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Im folgenden werden die Produktionsschritte
sowohl zur Herstellung von Printmedien als auch für Onlineangebote dargestellt. Abgesehen
von dem technischen und personellen Aufwand für die Organisation eines Onlineangebotes
ist der finanzielle Aspekt für diesen Schritt zu bedenken. Anschließend werden die
Auswirkungen der Onlinemedien auf das Verlagswesen und beteiligte Berufsfelder
dargestellt. Die Probleme und Erfahrungen bei der Umsetzung einer Literaturzeitschrift
für das WWW werden abschließend geschildert.
Autoren senden ihre Manuskripte an die
Redaktion einer Fachzeitschrift. Die Beiträge werden ausgewählt und in Absprache mit den
Autoren bearbeitet. Steht die Reihenfolge der Beiträge und der gesamte Umfang einer
Ausgabe fest, werden die einzelnen Seiten mittels eines DTP-Programmes (Quark X-Press
o.a.) gestaltet. Korrekturfahnen, die von dem DTP-System erstellt wurden, gehen zurück an
die Autoren und die Redaktion. Nach Bearbeitung der Fahnen werden Postscriptdateien
generiert, mit denen auf Belichtungsmaschinen (Linotype o.a.) Druckvorlagen für den
Offsetdruck erstellt werden. Die gedruckten Bögen (meistens 4 Seiten) werden automatisch
gefaltet, geschnitten und mit einer gummierten Leimbindung versehen.
Bildmaterial, das nicht digitalisiert
vorliegt wie z.B. Photos, muß eingescannt und im DTP-System in den Text integriert werden
(Montage). Da bei einem hochwertigen Druck sehr leistungsfähige Systeme zur Bearbeitung
des Bildmaterials benötigt werden, wird diese Arbeit häufig an die Druckerei vergeben.
Dort werden die Bildvorlagen gerastert und die Freiräume der Druckvorlagen eingefügt.
Der Produktionsvorgang bei der Herstellung
von Fachbüchern verläuft im wesentlichen analog zur Herstellung einer Fachzeitschrift.
Fachbücher besitzen meistens nur eine geringe Auflage von wenigen Tausend. Da die
Herstellung von Büchern wesentlich teurer ist, versuchen die Verlage die Kosten dadurch
zu minimieren, indem der Autor auch das gesamte Layout seines Buches übernimmt. Auch hier
wird dem Verlag eine Postscriptdatei zur Belichtung der Druckvorlagen übergeben. Bei
kleinen Auflagen von 1000 Exemplaren oder weniger wird ein anderer Schritt begangen: Der
Autor liefert sein Manuskript als Ausdruck eines Laserdruckes (600 dpi). Diese Vorlagen
werden verkleinert xerographisch gedruckt32.
Der Onlineauftritt im WWW einer Firma erfolgt
in vier Stufen. Zunächst wird das Angebot auf einem Server aufgebaut. Diese Arbeit
zerfällt in eine Planungs- und Realisierungsphase. Im laufenden Betrieb müssen Dokumente
für die Veröffentlichung im WWW aufbereitet werden. Nachdem das Angebot eingerichtet
ist, erfolgt die Bekanntmachung und Vermarktung33.
1. Planung des Angebots und der
Vermarktung
Als erstes sollte geprüft werden, wie die
Akzeptanz der Leser gegenüber dem Medium Internet ist. Hat man die Zahl der Leser
abgeschätzt, die das Onlineangebot regelmäßig nutzen, kann daraus das Datenaufkommen
veranschlagt werden. Daraufhin muß die Frage geklärt werden, ob ein eigener WWW-Server
aufgebaut werden soll, ob man Rechen- und Speicherkapazitäten eines Providers mieten will
oder einen Dienstleister mit eigenem Server in Anspruch nimmt, der das Onlineangebot
einrichtet und pflegt.
Nachdem die Höhe der Investitionen und der
Arbeitsaufwand bestimmt wurden, kann überlegt werden wie sich die Publikation adäquat im
WWW darstellen läßt. Wenn der WWW-Server nicht nur Informationen für Kunden, sondern
auch für Mitarbeiter z.B. im Außendienst zur Verfügung stellen soll, müssen
Mechanismen zur Zugangsberechtigung implementiert werden.
2. Technische Realisierung
Neben der Wahl der Hardware stellt sich die
Frage nach der Software zum Betrieb des WWW-Servers. Software für einen WWW-Server, ein
sogenannter HTTP-Demon, ist sowohl für UNIX-Workstations als auch für Personal Computer
erhältlich, zum Teil sogar kostenlos wie z.B. der unter Windows 95 laufende Server Fnord34. Die Serverprogramme
unterscheiden sich in ihrer Leistungsfähigkeit und der jeweils unterstützten
HTML-Version.
Für die erste Umsetzung des Onlinemediums
wird eine baumartige Struktur entwickelt. Ausgehend von der Startseite als Wurzel müssen
die anderen Dokumente über Verweise erreichbar sein. Für die Navigation sollte eine
entsprechende graphisch repräsentierte Navigationsleiste erstellt werden, die sich auf
allen Seiten wiederholt. Die WWW-Seiten werden mit HTML-Editoren, Konvertern oder
Applikationen, die einen HTML-Export erlauben, generiert. Eine weitere Stufe des Ausbaus
kann Programme für Datenbanksuche und zur Verarbeitung von Formularen beinhalten.
