| Inhalt
Nr. 2 Editorial
Mühsam vermehrt sich das Eichhörnchen
Brief einer Verlegerin an den
Vorreiter der Heavy-Erotik
Lenn Flatter
Sylvie
Carola Heine
Aber bitte mit Sahne
Peter Kleinert
Sprechen übers Rechen
brechen
Anonym
Der Dritte Mann
Wolfgang Paul
weißt du noch in dingsbums
Wolfgang Paul
es kriecht ein schnuckel-
schneckerich
Peter
Ligotage (ein erotischer Liebesbrief)
Sonja Sporrer
gerade noch ... du...
Frank Steinbrink
sonnentanz
Susann Ulshöfer
Modern Times
Leserstimmen
Zu
Erosa Nr. 1 |

Claudia von Hausen

"Aber bitte mit
Sahne"
von Carola Heine
Was Sonne und ein hübscher Kellner so alles auslösen können... Ich gebe meinem
Cappucino noch einen Löffel Zucker und sehe zu, wie die Kristalle im Schaum versinken. An
der Theke poliert er immer noch die Gläser. Er sieht nicht herüber, aber das muss er
auch nicht - die strategisch verteilten Spiegel verschaffen ihm ebenso einen Überblick
wie mir. Ich kann die hartnäckige blonde Strähne sehen, die immer über seine Stirn
rutscht. Und dieses nette Hinterteil, klein und fest - und sehr beweglich.
Anscheinend habe ich leicht geseufzt, denn die Damen am Nebentisch werfen mir einen
amüsierten Blick zu. Entweder haben die beiden bemerkt, dass ich den Kellner beobachte -
oder sie müssen denken, ich sei versetzt worden. Wo ich doch so alleine am Cafétisch
sitze. Einsam ist mir allerdings nicht zumute, im Gegenteil, mir ist es nicht einsam
genug.
Im Spiegel gegenüber kann ich sehen, wie er langsam und konzentriert kleine runde
Amarettokekse in eine Glaskugel füllt. Meine Hände wollen wandern, über seine
gebräunte Haut, durch die störrischen Haare und ganz sanft an seinem Hals entlang. Sie
wollen mit den Nägeln unter dem Hemd ganz leicht über seine Seite fahren, bis er eine
Gänsehaut bekommt - und wenn sie das nicht dürfen, dann wollen sie wenigstens über
meine eigenen Schenkel fahren dürfen, höher, bis dahin, wo es sehnsüchtig kribbelt.
Da das aber kein angemessenes Benehmen für eine junge Dame mitten in einem Strassencafé
ist, zügele ich mich mit einem züchtigen Übereinanderlegen der Beine. Was mich nicht
ruhiger stimmt, aber vielleicht das Polster rettet. Ich schliesse die Augen und zwinge
meine Finger um die Cappucino-Tasse. Sie hatten die glatte Rundung der Pfeffermühle
umklammert, und das ist jetzt zuviel für mich.
Ihn sehe ich trotzdem noch, auch mit geschlossenen Augen. Wenn ich mich nur richtig
konzentriere, dann werde ich ihn auch spüren. Er wird mir die Haare aus dem Gesicht
wischen und mich in den Hals
beissen, ganz leicht, in die vernachlässigte kleine Kuhle vor dem Schlüsselbein. Ich
werde die Nase an seiner Hand reiben wie ein Kätzchen und mit einer warmen Zunge durch
die Innenfläche seiner Hand züngeln. Wenn er dann leise stöhnt, werde ich von seinem
Schoss rutschen, um unter dem Tischtuch zu verschwinden und ...
Willst Du noch was trinken? Die dunkelblauen Augen lachen sehr frech und die
älteren Damen am Nebentisch mustern mich gierig. Wenn ich so aufgelöst aussehe, wie ich
mich fühle, ist das auch kein Wunder. Ich bin hart gelandet und noch nicht ganz wach. Nur
so ist es zu erklären, dass ich deutlich hörbar zu ihm sage "Ich hatte gerade einen
erotischen Tagtraum ... mit Dir" Der Nebentisch verstummt.
Er nimmt das ganz gelassen hin. "Und - war ich gut?" Ein unverschämtes Lachen
in meiner Kehle steigt immer höher. Ich kann nur nicken und versuchen, ernst auszusehen.
"Dann sollten wir das vielleicht mal in der Realität ausprobieren", meint er
locker und schreibt seine Telefonnummer auf den Quittungsblock.
"Ich muss bis Neun arbeiten. Ruf einfach an. Der Cappucino geht aufs Haus."
Er legt den Zettel vor mich hin. Die halbleere Tasse wird entsorgt, der gar nicht dreckige
Aschenbecher geleert und er lächelt mich von der Theke aus freundlich an. Ich nicke ihm
zum Abschied zu, greife
meine Jacke und flüchte. Vorbei an den beiden älteren Damen, denen der Mund offensteht.
Es ist gar nicht einfach, nicht laut loszulachen, aber ich möchte erst draussen sein. Ich
frage mich, wie ich es bis nachher ohne ihn aushalten soll.
Auf der Strasse, in der Sonne zerknülle ich den Zettel mit unserer Telefonnummer.
(Carola Heine, Juli 1997, neu überarbeitet April 1998)
Zum Seitenanfang
|
|