| Inhalt Nr. 1 Editorial
"Komm, laß ES uns tun..."
"Byron"
Ach die Liebe...
Karin Graf-Braun
Der Kuß
Akt
Dagmar Janke
Astrid
Anonym:
Compi-Flirt
Jeder Morgen hier
Enno E. Peter
Nachtspiel
Christopher Ray
Erotik so gesehen
Regina Reichel
Kluge Körper
Igor Warneck
Perle
Raymond Zoller
Biana
und die Räuber
Die Lüste des Leo
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"CvH1v6", Claudia von Hausen

"Die Lüste des
Leo"
von Raymond Zoller
(eine pornographische
Geschichte)
Die Lüste des Leo zu
besingen setz ich mich an die Maschine mit den vielen Tasten. Doch so brünftig sind die
Lüste, so raffiniert und zahllos seine Laster, daß kein Mensch ermessen kann, wieviele
Tasten es bräuchte, sie alle zu erfassen.
So will ich mich denn
begnügen mit den Tasten, die mir vergönnt sind, und mich bemühen, festzuhalten, was
sich festhalten damit läßt. Berichten will ich, wie Leo der Silvia nachstieg und der
Gertrude; wie er an Sabine um ein Haar zum Lustmörder worden wäre und warum er an
Sibylle Alimente zahlen muß. Und auch von seiner ersten Sado-Orgie will ich erzählen, wo
ihn, da er nicht aufpaßte, die bärenstarke Domina Ilse in einen Käfig steckte, aus dem
er nur mit Mühe entweichen konnte und wohinein dann Ilse die zarte und willige Zofe
Veronika sperrte, um sie dem Zugriff des Leo zu entziehen. All dies und noch vieles andere
mehr möchte ich auf dieser und den kommenden Seiten berichten; und beginnen möchte ich
mit jener Episode, da Leo ein Ruderboot besteigt, um der Insel der Sieben Jungfrauen
zuzurudern und dort an Land zu gehen.
Eine pornographische
Geschichte zu schreiben schicken wir uns an; und so glaubt man natürlich erwarten zu
müssen, daß Leo beim Besteigen des Bootes ins Wasser fällt; daß er, nachdem er sich
glücklich ins Boot gehangelt, sich dorten seiner nassen Kleidung entledigt und daß er
der Insel der Sieben Jungfrauen in nacktem Zustande zustrebt. - Leider aber war dies nicht
der Fall. - Das Boot schaukelte gar sehr, als Leo es bestieg, und Angst und bange wurde
ihm darob; doch ins Wasser fiel er nicht; und wenn er auch von Anfang an naß wurde und
immer nasser, weil er, des Bootfahrens ungeübt, beim Eintauchen der Ruder gar entsetzlich
spritzte, so wurde er doch nicht so naß, daß er sich hätte seiner Kleider entledigen
müssen. Und selbst seine Flüche, die er unentwegt ausstieß ob des lästigen Gespritzes
und auch deswegen, weil er dauernd vom Kurs abkam, sind für uns uninteressant, da sie
jeglichen pornographischen Gehaltes entbehren. Pornographisch relevante Flüche kennt Leo,
nebenbei vermerkt, nicht; wie es überhaupt recht selten vorkommt, daß er flucht. Diesmal
aber fluchte er; und zwar deswegen, weil es dauernd spritzte; und auch deshalb noch, weil
er immer wieder vom Kurs abkam und der Insel der Sieben Jungfrauen nur sehr langsam
näherkam. Kann man ja verstehen.
Warum die Insel der Sieben
Jungfrauen Insel der Sieben Jungfrauen heißt weiß ich nicht; und genausowenig ist mir
bekannt, warum Leo es so eilig hat, dorthin zu gelangen. Wir werden sehen. - Am besten,
wir nutzen die Zeit, da Leo sich spritzend und fluchend mit seinem Boote abmüht, die
Insel schon mal zu erkunden; und der Name der Insel sowie das Wissen darum, daß wir es
mit einer pornographischen Geschichte zu tun haben läßt uns vorab schon erschauern in
wohliger Erwartung.
Doch wie sehr wir die Insel
auch durchstreifen - nur Bäume sehen wir und Büsche. Nirgends ein Mensch; geschweige
denn eine Frau. Und auch nicht die Spur davon... Und dicht sind die Büsche. Sehr dicht.
Und stachelig.
