholen. Stehst du da drauf?" Dem Grunzen nach zu urteilen, standen jedenfalls die Freunde des Redners darauf... "Oder hättest du mich lieber als Sklaven? Soll ich dir deine Stiefel lecken? Oder deine Muschi? Willst du mich als Toilette benutzen?" "Hm...", begann Lady Latex und blickte ihrem Gegenüber tief in die Augen, "wenn du mir schon die Wahl läßt, dann will ich lieber deine Herrin sein. Du stehst doch bestimmt auf Schmerzen!" Bevor der Typ auch nur "Aua" sagen konnte, lag er ein paar Meter weiter entfernt, nett garniert mit dem Inhalt einer Mülltonne, die er beim Fallen umgerissen hatte und mit einer schmerzhaften Erinnerung an die Spitze von Lady Latex Stiefel in den Hoden. Seine Kameraden wußten nicht so recht, wie sie reagieren sollten. Erst als er rief "Schnappt euch das Luder!" bewegten sie sich auf sie zu. Einer der noch betrunkener war als der Anführer torkelte auf sie zu und sabberte: "Du kleine Nutte! Dafür wirst du bezahlen." Er streckte seine Hände nach ihr aus, aber ein gezielter Schlag ins Gesicht ließ ihn zu Boden gehen wie ein mitten in der Aufführung erschossener Ballettänzer. Der Typ war erstmal damit beschäftigt, seine Zähne einzusammeln und der Anführer krümmte sich auch noch am Boden, immer noch über die Schmerzen in seinen Weichteilen jammernd. ´Kleine Fische´, dachte Lady Latex, ´dreckige, parasitäre, kleine Silberfische´. Sie hätte sich von dem Abend mehr erwartet: Die Welt vor einem Größenwahnsinigen retten, der die Weltherrschaft an-strebte oder so was. Aber dieser Übermut rächte sich - Sie hatte die Bande unterschätzt: Plötzlich wurden ihre Oberarme von zwei mächtigen Händen wie von Schraubstöcken eingezwickt und nach hinten gedrückt. Dadurch wurden ihre Brüste einladend nach vorne gestreckt und die zwei übriggebliebenen Streuner nahmen die Einladung gerne an... Der eine begann, ihre Brüste grob zu kneten, während der an-dere seine Finger gewaltsam in ihren Body quetschte und mit angenehmer Überraschung feststellte, daß kein Slip seine weiteren Fingerfertigkeiten aufhielt.

Für einen kurzen Augenblick überlegte sie, ob sie um Hilfe schreien sollte. Dann wurde ihr bewußt, wie sinnlos das war: Die Chance, daß jemand anderes außer ihr ausgerechnet auch heute auf die Idee gekommen wäre, mal so ein bißchen Super-held zu spielen, war so dünn wie ein Kondom und die Wahrscheinlichkeit, daß ein "normaler" Mensch den Mut finden würde in so einer Situation zu helfen war erfahrungsgemäß geringer als die Wahrscheinlichkeit, daß es den Weihnachtsmann doch gab. Der Betrunkene, der seinen Finger gerade in ihren Superhelden-Körper bohrte, lallte: "Du willst das doch, so wie du rumläufst." Dieser Spruch machte sie so wütend, daß sie ganz ohne Super-Kräfte und ohne Super-Ausrüstung, die Kraft aufbrachte, sich aus dem Griff der Schraubstockhände zu befreien. Sie schlug den überrascht glotzenden Urmenschen vor ihr die Köpfe gegeneinander - auf Holz klopfen soll ja bekanntlich Glück bringen. Den hinter ihr stehenden Hünen erledigte sie mit einem Tritt ihres spitzen Absatzes auf seinen Fuß. Pfeifend verließ sie das Schlachtfeld. Sie war sich stellenweise mit der Melodie nicht ganz sicher, aber den Text dieses alten Songs von Tom Waits hatte sie nie vergessen: "Did the devil make the world while god was sleeping?" Die Nacht war noch jung.

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Copyright aller Texte bei den Autoren, für die Zusammenstellung und Präsentation im Internet bei Enno E. Peter und Sabrina Ortmann 1999.  

 

 


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