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6 Produktion von Printmedien und Onlinemedien

Im folgenden werden die Produktionsschritte sowohl zur Herstellung von Printmedien als auch für Onlineangebote dargestellt. Abgesehen von dem technischen und personellen Aufwand für die Organisation eines Onlineangebotes ist der finanzielle Aspekt für diesen Schritt zu bedenken. Anschließend werden die Auswirkungen der Onlinemedien auf das Verlagswesen und beteiligte Berufsfelder dargestellt. Die Probleme und Erfahrungen bei der Umsetzung einer Literaturzeitschrift für das WWW werden abschließend geschildert.

6.1 Produktion von Printmedien

Autoren senden ihre Manuskripte an die Redaktion einer Fachzeitschrift. Die Beiträge werden ausgewählt und in Absprache mit den Autoren bearbeitet. Steht die Reihenfolge der Beiträge und der gesamte Umfang einer Ausgabe fest, werden die einzelnen Seiten mittels eines DTP-Programmes (Quark X-Press o.a.) gestaltet. Korrekturfahnen, die von dem DTP-System erstellt wurden, gehen zurück an die Autoren und die Redaktion. Nach Bearbeitung der Fahnen werden Postscriptdateien generiert, mit denen auf Belichtungsmaschinen (Linotype o.a.) Druckvorlagen für den Offsetdruck erstellt werden. Die gedruckten Bögen (meistens 4 Seiten) werden automatisch gefaltet, geschnitten und mit einer gummierten Leimbindung versehen.

Bildmaterial, das nicht digitalisiert vorliegt wie z.B. Photos, muß eingescannt und im DTP-System in den Text integriert werden (Montage). Da bei einem hochwertigen Druck sehr leistungsfähige Systeme zur Bearbeitung des Bildmaterials benötigt werden, wird diese Arbeit häufig an die Druckerei vergeben. Dort werden die Bildvorlagen gerastert und die Freiräume der Druckvorlagen eingefügt.

Der Produktionsvorgang bei der Herstellung von Fachbüchern verläuft im wesentlichen analog zur Herstellung einer Fachzeitschrift. Fachbücher besitzen meistens nur eine geringe Auflage von wenigen Tausend. Da die Herstellung von Büchern wesentlich teurer ist, versuchen die Verlage die Kosten dadurch zu minimieren, indem der Autor auch das gesamte Layout seines Buches übernimmt. Auch hier wird dem Verlag eine Postscriptdatei zur Belichtung der Druckvorlagen übergeben. Bei kleinen Auflagen von 1000 Exemplaren oder weniger wird ein anderer Schritt begangen: Der Autor liefert sein Manuskript als Ausdruck eines Laserdruckes (600 dpi). Diese Vorlagen werden verkleinert xerographisch gedruckt32.

6.2 Erstellung eines Onlineangebots

Der Onlineauftritt im WWW einer Firma erfolgt in vier Stufen. Zunächst wird das Angebot auf einem Server aufgebaut. Diese Arbeit zerfällt in eine Planungs- und Realisierungsphase. Im laufenden Betrieb müssen Dokumente für die Veröffentlichung im WWW aufbereitet werden. Nachdem das Angebot eingerichtet ist, erfolgt die Bekanntmachung und Vermarktung33.

1. Planung des Angebots und der Vermarktung

Als erstes sollte geprüft werden, wie die Akzeptanz der Leser gegenüber dem Medium Internet ist. Hat man die Zahl der Leser abgeschätzt, die das Onlineangebot regelmäßig nutzen, kann daraus das Datenaufkommen veranschlagt werden. Daraufhin muß die Frage geklärt werden, ob ein eigener WWW-Server aufgebaut werden soll, ob man Rechen- und Speicherkapazitäten eines Providers mieten will oder einen Dienstleister mit eigenem Server in Anspruch nimmt, der das Onlineangebot einrichtet und pflegt.

Nachdem die Höhe der Investitionen und der Arbeitsaufwand bestimmt wurden, kann überlegt werden wie sich die Publikation adäquat im WWW darstellen läßt. Wenn der WWW-Server nicht nur Informationen für Kunden, sondern auch für Mitarbeiter z.B. im Außendienst zur Verfügung stellen soll, müssen Mechanismen zur Zugangsberechtigung implementiert werden.

2. Technische Realisierung

Neben der Wahl der Hardware stellt sich die Frage nach der Software zum Betrieb des WWW-Servers. Software für einen WWW-Server, ein sogenannter HTTP-Demon, ist sowohl für UNIX-Workstations als auch für Personal Computer erhältlich, zum Teil sogar kostenlos wie z.B. der unter Windows 95 laufende Server Fnord34. Die Serverprogramme unterscheiden sich in ihrer Leistungsfähigkeit und der jeweils unterstützten HTML-Version.

