Das Online-Magazin für Erotische Literatur des Berliner Zimmers

Berliner Zimmer - Der Salon im Netz

Nr.1 / Januar 1999

 

Inhalt Nr. 1

Editorial
"Komm, laß ES uns tun..."

"Byron"
Ach die Liebe...

Karin Graf-Braun
Der Kuß
Akt

Dagmar Janke
Astrid

Anonym:
Compi-Flirt
Jeder Morgen hier

Enno E. Peter
Nachtspiel

Christopher Ray
Erotik so gesehen

Regina Reichel
Kluge Körper

Igor Warneck
Perle

Raymond Zoller
Biana und die Räuber
Die Lüste des Leo

CvHViolett1
"CvHViolett1", Claudia von Hausen

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"Erotik so gesehen"
von
Christopher Ray

 

Hi Du - schreib´ mal ´nen erotischen Text, stand in dem Mail einer lieben Freundin. Bumms, (nee, das ist nicht der Text!)stand ich vor der Frage, was ist eigentlich erotisch? Ist das ´ne feste Größe?

Also mit 11 fand ich es wahnsinnig erotisch, wenn wir in der Sportstunde Fräulein Liesegang als Vertretung hatten. Wissen Sie, die trug damals schon beim Sport keinen BH...
...und wenn es etwas heißer wurde, öffnete sie den Reissverschluß an ihre Jacke so etwa 15 Zentimeter. Ich gehörte zu den Glücklichen, die mit 11 gerade Einsdreizig groß waren. Wenn sie sich dann bei den Übungen zu mir herunterbeugte... Klein sein ist erotisch! Einwandfrei!

Mit 15 war ich dann Einsachtzig - zu groß für diese erotischen Schmankerl. Gottseidank gab es reichlich kleinere Mädels mit größeren Oberweiten. Es änderte sich die Perspektive, aber die Inhalte wurden sicht- und
greifbarer. Also ist groß sein auch erotisch.

Erotik ist für mich einfach nicht zu fixieren. In meiner Karriere als viermaliger Ehemann ist mir nie bewußt gewesen, wie erotisch ein Jägerschnitzel mit Pfifferlingen in Rahmsoße sein kann. Jetzt, als Single, der sich überwiegend von 5-Minuten-Gerichten ernährt, üben
Speisenkarten auf mich zeitweilig einen erheblich größeren Reiz aus, als der Playboy. Erst letzte Woche mußte der Wirt eines tollen Speiselokals mich fast mit Gewalt seiner rassigen neuen italienischen Bedienung vorstellen, als am Nachbartisch ein Filetsteak mit echten
Bratkartoffeln serviert wurde. Und der Gedanke an BSE kam mir auch erst am Morgen danach, deutlich nach dem Gedanken an AIDS. Erst als Violetta mir versicherte, sie käme aus gutem Hause und das Steak aus Argentinien, konnte ich mich so richtig an dem Fleisch erfreuen.
Allerdings im Rausch der Sinne, von erotischen Ausstrahlungen geblendet, hätte ich bedenkenlos eine zweite Portion verdrückt.

Tja, Erotik ist wohl eine sehr persönliche Angelegenheit. Wie sonst könnte es bei gleichem Anlass zu so
unterschiedlichen Reaktionen kommen?
Beispiel? Ganz einfach! Ich schlafe seit ewigen Zeiten nackt. Erotisch? Eindeutig nein, wenn ich an die Kommentare meiner letzten Ex denke:
"Zieh Dir was an, wenn du in´s Bad gehst, damit du dich nicht erkältest!"
Eindeutig ja, wenn ich an die Reaktion ihrer besten Freundin denke, als meine Ex im Urlaub war: "He, nimm mich bitte mit unter die Dusche..."

Und momentan? Wenn meine Geliebte mich anruft:
"Deine Stimme ist so, wie andere Männer gerne küssen können würden, deine Gedichte bringen mich näher an einen Orgasmus, als der Körper eines anderen Mannes..."

Dann weiss ich, Erotik ist etwas was in dir passiert. Eine Sache, die ohne Kontrolle stattfindet. Und das eigentliche Objekt deiner Begierde ist das Gefühl, das in dir entsteht. Liebe ist Erfüllung, Erotik ist die Lust an deiner Lust. Ich sollte jetzt Donna wecken...

 

 
 
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