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"Ich hatte die Figur vor Augen und den Ton im Ohr"Das Berliner Zimmer im Gespräch mit der Berliner Autorin Yadé Kara
Yadé Kara wurde 1965 in Cayirli, Türkei, geboren, studierte Anglistik und Germanistik. Sie arbeitete als Schauspielerin, Lehrerin, Managerin und Journalistin in Berlin, London, Istanbul und Hongkong. Zur Zeit lebt sie in Berlin, wo sie auch aufwuchs. „Selam Berlin“ erzählt die Geschichte des neunzehnjährigen Hassan, der mit seiner Familie jahrelang zwischen Bosporus und Spree hin- und hergependelt ist und der am Tag des Mauer falls beschließt, Istanbul zu verlassen und ganz nach Berlin zurückzukehren. Hassan jagt in diesem rasanten Debüt-Roman in aberwitzigem Tempo durch die neue Hauptstadt. Der Roman handelt vom Erwachsenwerden, von den verblüffenden Auswirkungen des Mauerfalls auf eine türkische Familie, von Freundschaft, von der Suche nach der großen Liebe, von Verrat und Identität. Yadé Kara stellte im Jour Fixe des Berliner Zukunftssalons ihr Buch vor. Enno E. Peter sprach mit der Autorin über ihr Erleben der Wendezeit, die unglaubliche Entstehungsgeschichte ihres Debütromans und die Pläne für die Zukunft. Berliner Zimmer:
Gab es ein literarisches Vorbild für Ihr Buch? Ist es in irgendeiner Form
biografisch? Yadé Kara: Es
gab kein literarisches Vorbild. Die Handlung ist erfunden, es gibt wenig
biografische Bezüge zu meinem Leben. Yadé Kara: Ich
bin eigentlich mit dem festen Glauben in Berlin aufgewachsen, dass die Mauer
immer stehen wird. Am Donnerstag, den 9. November 1989 kam die Nachricht im
Fernsehen in der Berliner Abendschau. Dort waren auch erste Bilder von der
Bornholmer Strasse zu sehen. Ich dachte zuerst, das wäre ein "Mauervorfall".
Am nächsten Morgen strahlte ein blauer Himmel über Berlin und ich ging durch
die Straßen und merkte, dass auch die muffigste Berliner Fratze lächelte, da
wusste ich: es hat sich etwas Fundamentales in der Stadt verändert. Berliner Zimmer:
Den Presseinformationen Ihres Verlages haben wir entnommen, dass Sie bereits
eine Vielzahl von unterschiedlichen Tätigkeiten ausgeübt haben, bevor Sie
mit dem literarischen Schreiben begonnen haben. Welche waren das? Yadé Kara: Nach
dem Studium habe ich Berlin verlassen. Ich arbeitete als Managerin einer
Textilfirma in Istanbul und später als Journalistin für ABC. In London
arbeitete ich in einer Werbeagentur und unterrichtete dort auch eine
zeitlang Deutsch. Zur Zeit arbeite ich für einen Radiosender und schreibe
natürlich weiter. Yadé Kara: Ich
saß im Peak Café in Hong Kong. Der einzige Ort in der Stadt, wo man einen
guten Cappuccino bekommen kann. Dort habe ich das erste Kapitel geschrieben,
einen weiteren Cappuccino getrunken, das Geschriebene gelesen und es hat mir
gefallen. Ich habe einfach weiter geschrieben. Eine Agentin half mir, das
Buch zu vermarkten. Sie schickte das Manuskript mit dem Arbeitstitel „Selam
Berlin“ an einige Verlage und Diogenes meldete sich als erster. Der
Arbeitstitel ist dann auf Wunsch des Verlages geblieben. Yadé Kara:
Nein. Yadé Kara: Ich
sammele hier und da Stimmungen, Atmosphären, Sätze und beobachte. Yadé Kara:
„Selam Berlin“ ist ein Berlin Roman, der aus der Perspektive von Hasan Kazan
erzählt. Hasans Perspektive ist die eines Westberliners mit türkischem
Hintergrund. Ich freue mich über den Erfolg des Buches, aber lasse mich
nicht drücken. Ich schreibe weiter. Mal sehen, was daraus wird. Das
Berlinthema ist für mich jedoch zunächst einmal abgeschlossen. Berliner Zimmer:
Wird es eine türkische Übersetzung geben? Yadé Kara:
Deutschland ist in der Türkei nicht so präsent wie die USA. Berliner Zimmer:
Warum haben Sie eigentlich mit Hasan einen männlichen Helden für Ihren
Entwicklungsroman gewählt? Yadé Kara: Ich
hatte die Figur vor Augen, den Ton im Ohr und das ganze musste aufs Blatt. Yadé Kara:
Inshalla... Yadé Kara: Es
gibt so viele wunderbare Schriftsteller, die lesenswert und interessant
sind. Alle hier aufzuzählen würde den Rahmen dieses kurzen Interviews
sprengen. Aber um nur einige zu nenne: Cengiz Aitmatov, Y. Kemal, Alice
Walker, M. Duras, Süsskind und andere. Das Interview führte Enno E. Peter im November 2003. Die Veröffentlichung und Vervielfältigung, auch auf elektronischem Wege ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Berliner Zimmers gestattet. |
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