Für die erste Umsetzung des Onlinemediums wird eine baumartige Struktur entwickelt. Ausgehend von der Startseite als Wurzel müssen die anderen Dokumente über Verweise erreichbar sein. Für die Navigation sollte eine entsprechende graphisch repräsentierte Navigationsleiste erstellt werden, die sich auf allen Seiten wiederholt. Die WWW-Seiten werden mit HTML-Editoren, Konvertern oder Applikationen, die einen HTML-Export erlauben, generiert. Eine weitere Stufe des Ausbaus kann Programme für Datenbanksuche und zur Verarbeitung von Formularen beinhalten.

Für die Einrichtung und Wartung eines Servers ist spezialisiertes Personal nötig, das sich in einem Verlag nicht selbstverständlich finden lassen wird. Deshalb ist der Serverbetrieb und die initiale Umsetzung des Angebots durch Dienstleister und eine Schulung der Mitarbeiter angebracht.

3. Betrieb

Neben dem technischen Betrieb des Servers muß ein Aktualisierungsprozeß für die WWW-Dokumente organisiert werden. Neue Dokumente sollten automatisch in das HTML-Format konvertiert werden und die Verknüpfungen der Seiten miteinander maschinell erstellt werden können. Für Rückfragen der Leser per Email, die Vergabe von Zugriffsrechten und die Abrechnung von kommerziellen Angeboten sollte je nach Aufwand mindestens ein Mitarbeiter verantwortlich sein.

4. Vermarktung

Auch Angebote im WWW müssen bekanntgemacht werden. Der erste Schritt ist die Wahl einer “sprechenden” Domain, also einer Adresse, die den Namen des Angebots beinhaltet wie z.B. www.taz.de, www.spiegel.de o.a. Das Einrichten des Domainnamens ist kostenpflichtig und kann beim Provider oder direkt bei der Internic35 beantragt werden.

Viele Zugriffe auf WWW-Dokumente erfolgen über Listen, die Suchmaschinen generieren. Der Eintrag in den von der Suchmaschine indizierten Raum ist kostenlos und kann per WWW oder Email geschehen. Darüber hinaus existieren Kataloge, die die Angebote im WWW nach Themengebieten sortieren. Auch außerhalb des Internet ist eine Werbung in Form von Pressearbeit und Anzeigen in Printmedien sinnvoll.

6.3 Finanzieller Aufwand

Neben dem technischen und personellen Aufwand, den die Einrichtung eines Onlineangebotes mit sich bringt, sind vor allen Dingen die Kosten für diesen Schritt zu bedenken. Die folgenden Zahlen sind als Anhaltspunkte zu verstehen, denn die Preise sowohl im Bereich der Hard- und Software als auch im Bereich der Dienstleistungen verfallen fortwährend36.

Eine PC-basierte Autorenumgebung inklusive Software kann mit ca. 3000.- DM veranschlagt werden. Diese ist Voraussetzung für das Erstellung von HTML-Seiten. Ein Webserver mit Router und Firewall liegt mit entsprechender Software im Bereich von 15.000 bis 20.000 DM. Hinzu kommen die Kosten für die technische Beratung und Schulung. Für die Betreuung und Pflege des Angebots ist u.U. ein “Webmaster" einzustellen.

Entschließt man sich, keinen eigenen Server aufzubauen und statt dessen den Server eines Dienstleisters zu beanspruchen, fallen Gebühren für den genutzten Platz auf dem Server und den Transfer an. Eine Firma aus Regensburg37 beispielsweise bietet für die monatliche Gebühr von 79.- DM 10 MB Speicherplatz, eine 2Mbit-Anbindung des Servers an das Netz, ftp-Zugang, Weiterleitung eingehender Emails, CGI-Skripts zur Weiterleitung von Formularen und Zugriffsstatistiken an. Für einen eigenen deutschen Domain-Namen ( .de ) fallen einmalig 250.- DM und monatlich 20.- DM an.

6.4 Auswirkungen der Onlinemedien auf Verlage und ihr Umfeld

Die traditionelle Arbeit eines Verlages ist die Auswahl und Zusammenstellung von Informationen und deren Verteilung. Im Zeitalter des elektronischen Publizierens kommen die Verdichtung und die Aufbereitung von Information hinzu38. Bei Hypertextdokumenten z.B. muß neben der Qualität des Inhalts, ebenfalls die der Vernetzung und der Gestaltung (Einheit von Funktion und Gestalt)39 gewährleistet sein.

Nicht nur für den Umgang mit elektronischen Dokumenten, sondern auch für die Distribution über Netze werden Qualifikationen erfordert, die mit dem klassischen Anforderungsprofil des kaufmännisch orientierten Verlagsmitarbeiters wenig gemein haben. Lektoren müssen z.B. über EDV-Wissen zur Planung und Konzeption von Onlinemedien verfügen, auch wenn die Ausführung durch eine externe Firma vorgenommen wird. Darüber hinaus werden Kenntnisse über Software, Textformate und den Test von elektronischen Produkten verlangt40. Auch neue Berufsfelder entstehen wie z.B. das des Onlineredakteurs.