Für die Einrichtung und Wartung eines
Servers ist spezialisiertes Personal nötig, das sich in einem Verlag nicht
selbstverständlich finden lassen wird. Deshalb ist der Serverbetrieb und die initiale
Umsetzung des Angebots durch Dienstleister und eine Schulung der Mitarbeiter angebracht.
3. Betrieb
Neben dem technischen Betrieb des Servers
muß ein Aktualisierungsprozeß für die WWW-Dokumente organisiert werden. Neue Dokumente
sollten automatisch in das HTML-Format konvertiert werden und die Verknüpfungen der
Seiten miteinander maschinell erstellt werden können. Für Rückfragen der Leser per
Email, die Vergabe von Zugriffsrechten und die Abrechnung von kommerziellen Angeboten
sollte je nach Aufwand mindestens ein Mitarbeiter verantwortlich sein.
4. Vermarktung
Auch Angebote im WWW müssen bekanntgemacht
werden. Der erste Schritt ist die Wahl einer sprechenden Domain, also einer
Adresse, die den Namen des Angebots beinhaltet wie z.B. www.taz.de, www.spiegel.de o.a.
Das Einrichten des Domainnamens ist kostenpflichtig und kann beim Provider oder direkt bei
der Internic35
beantragt werden.
Viele Zugriffe auf WWW-Dokumente erfolgen
über Listen, die Suchmaschinen generieren. Der Eintrag in den von der Suchmaschine
indizierten Raum ist kostenlos und kann per WWW oder Email geschehen. Darüber hinaus
existieren Kataloge, die die Angebote im WWW nach Themengebieten sortieren. Auch
außerhalb des Internet ist eine Werbung in Form von Pressearbeit und Anzeigen in
Printmedien sinnvoll.
Neben dem technischen und personellen
Aufwand, den die Einrichtung eines Onlineangebotes mit sich bringt, sind vor allen Dingen
die Kosten für diesen Schritt zu bedenken. Die folgenden Zahlen sind als Anhaltspunkte zu
verstehen, denn die Preise sowohl im Bereich der Hard- und Software als auch im Bereich
der Dienstleistungen verfallen fortwährend36.
Eine PC-basierte Autorenumgebung inklusive
Software kann mit ca. 3000.- DM veranschlagt werden. Diese ist Voraussetzung für das
Erstellung von HTML-Seiten. Ein Webserver mit Router und Firewall liegt mit entsprechender
Software im Bereich von 15.000 bis 20.000 DM. Hinzu kommen die Kosten für die technische
Beratung und Schulung. Für die Betreuung und Pflege des Angebots ist u.U. ein
Webmaster" einzustellen.
Entschließt man sich, keinen eigenen Server
aufzubauen und statt dessen den Server eines Dienstleisters zu beanspruchen, fallen
Gebühren für den genutzten Platz auf dem Server und den Transfer an. Eine Firma aus
Regensburg37
beispielsweise bietet für die monatliche Gebühr von 79.- DM 10 MB Speicherplatz, eine
2Mbit-Anbindung des Servers an das Netz, ftp-Zugang, Weiterleitung eingehender Emails,
CGI-Skripts zur Weiterleitung von Formularen und Zugriffsstatistiken an. Für einen
eigenen deutschen Domain-Namen ( .de ) fallen einmalig 250.- DM und monatlich 20.- DM an.
Die traditionelle Arbeit eines Verlages ist
die Auswahl und Zusammenstellung von Informationen und deren Verteilung. Im Zeitalter des
elektronischen Publizierens kommen die Verdichtung und die Aufbereitung von Information
hinzu38. Bei
Hypertextdokumenten z.B. muß neben der Qualität des Inhalts, ebenfalls die der
Vernetzung und der Gestaltung (Einheit von Funktion und Gestalt)39 gewährleistet sein.
Nicht nur für den Umgang mit elektronischen
Dokumenten, sondern auch für die Distribution über Netze werden Qualifikationen
erfordert, die mit dem klassischen Anforderungsprofil des kaufmännisch orientierten
Verlagsmitarbeiters wenig gemein haben. Lektoren müssen z.B. über EDV-Wissen zur Planung
und Konzeption von Onlinemedien verfügen, auch wenn die Ausführung durch eine externe
Firma vorgenommen wird. Darüber hinaus werden Kenntnisse über Software, Textformate und
den Test von elektronischen Produkten verlangt40. Auch neue Berufsfelder entstehen wie z.B. das
des Onlineredakteurs.
Der Onlineredakteur einer über das WWW zu
beziehenden Zeitschrift muß neben der fachlichen Qualifikation zur Beurteilung des Inhalt
der Zeitschrift auch das nötige Know-how für den Umgang mit dem Internet besitzen. Es
ist wahrscheinlich, daß diese Arbeit auch die Umsetzung und Aufbereitung von Texten in
das HTML-Format beinhaltet. In vielen Redaktionen wird bereits von den Mitarbeitern
vorausgesetzt, daß sie ihren Text mit einem DTP-System schreiben und gestalten können.
