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Daniel Kehlmann: Unter der Sonne

Diese Sonne strahlt hell

In Zeiten, da häufig das Geburtsdatum allein entscheidend dafür zu sein scheint, ob deutsche Autoren für ihre Arbeiten einen Verlag finden, vermag ein Autor, der mit 26 Jahren schon sein drittes Buch im Suhrkamp-Verlag vorlegt, eigentlich nicht mehr sonderlich zu erstaunen. Und doch versetzt Daniel Kehlmann mich auch mit seinem jetzt vorgelegten Erzählungsband Unter der Sonne wieder in Erstaunen. Es ist ein Erstaunen angesichts des enormen Talentes dieses jungen Mannes. Gerade in diesen kurzen Erzählungen offenbart sich, dass Kehlmann etwas in solchem Überfluss besitzt, was anderen Autoren seiner Generation so vollständig abgeht: die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen.

Es sind kleine Dramen, die Kehlmann hier, auf wenigen Seiten nur, entwickelt. Miniaturen nur, doch in sich tragen sie genügend Potenzial für umfangreiche Romane. Und dabei sind sie so rund, so komplett, so absolut fein geschliffen, dass kein Wort überflüssig erscheint, dass aber gleichzeitig auch keines zu wenig ist.

Kehlmanns Sprache ist so klar, so unprätentiös, dass seine Geschichten auf den ersten Blick beinahe simpel erscheinen. Eine wahre Wohltat in dieser Welt der permanenten Reizüberflutung, in der Autoren oftmals ihre einzige Chance, wahrgenommen zu werden, darin sehen, noch jahrmarktschreierischer, selbstverliebter und lauter daher zu kommen, als ihre Konkurrenz. Doch wo bei anderen hinter der poppigen Fassade eine große Leere gähnt, schlummern bei Kehlmann menschliche Tragödien und Abgründe unter der artifiziellen Oberfläche. Seine Protagonisten sind zumeist Menschen, die Gefangene ihres grauen Alltags sind. Durch ein plötzliches Ereignis werden sie – freiwillig oder unfreiwillig – aus ihrem bisherigen Leben gerissen. Aber häufig vermag auch dieses Besondere nicht, ihr Leben umzukrempeln. Die Realität schlägt unbarmherzig zu – nur anders als vorher. Mein besonderer „Anspieltipp“: die Titelerzählung Unter der Sonne.

Schon Kehlmanns Debütroman Beerholms Vorstellung habe ich bewundert, seine Erzählungen zeigen, dass sie viel mehr sind, als „Pausenfüller“ bis zum nächsten großen Roman. Wenn jemand nach den angeblich so raren deutschsprachigen Erzählern der Gegenwart sucht: Hier ist ein ganz großer!

Bei Amazon bestellen:
Daniel Kehlmann: Unter der Sonne,
Suhrkamp,115 Seiten, DM 14,90 DM

Petra Vesper

www.txt.de/macondo

Matthias Schamp: Hirntreiben.EEG

Brainriders in the Sky

In Macondo Edition Eins haben wir die Geschichte „Das letzte der großen Gefühle“ von Matthias Schamp veröffentlicht, eine Geschichte, die Schamp beinahe den Förderpreis des Literaturpreises Ruhrgebiet einbrachte. Zu dumm, dass er mit einem mehrfach veröffentlichten Text von der Teilnahme ausgeschlossen und kurz vor der Preisverleihung disqualifiziert wurde. Wie auch immer: der damalige Text überzeugte durch seinen mitreißenden Wortfluss, der sich exzessiv beschleunigt und dem Leser letztlich Zungenbrecher-Wortkaskaden förmlich um die Ohren haut.

