|
In diesem Kapitel werden die Begriffe
Elektronisches Publizieren und Onlinepublizieren vorgestellt und gegeneinander abgegrenzt.
Um deutlich zu machen, was elektronische Zeitungen von gedruckten unterscheidet, werden
ihre Merkmale dargelegt und miteinander verglichen. Nach einer Beschreibung der Situation
von Printmedien mit geringen Auflagen werden die Vorteile des Onlinepublizieren und der
Nutzen für die Beteiligten erörtert.
Um das Onlinepublizieren zu definieren, muß
zunächst eine Klärung des Begriffes Elektronisches Publizieren erfolgen. Dafür
existieren viele, oft auch widersprüchliche Definitionen. Hier soll die Definition von
Sandkuhl Verwendung finden, da sie weit gefaßt ist: Das elektronische Publizieren
umfaßt alle Aspekte der computergestützten Erstellung, Präsentation, Speicherung und
Distribution von Dokumenten1. Diese Definition umfaßt den Bereich des
traditionellen Publizierens auf Papier, aber auch den Vertrieb von elektronischen
Publikationen über Datenträger und Netzwerke sowie Hypertextsysteme und
Online-Datenbanken.
Drei Sichten des elektronischen Publizierens
lassen sich unterscheiden2:
1. Produktion
Die computerunterstützte Herstellung von
Publikationen auf Papier oder mit neuen Medien.
2. Distribution
Das Veröffentlichen von Publikationen in
ausschließlich elektronischen Medien wie z.B. Disketten und CD-ROM,
Datenfernübertragungsnetzen oder interaktivem Fernsehen.
3. Präsentation
Im Vordergrund stehen nicht-lineare
elektronische Präsentations- Publikationsformen, die sich in dieser Weise nicht mit dem
Papiermedium realisieren lassen.
In der vorliegenden Arbeit wird die
distributionsorientierte und präsentationsorientierte Sicht des Onlinepublizierens
beschrieben. Hinzu kommt eine produktionsorientierte Sicht, die sich aber nicht mit dem
Medium Papier, sondern mit der Produktion von elektronischen Dokumenten für das World
Wide Web auseinandersetzt.
Elektronische Publikationen, die über
Netzwerk verfügbar sind, werden ... Online Publikationen genannt3. Onlinepublizieren (auch Online
Publishing) bezeichnet also die Herstellung und den Vertrieb von Dokumenten, die
über elektronische Netze veröffentlicht werden. Dieser Begriff dient der Abgrenzung
gegenüber dem Publizieren auf CD-ROM oder anderen festen Medien, dem
elektronischen Publizieren als Teil der Druckvorstufe und anderen Gebieten. Der
Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat einen Arbeitskreis Elektronisches
Publizieren eingerichtet, aus welchem unter anderen auch eine Arbeitsgemeinschaft
Online Publishing hervorgegangen ist. Die Arbeitsgemeinschaft hat die Aufgabe,
neue Technologien und ihre Folgen für das Verlagswesen herauszuarbeiten.4
Die Presse ist das älteste publizistische
Massenmedium. Früher wurde der Begriff Presse für alle Druckerzeugnisse verwendet, die
Einengung dieses Begriffs auf die sogenannten Periodika, also Druckwerke mit
regelmäßiger Erscheinungsweise erfolgte erst im 19. Jahrhundert. Im wesentlichen besteht
die Presse aus den zwei Gattungen Zeitung und Zeitschrift5.
Eine Zeitung ist eine regelmäßig
(täglich, wöchentlich) erscheinende Druckschrift mit Nachrichten über die
Tagesereignisse6.
Dagegen wird eine Zeitschrift als eine regelmäßig (wöchentlich, monatlich)
erscheinende, meist bebilderte Druckschrift7 definiert und ein Magazin als periodisch
erscheinende, reich bebilderte, unterhaltende Zeitschrift8 (ursprünglich: Raum zum Aufbewahren der
Bücher einer Bibliothek9). Nicht nur im Turnus des Erscheinens und der
Illustration der Texte unterscheiden sich Zeitung und Zeitschrift voneinander. Zeitungen
berichten generell über alle Bereiche des Tagesgeschehens, während Zeitschriften sich
einem bestimmten Thema widmen.
