Das Online-Magazin für Erotische Literatur des Berliner Zimmers Nr. 2

Berliner Zimmer - Der Salon im Netz

Nr. 2 / April  1999

  

Inhalt Nr. 2

Editorial
Mühsam vermehrt sich das Eichhörnchen

Brief einer Verlegerin an den Vorreiter der Heavy-Erotik

Lenn Flatter
Sylvie

Carola Heine
Aber bitte mit Sahne

Peter Kleinert
Sprechen übers Rechen brechen

Anonym
Der Dritte Mann

Wolfgang Paul
weißt du noch in dingsbums

Wolfgang Paul
es kriecht ein schnuckel-
schneckerich

Peter
Ligotage (ein erotischer Liebesbrief)

Sonja Sporrer
gerade noch ... du...

Frank Steinbrink
sonnentanz

Susann Ulshöfer
Modern Times

Leserstimmen

Zu Erosa Nr. 1

 

  CvHViolett2
Claudia von Hausen

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"Aber bitte mit Sahne"
von
Carola Heine


Was Sonne und ein hübscher Kellner so alles auslösen können... Ich gebe meinem Cappucino noch einen Löffel Zucker und sehe zu, wie die Kristalle im Schaum versinken. An der Theke poliert er immer noch die Gläser. Er sieht nicht herüber, aber das muss er auch nicht - die strategisch verteilten Spiegel verschaffen ihm ebenso einen Überblick wie mir. Ich kann die hartnäckige blonde Strähne sehen, die immer über seine Stirn rutscht. Und dieses nette Hinterteil, klein und fest - und sehr beweglich.

Anscheinend habe ich leicht geseufzt, denn die Damen am Nebentisch werfen mir einen amüsierten Blick zu. Entweder haben die beiden bemerkt, dass ich den Kellner beobachte - oder sie müssen denken, ich sei versetzt worden. Wo ich doch so alleine am Cafétisch sitze. Einsam ist mir allerdings nicht zumute, im Gegenteil, mir ist es nicht einsam genug.

Im Spiegel gegenüber kann ich sehen, wie er langsam und konzentriert kleine runde Amarettokekse in eine Glaskugel füllt. Meine Hände wollen wandern, über seine gebräunte Haut, durch die störrischen Haare und ganz sanft an seinem Hals entlang. Sie wollen mit den Nägeln unter dem Hemd ganz leicht über seine Seite fahren, bis er eine Gänsehaut bekommt - und wenn sie das nicht dürfen, dann wollen sie wenigstens über meine eigenen Schenkel fahren dürfen, höher, bis dahin, wo es sehnsüchtig kribbelt.

Da das aber kein angemessenes Benehmen für eine junge Dame mitten in einem Strassencafé ist, zügele ich mich mit einem züchtigen Übereinanderlegen der Beine. Was mich nicht ruhiger stimmt, aber vielleicht das Polster rettet. Ich schliesse die Augen und zwinge meine Finger um die Cappucino-Tasse. Sie hatten die glatte Rundung der Pfeffermühle umklammert, und das ist jetzt zuviel für mich.

Ihn sehe ich trotzdem noch, auch mit geschlossenen Augen. Wenn ich mich nur richtig konzentriere, dann werde ich ihn auch spüren. Er wird mir die Haare aus dem Gesicht wischen und mich in den Hals
beissen, ganz leicht, in die vernachlässigte kleine Kuhle vor dem Schlüsselbein. Ich werde die Nase an seiner Hand reiben wie ein Kätzchen und mit einer warmen Zunge durch die Innenfläche seiner Hand züngeln. Wenn er dann leise stöhnt, werde ich von seinem Schoss rutschen, um unter dem Tischtuch zu verschwinden und ...

„Willst Du noch was trinken?“ Die dunkelblauen Augen lachen sehr frech und die älteren Damen am Nebentisch mustern mich gierig. Wenn ich so aufgelöst aussehe, wie ich mich fühle, ist das auch kein Wunder. Ich bin hart gelandet und noch nicht ganz wach. Nur so ist es zu erklären, dass ich deutlich hörbar zu ihm sage "Ich hatte gerade einen erotischen Tagtraum ... mit Dir“" Der Nebentisch verstummt.

Er nimmt das ganz gelassen hin. "Und - war ich gut?" Ein unverschämtes Lachen in meiner Kehle steigt immer höher. Ich kann nur nicken und versuchen, ernst auszusehen. "Dann sollten wir das vielleicht mal in der Realität ausprobieren", meint er locker und schreibt seine Telefonnummer auf den Quittungsblock.
"Ich muss bis Neun arbeiten. Ruf einfach an. Der Cappucino geht aufs Haus."

Er legt den Zettel vor mich hin. Die halbleere Tasse wird entsorgt, der gar nicht dreckige Aschenbecher geleert und er lächelt mich von der Theke aus freundlich an. Ich nicke ihm zum Abschied zu, greife
meine Jacke und flüchte. Vorbei an den beiden älteren Damen, denen der Mund offensteht. Es ist gar nicht einfach, nicht laut loszulachen, aber ich möchte erst draussen sein. Ich frage mich, wie ich es bis nachher ohne ihn aushalten soll.

Auf der Strasse, in der Sonne zerknülle ich den Zettel mit unserer Telefonnummer.

(Carola Heine, Juli 1997, neu überarbeitet April 1998)

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