Schamps nun erschienener Roman fährt hiergegen mit gedrosseltem Tempo, doch die Handlung scheint nicht minder absurd. Wir begleiten acht sonderbare Cowboys auf einer einsamen Mission. Die Cowboys sind Computerprogramme und sie treiben eine Horde Hirne gen Osten. Das klingt vielleicht zunächst bescheuert, doch Schamp schafft es, auch die paradoxesten (dieser Roman beweist, dass eine Steigerung dieses Wortes möglich ist) Erzählstränge mit einer inneren Logik zu versehen. Wenn man sich hierauf einlässt, wird der lange Treck der Hirne zu einem grandiosen Lesespaß rund um Schwielen-Icons, Leuchtdioden- Lagerfeuer, Angeln am Informationsfluss und der großen Frage, ob der binäre Code ein Beweis für die Zweigeschlechtlichkeit von Programmen ist. In dieser Welt ist das Lästern gegen die Programmierung verboten und die Schnittstelle das größte Mysterium - führt eine Schnittstelle in eines der sagenumwobenen Ausgabemedien, in ein Peripheriegerät, das den Eintritt in die Realität ermöglicht?

Matthias Schamp gehen auf über 200 Seiten die abstrusen Ideen nicht aus und auch, wer nicht PC-besessen ist, wird seine Freude an diesem vielleicht originellsten deutschsprachigen Roman der letzten Zeit haben.

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Matthias Schamp: Hirntreiben.EEG, Edition Selene, 
212 Seiten, 39 DM

Frank Schorneck

www.txt.de/macondo


Zerstören Sie dieses Buch!

 Wussten Sie schon, dass Lesen impotent macht? Dass Lesen die illegale Kinderarbeit in Brasilien fördert? Dass es tagtäglich 5000 Pinguinen das Leben kostet? Und vor allem: dass Lesen ihre Gesundheit gefährdet, einsam und krank macht und im schlimmsten Fall bis zum Tode führen kann?

Der Protagonist dieses Buches entging nur knapp diesem Schicksal aller Viel-Leser. Im Koma erst empfängt er den göttlichen Auftrag, den Kampf gegen das Buch aufzunehmen und die Menschheit von ihrer schlimmsten Geißel – das Lesen – zu befreien.

Seinen Feldzug gegen das Lesen schildert Gion Mathias Cavelty als ein absurdes Abenteuer, gespickt mit den Klischees des Science-Fiction-, Fantasy- und Abenteuerromans: da wird Gutenberg erstochen; da werden mit einem Schlag 70 Prozent aller Bestseller-Autoren niedergemetzelt und ein bekannter Kritiker ausgebombt. Doch der lang geplante finale Schlag, ein Attentat auf die Frankfurter Buchmesse, scheitert im letzten Augenblick. Der bekennende Nicht-Leser setzt von nun an eher auf therapeutische Methoden, um die Welt vom Lesen zu heilen – eine davon ist dieses Buch: „Bis heute haben bereits 500.000 Leute dank meines Buches mit dem Lesen Schluss gemacht. Und auch Sie können es schaffen.“

Cavelty, der bereits mit seiner schrägen Trilogie Quifezit!, ad absurdum und tabula rasa bewiesen hat, dass es ihm an einer überbordenden Fantasie beileibe nicht mangelt, liefert mit Endlich Nichtleser erneut einen Beweis seiner Meisterschaft ab.

Und vor allem zeigt er mit seinem neuesten Streich wieder eines: dass die größten Abenteuer in der Welt der Literatur selbst passieren. So ist es nur folgerichtig, dass er auch diesmal dem ausufernden Literaturbetrieb, bei dem die „Kultautoren“ immer jünger und die vermeintlichen „Meisterwerke“ immer zahlreicher werden, den Spiegel vorhält. Seine Seitenhiebe sind mal dezent-ironisch, mal deftig-unverblümt und manchmal auch ein wenig plump, treffen aber immer ins Schwarze. Und auch deshalb macht Endlich Nichtleser so viel Spaß, dass ich einen Ratschlag garantiert nicht befolgen werde: zur Axt zu greifen und kräftig auf das Buch draufzuschlagen...

P.S.: Noch viel abgedrehter als das Buch (wirklich!) ist die Homepage: www.nichtleser.com.

