|
Abbildung 1 Titelblatt des Magazins
Konzepte
Die Literaturzeitschrift Konzepte, Magazin
für eine junge Literatur, wird vom Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V.
(BVJA) seit zehn Jahren herausgegeben (s. Abbildung). Das Magazin erscheint ein- bis
zweimal jährlich mit einer Auflage von circa 2000 Exemplaren und einem ungewöhnlich
großem Umfang von 150 bis 200 Seiten. Auch das Format DIN A5 läßt bei dem Betrachter
eher den Eindruck entstehen, er halte ein Taschenbuch in der Hand. Das Magazin bietet
neben einem Schwerpunktthema65,
das etwas die Hälfte des Umfanges ausmacht, neue Literaturbeiträge aus allen
literarischen Gattungen von jungen, zumeist unbekannten Autoren sowie Rezensionen.
Das Magazin finanziert sich über Abonnenten,
den Verkauf in Buchhandlungen und literarischen Institutionen, Werbung innerhalb des
Heftes und zu einem großen Teil durch Zuschüsse des BVJA.
· Planung der
Umsetzung
Die Onlineausgabe von Konzepte stellt
eine alternative Vertriebsmöglichkeit dar und soll das gedruckte Medium nicht ersetzen.
Sie soll einen Anreiz darstellen, sich mit einer Zeitschrift auseinanderzusetzen, die der
Leser vorher vielleicht noch nicht wahrgenommen hat. Dem Nutzer der Onlineversion wird die
gesamte Ausgabe elektronisch angeboten, die der gedruckten Ausgabe folgt. Der Leser kann
über das Inhaltsverzeichnis einzelne Beiträge erreichen. Jeder Text bildet ein
HTML-Dokument, das zu Beginn und am Ende eine Navigationsleiste beinhaltet über die der
vorherige und folgend Text sowie das Inhaltsverzeichnis erreichbar sind. Die Artikel
werden nicht segmentiert (d.h. auf mehrere HTML-Seiten verteilt), damit der Leser sie
leichter ausdrucken kann. Beiträge, die aufeinander Bezug nehmen, sollen über Verweise
(Hypertext-Links) miteinander verbunden werden. Die Autorenbiographien, die am Ende des
Magazin abgedruckt sind, sind ebenso bei jedem Text direkt aufzurufen.
Zu Beginn des Projektes war nicht bekannt,
wie viele Internetbenutzer sich auch mit Literatur auseinandersetzen. Da für die
Herausgeber keine Kosten entstanden, willigten sie zu diesem Experiment ein. Mittlerweile
existiert eine Vielzahl von deutschsprachigen Literaturzeitschriften im WWW mit einer
kleinen, aber aktiven Leserschaft.
· Realisierung
Zwei Ausgaben der Zeitschrift Konzepte
wurden für das WWW konvertiert. Die gedruckte Ausgabe Nr. 16 wurde mit Ventura Publisher
erstellt, die Ausgabe 17 mit LaTeX. Damit wird ein Problem kleinerer Magazine deutlich:
Eine Einheitlichkeit der Datenaufbereitung ist nicht gegeben. Die Aufbereitung für den
Druck wird meist von EDV-kundigen Personen betrieben, da diese Arbeit jedoch freiwillig
geleistet wird und unbeliebt ist wechseln die Setzer und damit die Methoden
der Herstellung häufig. Daraus entsteht das Problem, für eine einmalig auftretende
Konvertierung eine geeignete Lösung zu finden, die wenig manuelle Bearbeitung und eine
geringen Programmieraufwand bedarf.
Um diesem Problem vorzubeugen, ist eine
Festschreibung des Layouts (Styleguide) und der Arbeitsweisen zu seiner Erstellung
notwendig (siehe Anhang Richtlinie für Redaktionen zur Erstellung einer
Onlinepublikation). Bei der vorliegenden Zeitschrift existieren auch keine
Autorenrichtlinien, wie sie in Verlagen üblich sind. Die eingesandten Manuskripte liegen
in den Formaten Word, ASCII und TeX vor; einige werden sogar nur handschriftlich
eingereicht. Eine Vereinheitlichung des Format der eingehenden Manuskripte könnte die
Erstellung sowohl der gedruckten als auch der elektronischen Ausgabe vereinfachen (siehe
Anhang Richtlinie für Autoren zur Erstellung von elektronischen Manuskripten für
eine Onlineveröffentlichung).