Zeitschriften werden grob unterteilt in
Publikumszeitschriften und Fachzeitschriften. Die einen können ohne besondere
Vorkenntnisse gelesen werden und dienen in erster Linie der Unterhaltung, die anderen
verlangen eine gewisse Fachkenntnis in einem bestimmten Bereich und erlauben einem meist
kleinem Leserkreis sich fortzubilden und auszutauschen. Es existieren rund 7.000
Zeitschriften in der Bundesrepublik Deutschland. Die titelreichste Gruppe ist die der
Fachzeitschriften (ca. 3000 Titel mit einer Auflage von 50 Millionen), die
auflagenstärksten Zeitschriften sind jedoch Publikumszeitschriften mit einer
Gesamtauflage von rund 100 Millionen Exemplaren pro Jahr bei ca. 1200 Titeln10.
Den großen Zeitungen und Zeitschriften
stehen die Druckwerke der Alternativpresse gegenüber. Sie unterscheiden sich durch
alternative Inhalte und Vertriebswege, kleine Auflagen und eine meist lokale Verbreitung.
Erst durch die Entwicklung von Maschinen, die die drucktechnische Herstellung kleiner
Auflagen vereinfachten und preisgünstig machten (Kleinoffset), wurde eine alternative
Medienlandschaft möglich. Die alternative Presse versucht, Defizite der Berichterstattung
großer Publikationen auszugleichen.
Vier Merkmale kennzeichnen eine Zeitung:
· Publizität (die allgemeine
Verfügbarkeit),
· Aktualität (Berichte aus dem
Tagesgeschehen),
· Universalität (inhaltliche
Vielfalt) und
· Periodizität (in
regelmäßigen Abständen immer wiederkehrende Erscheinungsweise).
Gegenüber anderen Formen der öffentlichen Kommunikation
grenzt sich die Zeitung durch die Fixierung in Schrift und Druck ab.11
Neben diesen vier übergeordneten Merkmalen
liegen eine Vielzahl von Eigenschaften, die das Wesen einer Zeitung bestimmen, auf der
Hand12: Die
meisten Zeitungen können täglich an verschiedenen Stellen, häufig landesweit für wenig
Geld erstanden werden. Eine Zeitung ist leicht zu transportieren. Zeitungen oder Teile
davon sind einfach zu archivieren.
Eine Zeitungsseite wird im Hochformat
gedruckt. Der Inhalt kann aufgrund der Rubriken in der gesamten Ausgabe und der Gliederung
innerhalb der einzelnen Artikel schnell durchsucht werden. Das Medium Zeitung steht für
sich alleine; es braucht keine Energie (abgesehen vom Licht, um sie zu lesen) und keine
weiteren Hilfsmittel (es sei denn man benötigt eine Lupe, um eine Sehschwäche
auszugleichen). Das Lesen ist Allgemeingut unserer Kultur; es wird kein weiteres Wissen
zum Gebrauch einer Zeitung vorausgesetzt.
Elektronische Publikationen bestehen
generell aus drei Komponenten: der gespeicherten Information, einer Software zum Anzeigen
der Daten und einem Medium13.
Elektronische Zeitungen können über Disketten, CD-ROMs oder Netze vertrieben werden.
Elektronische Publikationen im WWW besitzen eine Vielzahl von Eigenschaften, die hier kurz
vorgestellt werden.
Elektronische Zeitungen und Zeitschriften im
WWW werden auf Rechnern gespeichert, denen ein großer Speicherplatz zur Verfügung steht.
Dadurch kann alles, was von Journalisten für eine Zeitung geschrieben wurde, auch
veröffentlicht werden. Bei einer konventionellen Zeitung spielt die Vergabe des Platzes
auf einer Seite eine große Rolle, da die Zeitung einen festen, kalkulierbaren Umfang
haben muß: Wichtige Artikel verdrängen somit unwichtige, Redakteure müssen den ihnen
zugewiesenen Platz einhalten, Leserbriefe werden nur in Auswahl und gekürzt vorgestellt.
