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Nr. 3 Editorial
Christian
Anslinger
Absolute Verfügbarkeit
Werner Baur
Kalypso
Michael
Eichhammer
Die Abenteur von Lady Latex
Manfred Eder
Fahrzeugwechsel
Wolf Ehrlich
OrgasMuß
Peter Felix
Dunkel
Werner Friebel
Bettgeschichte
Jan Ulrlich Hasecke
Lockendere, Üppigere, Vollere
Natalie Heim
sieh
Che Haven
"Le bruit um uns..."
Christof Hoyler
Arthur trank Rosa
Carola Heine
Last Exit - das letzte Mal
Emanuelle Mourant
Der Betrug
Petra
Der unmoralische Kuß
Christopher Ray
Maus und Kater
Regina Reichel
Frischfleisch
Hartmut Sörgel
G LIED
Frank Steinbrink
jene die singen mit ihrer haut
Stephan Tunn
Leidenschaft
Sandra Uschtrin
Das Photo
Beate-Helena Wehrle
Der Einbruch
Josef Wilms
Kabinettgeflüster oder Eine ausgemachte Vögelei

Leser-
& Pressestimmen
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Foto: Keith Nicolson

"Die Abenteuer von Lady Latex"
von Michael Eichhammer
Sie fragte sich, ob alle Superhelden und
Superheldinnen beim ersten Tragen so viel Zeit damit verbrachten darüber nachzudenken, ob
ihr Kostüm perfekt saß. Zugegeben, die Hauptanforderungen an einen Superhelden-Dress
waren, daß er kugelsicher war, genug Taschen für die umfangreiche
Superhelden-Ausrüstung hatte, eine gute Tarnfarbe hatte und so elastisch war, daß er
einen nicht einschränkte, wenn es auf schnelle und präzise Bewegungen ankam. Aber obwohl
sie mehr Zeit damit ver-brachte sich mit irgendwelchen Superschurken im Dreck zu wälzen
als mit dem netten Jungen von nebenan (der sicher gerne das selbe mit ihr getan hätte)
auszugehen, fühlte sie sich sehr weiblich und wollte ihren Sexappeal mit dem Dress nicht
verstecken, sondern unterstreichen. Und sie wollte bei ihrem Styling mehr Geschmack
beweisen als ihre Vorgänger Superman und Batman, diese Winterunterwäsche-Fetischisten,
deren Vorstellung von modischer Extravaganz ihren Höhepunkt offensichtlich darin fand,
die Unterhosen außen zu tragen.
Nachdem sie sich für fast 20 Minuten im
Spiegel betrachtet hatte und dabei jede erdenkliche Perspektive ausgetestet hatte, kam sie
zu dem Schluß, daß dieser hautenge schwarze Latexbody, die dazugehörigen langen Stiefel
und die Gummihandschuhe all ihre Ansprüche erfüllte. Sie fand, daß das Schwarz perfekt
ihre langen blonden Haare unterstrich. Der Dress saß sie eine zweite Haut um die
wohlgeformten Rundungen ihres Körpers. Die Brüste wirkten durch den Druck des Latex
sogar noch größer. Wenn man ganz genau hinsah, konnte man bei hellem Licht sogar die
Andeutung ihres Venushügels erkennen - aber sie hatte sich geschworen, daß kein Gauner
jemals unverletzt so nah an sie herankommen würde...Das Material war eng, aber es fühlte
sich angenehm an, ja sogar erregend. Ob Batman wohl von seinem eigenen Outfit auch so
angeturned wurde? Hatte der schwarze Ritter während der Fahrt in seinem Bat-Mobil unter
seiner Bat-Hose einen Bat-Ständer? Sie hatte weder Lust noch Zeit diesen Gedanken weiter
nachzugehen und schaltete statt dessen zur Inspiration für ihre erste Heldentat den
Fernseher an. Sie zappte durch ein paar Nachrichtensendungen und Reportage-Magazine und
war sich sicher, daß es ihr nicht an Aufgaben mangeln würde.
Voller Tatendrang öffnete sie das Fenster,
sprang behende wie eine Katze in den Regen, flog - unterstützt von ihrem
Superhelden-Zubehör - von Häuserdach zu Häuserdach und kletterte schließlich wie eine
Fliege die Häuserschluchten hinab in das Jammertal der Großstadt Gothamandeggs City, wo
die Verbrechensrate längst die Geburtenrate überrundet hatte. Sie wurde sofort vom
Schwarz der Nacht verschluckt. Sie bewegte sich lautlos im Schutz der Dunkelheit, von
einer schattenspendenden Häuserfassade zur nächsten. Immer möglichst weit entfernt vom
Spotlight der Laternen. Einen kurzen Augenblick war sie unkonzentriert und mußte einen
hohen Preis dafür bezahlen. Nur kurz war sie aus dem Schattenreich in das Rampenlicht
einer Neonreklame gestolpert und schon fand sie sich umzingelt von fünf bierbäuchigen
Typen, die rochen wie ein Pissoir, dessen Toilettenfrau offensichtlich verdammt wenig
Trinkgeld bekam. "Also, man kann wirklich nicht sagen, daß das Sprichwort ´In der
Nacht sind alle Katzen grau´ stimmt. Da haben wir ja ein besonders schönes Exemplar von
einer Pussy mit schwarzen Fell!", meinte einer. Er klang so, als hätte er zuviel
getrunken. "So ein süßes gestiefeltes Kätzchen! Oder sollte ich sagen:
Muschi!" Seine Kumpane kicherten wie ein Rudel Schimpansen. Der widerliche Typ war