Da die technische Realisierung elektronischer
Medien häufig die Kompetenzen eines Verlages überschreiten werden, müssen Verlage
Kooperationen mit anderen Anbietern wie Softwarehäusern eingehen. Das ist für den
Verlagsbereich nichts Neues: Auch die traditionelle Arbeit erfordert das Zusammenspiel von
Druckern, Setzern, Lieferanten, Vertrieb und Buchhandel.
Bisher bestand eine Trennung zwischen
Zeitschriften- und Buchverlagen, da die Herstellung und der Vertrieb sich unterscheiden.
Diese Differenzierung wird zunehmend verwischen, da Publikationen online kurzfristiger
angeboten werden können als in Printmedien. Verlage werden damit nicht nur als
Inhalteanbieter (content-provider) auftreten, sondern auch als Dienstleister, die sich
darum bemühen, ihren Lesern aktuelle Informationen zu liefern.41
Printmedien werden über den Buch- oder
Einzelhandel vertrieben. Wie der Vertrieb von elektronischen Dokumenten aussehen wird, ist
bisher nicht abzusehen. Die Grundfunktionen des Buchhandels bestehen bisher darin,
angebotene Bücher auszuwählen und sie dem Leser zugänglich zu machen42. Der Buchhändler erwirbt
Bücher bei den Verlagen und verkauft diese dem Kunden. Die Marge des Buchhändlers liegt
bei ca. 30% des Verkaufspreises. Der Buchhändler minimiert sein geschäftliches Risiko,
indem er Bücher beim Verlag bestellt, von denen er annimmt, daß er sie weiterverkaufen
kann.
Verlage besitzen im Allgemeinen keine
Ladenräume, da der Verkauf über den Buchhandel abgewickelt wird. Durch den direkten
Verkauf von gedruckten und Nutzungslizenzen für elektronische Werke über das Internet
wird das Verlagsgeschäft um Zweige erweitert, die nicht zum klassischen Geschäftsbereich
gehören, sondern den Buchhändlern vorbehalten waren. Buchhandlungen kommt bei dieser
Entwicklung lediglich die Rolle der Printstation zu, des Ortes also, an dem sich
der Kunde das vor Ort gedruckte Buch oder die Zeitschrift abholt. Diese Tendenz wird von
den Buchhändlern mit großer Skepsis betrachtet, denn ihr Geschäft wird dadurch in die
Nähe der Druckereien und Kopierläden gerückt.
Einen anderen Problembereich stellen die
sogenannten neuen Medien dar. Multimediale Programme, Nachschlagwerke auf CD-ROM und
Onlineangebote verdrängen das Buch nicht, aber zeigen dem Kunden Alternativen auf. Der
Buchhandel muß die neuen Medien in sein Programm integrieren, wenn er die Geschäfte mit
den neuen Medien nicht Kaufhäusern und dem Computerhandel überlassen will.
Aus dem Buchhändler wird so ein
Medienhändler, der seine Nische dadurch findet, in dem er sich neben Büchern auch auf
elektronische Medien zu einem Thema spezialisiert, also auf Produkte, die Kunden weder im
Kaufhaus noch in einem Computergeschäft kaufen würden. Diese Artikel erfordern jedoch
eine erweiterte Qualifikation. Der Buchhändler muß nicht nur bei der Auswahl beraten
können, sondern z.B. auch bei der Installation eines Programmes auf einen PC.
Die Zukunft des Buchhandels kann auch in der
Informationsvermittlung liegen. Der Buchhändler bietet bei diesem Konzept seinen Kunden
auch Zugang zu Datenbanken und Netzen an und recherchiert nach gewünschten Informationen.
Der Buchhändler muß dabei über das Know-how für den Umgang mit elektronischen Netzen
verfügen und das Know-where (Zugangswissen) für das Auffinden der gewünschten
Information43.
Auch der Bereich der Bibliotheken ist durch
elektronische Publikationen betroffen. Hier stellt sich die Frage in welcher Form
Bibliotheken elektronische Medien anbieten sollen und wie sie angesichts von schrumpfenden
Etats mit der technischen Entwicklung Schritt halten können. Der Inhalt eines Buches kann
veralten. Ein Buch aber kann auch nach Jahren einfach in die Hand genommen werden.
Elektronische Medien erfordern dagegen Systeme, die einem ständigen Wandel unterliegen.
Weiter ist zu überlegen, ob nicht auch
Bibliotheken Onlinedienste anbieten sollten, wenn Fachinformationen zunehmend nur noch
über Netze zu erhalten sind. Es ist zu hoffen, daß die Wirtschaft den Bildungsauftrag
der öffentlichen Bibliotheken dahingehend unterstützt, daß sie auch diesen
Einrichtungen einen Zugriff auf kommerzielle Dienste und kostenpflichtige Publikationen im
Internet ermöglicht. |