Elektronische Zeitungen erlauben darüber hinaus eine dynamische Aktualisierung ihrer
Informationen. Artikel können ergänzt und umgeschrieben werden, da es keine Ausgabe und
einen damit verbundenen Redaktionsschluß gibt.
Die Integration von multimedialen Elementen
erlaubt eine attraktive Präsentation, die die Grenzen des Papiermediums verläßt.
Hypertextstrukturen ermöglichen dem Benutzer Referenzen auf Quellen nachzugehen und
Suchmöglichkeiten bieten einen schnellen Zugriff auf die gewünschte Information14. Netze erlauben schnelle,
globale Verbreitung. Außerdem wird die Kommunikation zwischen Leser und Autor wird
vereinfacht. Zu einem Artikel kann der Nutzer z.B. einen elektronischen Leserbrief
schreiben. Darüber hinaus sind auch Anwendungen aus dem Bereich des Computer Supported
Collaborative Writing (CSCW) denkbar15. Durch die Möglichkeit der Leser, gemeinsam
einen Text im WWW zu erstellen, kann die Rollenverteilung von Produzent und Rezipient
aufgehoben werden.
Elektronische Zeitungen können bei Bedarf
ausgedruckt oder gespeichert werden. Für das Offline-Lesen ist es möglich, dem Leser
eine Zeitung in einem Dateiformat wie Postscript oder PDF zur Verfügung zu stellen, das
wesentlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten als HTML zuläßt (z.B.: Spaltensatz sowie
verschiedene Schriften und Schriftgrößen). Die individualisierte Version einer Zeitung
könnte sogar anhand von Kriterien erzeugt werden, die der Leser angibt.
Stellt man die Eigenschaften
elektronischer Zeitungen, die online abgerufen werden können, denen konventioneller
gedruckter Zeitungen gegenüber, stellt man fest, daß die genannten Eigenschaften auch
die Vorteile des jeweiligen Mediums sind. Die Nachteile des einen ergeben sich wiederum
aus den Vorteilen des anderen. (Eine elektronische Zeitung ist nicht leicht zu
transportieren, eine gedruckte Zeitung erlaubt keine Integration anderer Medien etc.).
Eine objektive Gegenüberstellung von gedruckter und elektronischer Zeitung, die anhand
von gewichteten Kriterien eine Bewertung erlaubt, welches Medium dem anderen überlegen
ist, ist wenig sinnvoll, da sich hier die Eigenschaften des Mediums und sein Nutzen
durchdringen.
Der Nutzen ist für beteiligten Gruppen
jedoch sehr unterschiedlich: Auf der einen Seite stehen die Leser, die in der
Onlinepublikation schnell die gewünschte Information finden wollen, die zweite Gruppe
bilden die Anbieter wie zum Beispiel Verlage, die sich Rationalisierungspotentiale und
Profit erhoffen und die dritte die Dienstleister, die Online-Publikationen für Anbieter
realisieren und im Netz anbieten sowie Werbetreibende, die ihren Kunden Werbung im WWW
nahe bringen wollen.
Wählt man als Kriterien für einen Vergleich
Preis, Transportfähigkeit und Handhabung, schneidet das elektronische Medium eindeutig
schlechter ab. Ganz anders dagegen ist die Beurteilung aus der Sicht des Marketing. Als
Vergleichskritierien werden die Möglichkeit der individuellen Selektion von Information,
die Intensität des Werbekontaktes, die Möglichkeit der Aktualisierung, die permanente
Verfügbarkeit von Marketinginformationen sowie andere angeführt16. Nimmt man diese Eigenschaften als Grundlage
für eine Gegenüberstellung erhält die gedruckte Zeitung den Status eines Anachronismus
und das Onlinemedium erscheint als überlegendes Medium.
Abgesehen von dem Nutzenaspekt lassen sich
auch formale Gegensätze finden: Hauke u.a. unterscheiden elektronische Publikationen von
nicht-elektronischen durch Abgeschlossenheit und Qualität.17 Während gedruckte Publikationen abgeschlossen
sind bezüglich Inhalt und Form, sehen sie elektronische als nicht abgeschlossen.