Bei Amazon bestellen:
Gion Mathias Cavelty: Endlich Nichtleser,
Suhrkamp, 110 Seiten, DM 14,90

Petra Vesper

www.txt.de/macondo


Frank Goosen: liegen lernen

Solo-Album

Helge Schneider, Rüdiger Hoffmann, Werner Schneyder, Harald Schmidt und andere - Kabarettisten schreiben Bücher und finden hierfür schnell Verlage und Publikum. In Zeiten Stuckrad-Barrescher Prosaproduktion mit geringer Halbwertzeit reicht ein von Bühne, Funk und Fernsehen her bekannter Name als Garant für zumindest einen guten Start auf dem Buchmarkt.

Für Frank Goosen, die gemütlicheren zwei Drittel des ehemaligen Duos „Tresenlesen“, war es mit Sicherheit nicht schwierig, den mit Roof-Records (dem Plattenlabel der Tresenleser) kooperierenden Eichborn Verlag für die Herausgabe seines Erstlingsromans „liegen lernen“ zu gewinnen. Die zahlreichen Fans von „Tresenlesen“ konnten als sichere Käufer in die Kalkulation aufgenommen werden.

Doch Goosen hat den Kabarett-Kollegen einiges voraus: Tresenlesen entstand aus der Liebe eines Literaturstudenten und eines Buchhändlers zum Buch. In einer Schreibwerkstatt unter der Regie von Gerhard Mensching war Frank Goosen zu Studienzeiten ebenfalls zu finden. Und so wundert es nicht, dass Goosens erster (veröffentlichter) Roman sich erfreulich abhebt von oberflächlicher Gag- und Spaß-Schreibe.

In drei Teilen erzählt „liegen lernen“ vom Erwachsenwerden, von der Angst, Entscheidungen zu treffen, von der großen Liebe und der Zerstörung von Illusionen.

Der Ich-Erzähler Helmut wächst in einer durchschnittlichen Ruhrgebietsfamilie auf und durchlebt die Pubertät eben hier in den Anfängen der achtziger Jahre. Dieser erste Teil des Romans weist noch große Nähe zu Goosens Kabarett-Texten auf: Die Schilderungen öder Familienfeste und die Angst vorm anderen Geschlecht sind in ähnlichem Duktus auch schon von Bühnenfiguren Goosens formuliert worden. Und nicht zuletzt taucht mit der Schülersprecherin Britta eine aus „Always kill your Darlings“ bekannte Figur wieder auf. Britta wird zum zentralen Thema des Romans. Das selbstsichere, engagierte und bestimmend auftretende Mädchen führt Helmut, der unfähig ist, selbst Entscheidungen zu treffen, an der Hand über die ersten Hürden des Erwachsenwerdens. Auch, wenn Helmut Britta zwischenzeitig aus den Augen verliert, wird ihn diese erste Liebe nicht loslassen, bis er schließlich mit Anfang dreißig vor der Entscheidung steht, Verantwortung für eine Familie zu übernehmen.

Frank Goosen schlägt in seinem Roman elegant den Bogen von sonnenalleedurchflutetem Humor zu tiefer Tragik. Mit musikalischen Querverweisen, die ihm den Vergleich zu Nick Hornby eingebracht haben, aber auch mit vielen weniger aufdringlichen Details zeichnet er ein Porträt der heute Anfangdreißigjährigen, ohne sich die Oberflächlichkeit der „Generation Golf“ zu eigen zu machen. Goosen, der durchaus meisterhaft Pointen zu setzen weiß, zügelt seinen Witz im Dienst der Geschichte. So gewinnen seine Figuren an Tiefe, läßt der Roman den Zeitgeist hinter sich.

Das Motiv der Liebe, die einen Menschen ein Leben lang nicht mehr loslässt, mag so alt sein wie die Literatur selbst. Ich möchte nicht bis zu Dickens‘ „Great Expectaions“ zurückgehen, aber zu den besten solcher Geschichten, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, gehören Frank Ronans „Der Mann, der Evelyn Cotton liebte“ und Kevin Cantys „Into the great wide open“. Nun zählt auch Frank Goosens „liegen lernen“ dazu.

