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Das Onlinepublizieren bietet spezialisierten
Zeitungen und Zeitschriften eine hervorragenden Alternative zum Druck und einen
kostengünstigen Vertrieb. Für Publikumszeitschriften können Onlineangebote ein
Instrument der Werbung darstellen und zur Kontaktaufnahme mit den Lesern und der
Bereitstellung zusätzlicher Serviceleistungen dienen. Auflagenschwache Medien,
insbesondere wissenschaftliche Fachzeitschriften, können ihre Leser preisgünstiger und
aktueller informieren.
Mit den am Markt angebotenen
Programmwerkzeugen ist die Erstellung einzelner Seiten möglich. Die Konvertierung und
Pflege großer Datenbestände kann von ihnen zur Zeit nicht geleistet werden. Ein weiteres
technisches Problem stellt das Auftauchen der HTML-Erweiterungen dar, die verhindern, daß
alle Dokumente im WWW auch mit allen Browsers angezeigt werden können. Diese Entwicklung
stellt Berners-Lees Konzept der Universal Readership in Frage und gefährdet die
Systemunabhängigkeit des World Wide Web.
Neben den technischen Problemen wie der
Datensicherheit existieren eine Vielzahl ungelöster Aufgaben im juristischen Bereich.
Insbesondere ist hier die Diskussion zu nennen, ob Onlineveröffentlichungen dem Presse-
oder dem Rundfunkrecht unterliegen. Die Lösung dieser Aufgaben ist eine wichtige
Voraussetzung für die Marktentwicklung des Onlinepublizierens einerseits und Etablierung
des WWW als wissenschaftliches Kommunikationsmedium andererseits.
Das Publizieren im WWW wird die
Verlagslandschaft langfristig verändern. Neue Tätigkeitsbereiche werden geschaffen und
alte werden verschwinden. Verlage müssen die Entwicklung beobachten und mit gestalten,
wenn sie die entstehenden Märkte nicht anderen Anbietern wie Softwarehäusern,
Grafikagenturen und Providern überlassen wollen. Der Vorteil, den die Verlage mitbringen,
ist ihre in Jahrzehnte langer Arbeit erarbeitete Kompetenz des Veröffentlichens von
Informationen. Der Nutzen der Onlinekommunikation wird durch Inhalte bestimmt. Inhalte
müssen bewertet, aufbereitet und der Leserschaft nahe gebracht werden.
Bereits in naher Zukunft ist es möglich,
daß das Konzept der wartungsfreien Datenbankverlage68 realisiert wird. Ein Verlag betreibt über das
Netz erreichbare Datenbanken. Autoren schicken dem Verlag ihre Manuskripte. Die Lektoren
des Verlages sichern die formale und inhaltliche Qualität der Dokumente, die von den
Lesern aus der Datenbank entnommen werden können.
Der Leser stellt sich Texte zusammen, die er
selbst ausdrucken oder auf seinen Computer übertragen kann. Buchhandlungen könnten
Publishing on Demand anbieten, einem Service bei dem z.B. umfangreichere Dokumente
gedruckt werden und zwar vor Ort beim Buchhändler. Auf diese Weise sind nicht nur
individualisierte Bücher, sondern auch individualisierte elektronische Zeitungen
(Individualized Electronic Newspaper) denkbar69.
Die von vielen befürchtete Entwicklung, daß
Onlinemedien das gedruckte Wort verdrängen, ist sehr unwahrscheinlich. Das Medium Papier
bleibt mit seinen herausragenden Eigenschaften unverzichtbar. Der Autor und Semiotiker
Umberto Eco bemerkt dazu: Es ist in der Geschichte der Kultur noch niemals
vorgekommen, daß etwas Neues das Alte einfach vernichtet hat. Das eine hat das andere nur
tiefgreifend verändert. 70 |