Elektronische Publikationen müssen wie gedruckte nach der Qualität des Inhalts bewertet
werden, bei elektronischen kommt die Qualität der Vernetzung hinzu. Beide sollten eine
gestalterische Qualität aufweisen.
Herausgeber von kleineren Zeitschriften, die
nicht durch ein großes Verlagshaus abgesichert sind, werden immer wieder mit den
folgenden Fragen konfrontiert:
· Wie wird der
Druck finanziert?
Für das Layout wird häufig kein Geld
aufgewendet, da es von den Redakteuren selbst erstellt wird. Angesichts der
Leistungsfähigkeit von Personal Computern und Desktop-Publishing-Programmen stellt dies
auch kein Problem dar. Verbleiben die Kosten für Papier und Druck. Kleine Druckauflagen
sind teuer, da Druckvorlagen erstellt und Maschinen eingerichtet werden müssen, wie bei
großen Auflagen auch. Der Druckkostenpreis pro Stück ist deshalb bei geringen Auflagen
besonders hoch. Aus diesem Grund sind die Herausgeber auch von nicht-kommerziellen
Publikationen gezwungen, Werbung aufzunehmen und ihre Magazine zu verkaufen.
· Wie wird das
Magazin vertrieben?
Die zwei klassischen Möglichkeiten des
Vertriebes von Zeitschriften und Zeitungen sind der Postversand an Abonnenten und der
Verkauf im Einzelhandel. Oft sind Zeitschriften mit speziellen Themen auch bei
Einrichtungen wie Vereinen zu erwerben, die Aktivitäten in einem bestimmten Bereich
fördern.
Damit eine Zeitschrift im Einzelhandel
erhältlich ist, muß sie in das Programm eines Vertriebes aufgenommen werden. Der
Vertrieb verlangt dafür üblicherweise Garantiesummen oder eine für kleine Zeitschriften
hohe Umsatzbeteiligung von bis zu 30 %. Zusätzlich muß z.B. der Kioskbetreiber durch
Werbung überzeugt werden, die Publikation in sein Angebot aufzunehmen.
· Wie werden
potentielle Leser und Käufer erreicht?
Neue Leser zu gewinnen ist ein wichtiges
Bestreben einer Zeitschrift. Die Herausgeber versuchen diese dadurch zu erreichen, indem
sie Anzeigen in anderen Medien schalten, was einen erheblichen Kostenfaktor darstellt.
Eine andere Form der Werbung ist, auf Veranstaltungen wie Kongressen für Publikationen zu
werben, wobei vom Veranstalter meistens Standgebühren erhoben werden. Auch sogenannte
Direct Mailing-Aktionen, bei denen Personen, die in einem bestimmten Bereich arbeiten,
Werbung erhalten, sind üblich.
Wissenschaftliche Fachzeitschriften
erscheinen häufig im Umfeld größerer (Buch-) Verlage wie z.B. des Springer
Wissenschaftsverlages, des Hanser Verlages, des Oldenbourg Verlages und anderer. Damit ist
das Problem der Printmedienherstellung von Layout bis zum Druck meistens über die
Infrastruktur des Verlages abgesichert. Nur wenige Fachzeitschriften können sich jedoch
selbst finanzieren. Im Allgemeinen werden sie aus Renommee gehalten, um ein bestimmtes
Fachgebiet gegenüber dem Wettbewerb abzusichern und Autoren bei dem Verlag zu halten.
Die Bereitstellung von Dokumenten über
das WWW bietet in vielen Aspekten große Möglichkeiten für Verlage, Autoren und Leser.
Die Auswirkungen auf die Arbeitssituation der beteiligten Berufsfelder werden in Abschnitt
6.4 behandelt.