Bei Amazon bestellen:
Frank Goosen: liegen lernen 
Eichborn, 298 Seiten, DM 39,80
   

Frank Schorneck, 

www.txt.de/macondo


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Clemens Füsers: Danke gestorben

Der Liebe kalte Schulter

„Liebe, die nicht mit Tod endet, ist nichts wert.“ - Doch was ist mit einer Liebe, die erst mit dem Tod beginnt?

In der Nacht fällt ein Schuss. Eine Frau ist tot und ein Mann mit Revolver in der Hand weiß nicht, wie dies geschehen konnte. Ausgehend von dieser Schlüsselszene entwickelt Clemens Füsers seinen Roman in unterschiedliche Richtungen. Aus der Perspektive der Frau erfahren wir die Vorgeschichte des tödlichen Aufeinandertreffens, während wir den Mann bei der Beseitigung der Leiche begleiten.

Die Frau heißt Cornelia. Sie ist eine Alkoholikerin jenseits jeglicher Selbstachtung. Als sie nach einem Vollrausch auf einer Parkbank aufwacht, findet sie eine Zeichnung, auf der zweifellos sie, auf der Parkbank schlafend, zu sehen ist. Für Cornelia kann das nur das Zeichen einer heimlichen Liebe sein. Der heimliche Verehrer wird zu einer fixen Idee, zu einem Traumgeliebten, der vielleicht ihre letzte Chance ist, aus dem Elend des Suffs zu entkommen. Cornelia ist von dem Gedanken besessen, den unbekannten Zeichner zu finden.

Dieser heißt Bertram und weiß als Gerichtszeichner um die Arbeit der Polizei und die Fehler der Verbrecher. Penibel plant er die „Operation Lazarus“, die Beseitigung der Leiche. Sein schlechtes Gewissen quält ihn mit immer neuen Verfolgungsphantasien, die ihm das Wort „Mörder“ für jeden sichtbar auf die Stirn zu brennen scheinen. Seine Bemühungen, die Leiche zu beseitigen, schlagen auf absurde Weise fehl, selbst der Versuch, die Tat zu beichten, scheitert.

So verbleibt die sich verfärbende und riechende Cornelia in der Wohnung des Junggesellen. Bertram beginnt, eine merkwürdige Zuneigung zu dieser Frau zu verspüren, die er lebend kaum kennen gelernt hatte.

Füsers führt den Leser in einem unbekümmert wirkenden Mix aus Slapstick, Zote und schwarzem Humor unbemerkt über die Grenze zwischen Norm und Ab-Norm. Bertram legt sich Cornelias Leiche im Bett zurecht und wird sich des Schlachthausgeruches erst bewusst, als „dunkelrote, schlierige Wellen aus Cornelias Grotte fließen, die gleichzeitig sein nasses Geschlecht herausdrücken, das nun erschöpft vor sich hintropft wie ein rostiger Wasserhahn in einem abbruchreifen Haus.“

„Danke, gestorben“ ist eine tiefschwarze Groteske; eine Art Hardcore-Version von „Arsen und Spitzenhäubchen“, angereichert mit - gerne auch mal platten - Kalauern. Nur eins schmälert den Lesespaß: Füsers bedient sich „am laufenden Band“ zahlloser Anspielungen auf das Fernsehprogramm der letzten dreißig Jahre. Bonanza, Waltons, Orion und Enterprise werden exzessiv zitiert, was in Passagen gipfelt wie der folgenden: „...sie spielte in ihren Tagträumen mit den Kindern von Bullerbü, wackelte mit dem Kopf wie das Urmeli, nannte als Berufswunsch Scheinriese wie Herr Tur Tur, hatte ihre erste Gruppensexphantasie mit Bill Bo und seiner Bande...“ - Weniger wäre hier mehr gewesen.  

Clemens Füsers: Danke gestorben
Kowalke Verlag, 244 Seiten, 39.- DM

Frank Schorneck, 

www.txt.de/macondo

 

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