jetzt so nahe an sie herangetreten, daß sie riechen konnte, daß sie mit ihrer Vermutung
recht gehabt hatte: Er war betrunken. Sein eigentümliches Parfüm aus Bier, Schnaps,
Schweiss und Urin stach in ihre Nase und sie befürchtete fast ohnmächtig zu werden.
Seine Blicke durchbohrten sie vor Geilheit, ihre Blicke durchbohrten ihn vor Abscheu.
Die Männer hatten von Anfang an einen Kreis
um sie gezogen, dessen Radius sie in kleinen Schritten verkleinerten. "Nettes Outfit!
Bist wohl auf dem Weg zu einer SM-Party, oder?" Wieder wurde das Lallen des
Anführers mit anerkennendem Gegacker seiner Kumpels belohnt. "Ich bin Lady
Latex!", sagte sie und war sich mit einem Male nicht mehr so sicher, ob das ein so
guter Name für eine Superheldin war. "Oho, Lady Latex!...Erzähl mir deine
Fantasien, dunkle Lady! Ich bin sehr flexibel.", sagte das Stinktier und kam näher.
Seine Freunde taten ihm gleich. Er fuhr fort: "Wenn du willst, kann ich dein Meister
sein. Ich würde dich zwingen nichts als eine Hundeleine zu tragen, wenn wir ausgehen. Ich
würde in einem Café einen Fremden an unseren Tisch bitten und dir befehlen, ihm vor
allen Leuten einen runterzuholen. Stehst du da drauf?" Dem Grunzen nach zu urteilen,
standen jedenfalls die Freunde des Redners darauf... "Oder hättest du mich lieber
als Sklaven? Soll ich dir deine Stiefel lecken? Oder deine Muschi? Willst du mich als
Toilette benutzen?" "Hm...", begann Lady Latex und blickte ihrem Gegenüber
tief in die Augen, "wenn du mir schon die Wahl läßt, dann will ich lieber deine
Herrin sein. Du stehst doch bestimmt auf Schmerzen!" Bevor der Typ auch nur
"Aua" sagen konnte, lag er ein paar Meter weiter entfernt, nett garniert mit dem
Inhalt einer Mülltonne, die er beim Fallen umgerissen hatte und mit einer schmerzhaften
Erinnerung an die Spitze von Lady Latex Stiefel in den Hoden. Seine Kameraden wußten
nicht so recht, wie sie reagieren sollten. Erst als er rief "Schnappt euch das
Luder!" bewegten sie sich auf sie zu. Einer der noch betrunkener war als der
Anführer torkelte auf sie zu und sabberte: "Du kleine Nutte! Dafür wirst du
bezahlen." Er streckte seine Hände nach ihr aus, aber ein gezielter Schlag ins
Gesicht ließ ihn zu Boden gehen wie ein mitten in der Aufführung erschossener
Ballettänzer. Der Typ war erstmal damit beschäftigt, seine Zähne einzusammeln und der
Anführer krümmte sich auch noch am Boden, immer noch über die Schmerzen in seinen
Weichteilen jammernd. ´Kleine Fische´, dachte Lady Latex, ´dreckige, parasitäre,
kleine Silberfische´. Sie hätte sich von dem Abend mehr erwartet: Die Welt vor einem
Größenwahnsinigen retten, der die Weltherrschaft an-strebte oder so was. Aber dieser
Übermut rächte sich - Sie hatte die Bande unterschätzt: Plötzlich wurden ihre Oberarme
von zwei mächtigen Händen wie von Schraubstöcken eingezwickt und nach hinten gedrückt.
Dadurch wurden ihre Brüste einladend nach vorne gestreckt und die zwei übriggebliebenen
Streuner nahmen die Einladung gerne an... Der eine begann, ihre Brüste grob zu kneten,
während der an-dere seine Finger gewaltsam in ihren Body quetschte und mit angenehmer
Überraschung feststellte, daß kein Slip seine weiteren Fingerfertigkeiten aufhielt.
Für einen kurzen Augenblick überlegte sie,
ob sie um Hilfe schreien sollte. Dann wurde ihr bewußt, wie sinnlos das war: Die Chance,
daß jemand anderes außer ihr ausgerechnet auch heute auf die Idee gekommen wäre, mal so
ein bißchen Super-held zu spielen, war so dünn wie ein Kondom und die
Wahrscheinlichkeit, daß ein "normaler" Mensch den Mut finden würde in so einer
Situation zu helfen war erfahrungsgemäß geringer als die Wahrscheinlichkeit, daß es den
Weihnachtsmann doch gab. Der Betrunkene, der seinen Finger gerade in ihren
Superhelden-Körper bohrte, lallte: "Du willst das doch, so wie du rumläufst."
Dieser Spruch machte sie so wütend, daß sie ganz ohne Super-Kräfte und ohne
Super-Ausrüstung, die Kraft aufbrachte, sich aus dem Griff der Schraubstockhände zu
befreien. Sie schlug den überrascht glotzenden Urmenschen vor ihr die Köpfe
gegeneinander - auf Holz klopfen soll ja bekanntlich Glück bringen. Den hinter ihr
stehenden Hünen erledigte sie mit einem Tritt ihres spitzen Absatzes auf seinen Fuß.
Pfeifend verließ sie das Schlachtfeld. Sie war sich stellenweise mit der Melodie nicht
ganz sicher, aber den Text dieses alten Songs von Tom Waits hatte sie nie vergessen:
"Did the devil make the world while god was sleeping?" Die Nacht war noch jung.

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