Der Onlineredakteur einer über das WWW zu beziehenden Zeitschrift muß neben der fachlichen Qualifikation zur Beurteilung des Inhalt der Zeitschrift auch das nötige Know-how für den Umgang mit dem Internet besitzen. Es ist wahrscheinlich, daß diese Arbeit auch die Umsetzung und Aufbereitung von Texten in das HTML-Format beinhaltet. In vielen Redaktionen wird bereits von den Mitarbeitern vorausgesetzt, daß sie ihren Text mit einem DTP-System schreiben und gestalten können.

Da die technische Realisierung elektronischer Medien häufig die Kompetenzen eines Verlages überschreiten werden, müssen Verlage Kooperationen mit anderen Anbietern wie Softwarehäusern eingehen. Das ist für den Verlagsbereich nichts Neues: Auch die traditionelle Arbeit erfordert das Zusammenspiel von Druckern, Setzern, Lieferanten, Vertrieb und Buchhandel.

Bisher bestand eine Trennung zwischen Zeitschriften- und Buchverlagen, da die Herstellung und der Vertrieb sich unterscheiden. Diese Differenzierung wird zunehmend verwischen, da Publikationen online kurzfristiger angeboten werden können als in Printmedien. Verlage werden damit nicht nur als Inhalteanbieter (content-provider) auftreten, sondern auch als Dienstleister, die sich darum bemühen, ihren Lesern aktuelle Informationen zu liefern.41

Printmedien werden über den Buch- oder Einzelhandel vertrieben. Wie der Vertrieb von elektronischen Dokumenten aussehen wird, ist bisher nicht abzusehen. Die Grundfunktionen des Buchhandels bestehen bisher darin, angebotene Bücher auszuwählen und sie dem Leser zugänglich zu machen42. Der Buchhändler erwirbt Bücher bei den Verlagen und verkauft diese dem Kunden. Die Marge des Buchhändlers liegt bei ca. 30% des Verkaufspreises. Der Buchhändler minimiert sein geschäftliches Risiko, indem er Bücher beim Verlag bestellt, von denen er annimmt, daß er sie weiterverkaufen kann.

Verlage besitzen im Allgemeinen keine Ladenräume, da der Verkauf über den Buchhandel abgewickelt wird. Durch den direkten Verkauf von gedruckten und Nutzungslizenzen für elektronische Werke über das Internet wird das Verlagsgeschäft um Zweige erweitert, die nicht zum klassischen Geschäftsbereich gehören, sondern den Buchhändlern vorbehalten waren. Buchhandlungen kommt bei dieser Entwicklung lediglich die Rolle der Printstation zu, des Ortes also, an dem sich der Kunde das vor Ort gedruckte Buch oder die Zeitschrift abholt. Diese Tendenz wird von den Buchhändlern mit großer Skepsis betrachtet, denn ihr Geschäft wird dadurch in die Nähe der Druckereien und Kopierläden gerückt.

Einen anderen Problembereich stellen die sogenannten neuen Medien dar. Multimediale Programme, Nachschlagwerke auf CD-ROM und Onlineangebote verdrängen das Buch nicht, aber zeigen dem Kunden Alternativen auf. Der Buchhandel muß die neuen Medien in sein Programm integrieren, wenn er die Geschäfte mit den neuen Medien nicht Kaufhäusern und dem Computerhandel überlassen will.

Aus dem Buchhändler wird so ein Medienhändler, der seine Nische dadurch findet, in dem er sich neben Büchern auch auf elektronische Medien zu einem Thema spezialisiert, also auf Produkte, die Kunden weder im Kaufhaus noch in einem Computergeschäft kaufen würden. Diese Artikel erfordern jedoch eine erweiterte Qualifikation. Der Buchhändler muß nicht nur bei der Auswahl beraten können, sondern z.B. auch bei der Installation eines Programmes auf einen PC.

Die Zukunft des Buchhandels kann auch in der Informationsvermittlung liegen. Der Buchhändler bietet bei diesem Konzept seinen Kunden auch Zugang zu Datenbanken und Netzen an und recherchiert nach gewünschten Informationen. Der Buchhändler muß dabei über das Know-how für den Umgang mit elektronischen Netzen verfügen und das Know-where (Zugangswissen) für das Auffinden der gewünschten Information43.

Auch der Bereich der Bibliotheken ist durch elektronische Publikationen betroffen. Hier stellt sich die Frage in welcher Form Bibliotheken elektronische Medien anbieten sollen und wie sie angesichts von schrumpfenden Etats mit der technischen Entwicklung Schritt halten können. Der Inhalt eines Buches kann veralten. Ein Buch aber kann auch nach Jahren einfach in die Hand genommen werden. Elektronische Medien erfordern dagegen Systeme, die einem ständigen Wandel unterliegen.

Weiter ist zu überlegen, ob nicht auch Bibliotheken Onlinedienste anbieten sollten, wenn Fachinformationen zunehmend nur noch über Netze zu erhalten sind. Es ist zu hoffen, daß die Wirtschaft den Bildungsauftrag der öffentlichen Bibliotheken dahingehend unterstützt, daß sie auch diesen Einrichtungen einen Zugriff auf kommerzielle Dienste und kostenpflichtige Publikationen im Internet ermöglicht.

 


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