In diesen dichten Büschen
können sich natürlich alle möglichen lasterhaften Gespielinnen verborgen halten; doch
wie soll man die finden? Überall Dornen und Stacheln; man zerkratzt sich die Haut und
macht sich die Kleidung kaputt; der Grund außerhalb der Wege ist morastig; die Schuhe
macht man sich schmutzig und die Strümpfe naß. Muß das sein? Nein. Und vielleicht ist
gar wirklich niemand auf der Insel, und Leo jagt einem Hirngespinst nach? Oder will
einfach bloß rudern lernen? Alles ist möglich! Ob es uns solcherart gar verwehrt bleibt,
eine pornographische Geschichte zu schreiben? Wenn es so weitergeht sicher. Wollen wir
nicht besser die Insel verlassen und uns nach lohnenderen Jagdgründen umsehen? Wo man
sich nicht die Haut zerkratzt und die Füße schmutzig macht? - Was leuchtet da vorne so
schwarz im Gebüsch? Ein Damenstrumpf? Ja, es ist ein Damenstrumpf. Oder bloß eine
Strumpfhose? Nein, keine Strumpfhose. Ein richtiger Strumpf. Das ist interessant. Suchen
wir weiter. Wenn der Boden bloß nicht so schmutzig wäre! Aber wenn wir auf den Wegen
bleiben finden wir nichts. Sollen wir den Strumpf hängenlassen, oder sollen wir ihn
mitnehmen? Ist es ein Zeichen für Leo? Lockt ihn so eine unbekannte Schöne ins geheime
Versteck? Interessant, interessant. Wenn die Stacheln nur nicht so spitz wären. Aua. Aber
wenn wir auf den Wegen bleiben finden wir nichts. Dem Mutigen gehört die Welt.
Was leuchtet da vorne so
schwarz im Gebüsch? Interessant, interessant. Der zweite Strumpf? Wenn die Büsche bloß
nicht so dicht wären. Schon wieder gestochen. Aua. Und immer dichter werden sie;
besonders in die Richtung hin, wo der Strumpf hängt. Oder ist es am Ende gar kein
Strumpf? Natürlich ist es ein Strumpf; was soll es hier sonst Schwarzes geben? Aua.
Verdammt, jetzt bin ich auch noch eingesackt. Richtig morastig ist hier; ganz naß sind
meine Füße. Ob wir nicht doch besser umkehren? Vielleicht ist es eh kein Strumpf. Und
selbst wenn es ein Strumpf wäre - was hätten wir damit gewonnen? Nichts hätten wir
gewonnen. Zwei Strümpfe hätten wir gesehen; weiter nichts. Vielleicht bricht die Spur
hier ab; und wir zerkratzen uns ohne jeden Grund und machen uns die Füße naß für
nichts und wieder nichts? Alles ist möglich. Doch andererseits wollen wir nicht
vergessen, daß Leo doch nicht ohne Grund die Insel der Sieben Jungfrauen anrudert. Einen
Grund muß er doch dafür haben; oder? Und dann noch die beiden Strümpfe; da muß doch
was dahinter sein! Obwohl es bis jetzt erst ein sicherer Strumpf ist; doch der zweite ist
sicher auch einer. Wo ein Strumpf ist, ist auch ein zweiter; dies lehrt der gesunde
Menschenverstand; und was sollte dieses schwarze Etwas da vorne in den Büschen anderes
sein als ein Strumpf. Also suchen wir weiter; dem Mutigen gehört die Welt. Aua. Ja; es
ist ein Damenstrumpf. Nun wird's spannend. Ringsum sind wir von stacheligen Büschen
umgeben; ein Zurück gibt es nicht. Also frisch voran. Doch wohin, in welche Richtung?
Keine Ahnung. Blödsinn... Stehen herum wie bestellt und nicht abgeholt. Was nun? Hätten
auf dem Weg bleiben sollen; wären nicht so zerkratzt und hätten trockne Füße.
Ob man auf einen Baum
steigen soll? Das wäre sicher gut; man hätte etwas Überblick und wäre vor allem diese
Dornen und Stacheln los. Aber erst muß man hochkommen. Verdammt; ganz schmutzig macht man
sich dabei... An diesem Aste da könnte man sich hochhangeln; dann gings
vielleicht... Verdammt; ganz außer Übung... Man müßte regelmäßig Klimmzüge
machen... Ach, nun ist's gegangen. Weiter geht's leichter; hier oben sind die Äste näher
beisammen... Aber was soll ich da oben? Ach ja; Ausschau halten. So; das wär's; höher
komm ich nicht. Gute Aussicht hab ich auf den See. In der Ferne rudert Leo; ich erkenn ihn
am Spritzen. Merkwürdiger Kurs; wenn er den beibehält zieht er um mindestens einen
Kilometer an der Insel vorbei. Ob er von den schwarzen Strümpfen weiß? Sicher weiß er
davon; wird doch nicht ohne Grund losgerudert sein... Ganz zerkratzt bin ich von den
Büschen und Sträuchern; meine Füße sind naß. Wie lang mag's her sein, seit ich zum
letzten mal auf 'nen Baum geklettert bin? Wonach wollte ich Ausschau halten? Ach so...
Aber ich seh nichts. In der Ferne rudert Leo; und unter mir nur Blätter, Dornen und
Stacheln. Und morastiger Grund, der meine Schuhe schmutzig macht und meine Füße naß...
Was such ich? Weiß ich nicht. Steigen wir wieder runter. Au verdammt, fast wär ich
ausgerutscht... Grade nochmal gut gegangen.
Verdammt; ist das mühsam,
eine pornographische Geschichte zu schreiben. Wollen wir's nicht besser sein lassen? -
Gut, lassen wir's.
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