Das Vorgehen bei der Umsetzung des Magazins
umfaßt vier Phasen:
1. Vereinheitlichen der Datenformate
2. Konvertieren der Daten nach HTML
3. Manuelle Nachbearbeitung und
Hypertextualisierung (Erstellung der Verweise)
4. Prüfung und Korrektur
Konzepte Nr. 16 lag bereits gedruckt
vor, als ich das Angebot der Konvertierung an die Redaktion richtete. Die Druckvorlagen
wurden mit einer älteren Version von Ventura Publisher erstellt, die unter PC-GEM läuft,
einer graphischen Oberfläche mit Fenstern, die sich gegenüber MS-Windows nicht
durchgesetzt hat. Ventura ist ein DTP-System, bei dem eine Seite mit Rahmen versehen wird,
die entweder Text oder Grafiken enthalten können. Der Textfluß wird manuell hergestellt
und spiegelt sich nicht unbedingt in den Dateien wieder, was eine automatische
Konvertierung unmöglich macht.
Texte und Auszeichnungen (Schriftfamilie und
Größe, Fettdruck und dgl.) werden von Ventura in unterschiedlichen Dateien abgelegt. Die
Textdateien entsprechen weitgehend PC-ASCII, sie enthalten darüber hinaus
Kommandos für Ventura zum Einfügen von Texten und Grafiken aus anderen
Dateien, für die Absatzformate und verwendete Sonderzeichen wie z.B. Aufzählungspunkte.
Da keine Werkzeuge zur Konvertierung von
Ventura nach HTML existieren und Ventura keine Exportmöglichkeiten für andere
Dateiformate anbietet, die eine Konvertierung erlauben, mußte ein Umweg begangen werden.
Ein Programm namens fixvp66
wurde verwendet, um die Ventura-Kommandos zu eliminieren. Die so entstandenen Textdateien
wurden manuell mit den Formatvorlagen für Überschriften, Aufzählen und Fußnoten sowie
den Textattributen versehen und nach RTF konvertiert. Die einzelnen Dateien wurden in
einer Datei zusammengefaßt und mittels rtftohtml nach HTML konvertiert (s. Abschnitt 5.1
Konverter).
Abbildung 3 Entsprechende Seite der
WWW-Umsetzung
Die Ausgabe Nr. 17 lag in Latex und einer daraus generierten
Postscriptdatei vor. Eine Konvertierung der Latex-Datei wurde mit latex2html67 versucht, was jedoch kein
brauchbares Ergebnis hervorbrachte. Daraufhin schrieb ich ein einfaches Programm, das
LaTeX-Befehle in HTML umsetzt, wobei Anweisungen, die nicht dargestellt werden können
(Kerning, Microspacing, Ligaturen u.a.), ignoriert werden (s. Tabelle 2).
Bedeutung |
LaTeX |
HTML |
Überschrift in großem Schriftgrad |
\large |
<h1> |
Auszeichnung kursiv |
{\em Text} |
<i> Text </i> |
Prozentzeichen |
\% |
% |
Anführungszeichen oben |
"` |
|
Anführungszeichen unten |
|
|
Tabelle 1 Beispiele für die
Konvertierung von Latex nach HTML
Bei beiden Ausgaben war die Zeit, die
benötigt wurde, um das Ausgangsformat zu konvertieren, der aufwendigste Teil der
Umsetzung. Sollte das Projekt fortgesetzt werden, ist im Vorfeld eine Abstimmung über das
Datenformat, in dem die gedruckte Ausgabe erstellt wird, notwendig. In der Redaktion wurde
ferner diskutiert, ob man Autoren der Belletristik vorschreiben könnte, wie sie ihre
Manuskripte einreichen. Die Abneigung gegenüber dem Computer als Schreibwerkzeug erschien
der Redaktion weit verbreitet und das Aufstellen von Autorenrichtlinien unüblich.
Bei der Aufzeichnung der Daten für die
Konvertierung der ersten Ausgabe unterlief mir ein Fehler, der Autorennamen falschen
Texten zuordnete, was mir leider nicht auffiel. In der Folge entstand eine Diskussion
darum, welcher Teilnehmer der Redaktion die Onlineausgabe Korrektur liest. Für diese
Arbeit konnte sich bisher niemand bereit erklären, was den Fortbestand des Projektes
gefährdet.
Zu Beginn des Projektes war mir nicht klar,
daß die Redaktion auch an der Umsetzung des Onlineangebots mitarbeiten muß. Die
Veröffentlichung im World Wide Web ist eine Veröffentlichung wie jede andere auch. Somit
müssen Prüfungsaufgaben wie Lektorat und Korrekturlesen wahrgenommen werden. |