Die attraktivsten Vorteile für das
Onlinepublishing sind der Fortfall der Druck-, Lagerhaltungs- und Vertriebskosten18. Angesichts steigender
Papierpreise und Portogebühren sind die Herausgeber gezwungen, diese Kosten an den Leser
weiterzugeben, was die Zahl der Leser verringert. Das Publizieren im WWW bietet für
auflagenschwache Blätter wie Fachzeitschriften große Rationalisierungspotentiale, die
u.U. sogar ihren Fortbestand sichern können.
Der Vertrieb einer Zeitschrift über das WWW
ist nicht nur schnell und kostengünstig, sondern mag auch dem Umweltschutz Rechnung
tragen, da weder Papier noch andere feste Datenträger wie Disketten oder CD-ROMs, die
schwer zu entsorgen sind, benötigt werden19. Eine Publikation im WWW kann auch außerhalb
des Vertriebsraumes der gedruckten Ausgabe gelesen werden, ohne das Verkehrsmittel für
den Transport in Anspruch genommen werden müssen.
Zur Zeit sind die Onlinepublisher noch weit
davon entfernt, finanzielle Gewinne zu erzielen. Der Auftritt im Internet dient eher dem
Image20 des
Verlages und der Möglichkeit, neue Technologien zu erproben und Erfahrungen für die
Zukunft zu sammeln21.
Ein weiterer Grund ist natürlich der
Versuch, neue Leser zu gewinnen und alte weiterhin zu binden22, obwohl sich dies in den Abonnentenzahlen oder
der Auflagenhöhe bisher nicht widerspiegelte23. Neben den Möglichkeiten, die Dienste des
Internets zur firmeninternen Kommunikation zu nutzen, kann der Verlag mit Lesern und
Buchhändlern in Kontakt treten und dadurch Rückmeldungen zu bereits erschienenen
Publikationen und Vorschläge zum zukünften Verlagsprogramm aufnehmen.
Die Anbieter haben erkannt, daß es nicht
reicht, das Printmedium 1:1 umzusetzen. Vielmehr muß die Umsetzung dem Medium Hypertext
Rechnung getragen werden. Darüber hinaus können Verlage als Serviceleistung auch
Hintergrundinformationen, Buchauszüge sowie Literaturlisten und aktualisierte Versionen
von bereits gedruckten Artikeln anbieten. Eine höhere Aktualität können Onlinemedien
deshalb besitzen, da sie weniger aufwendig zu optimieren sind.
Ein Aspekt, der heute kaum diskutiert wird,
ist die Wiederverwendbarkeit einzelner Elemente einer elektronischen Publikation z.B. bei
Neuauflagen oder Auflagen mit Auszügen aus einem Werk. Die Wiederverwendbarkeit kann eine
Verkürzung der Produktionszeit und die Verringerung der Produktionskosten bedeuten,
ähnlich wie sie auch beim Softwareengineering angestrebt wird.
Das finanzielle Risiko, das ein Verlag
trägt, der ein Onlineangebot aufbaut, kann durch Anzeigengeschäfte im WWW verringert
werden. Ist das Angebot etabliert und viele Nutzer greifen darauf zu, kann es als
Werbemedium verkauft werden, mit dem ein spezifischer Kreis von Lesern erreicht werden
kann.
Die Autoren erfahren beim
Onlinepublishing den Vorteil, daß ihre Texte schneller gedruckt veröffentlicht werden
können und damit eine größere Aktualität besitzen. Auch Korrekturen oder Ergänzungen
sind leichter durchzuführen.
Außer im Bereich der Belletristik besitzen
Schreibende meistens klare Vorgaben über das Textvolumen, das veröffentlicht werden
kann. Bei elektronischen Medien spielt der Umfang eines Textes prinzipiell keine Rolle
mehr, so daß Artikel z.B. nicht mehr in eine Spalte hineingekürzt werden
müssen.
Ein großer Vorteil des WWW ist, daß jeder
Nutzer auch Informationen anbieten kann. Damit wird ein kostenfreies Publizieren ohne
Verlag möglich. Wenn der Autor sein Angebot publik macht, kann er mit einer großen
Leserschaft rechnen, die er sonst nur über einen Verlag hätte erreichen können24.
Die Nutzer des WWW können mit geringem
Aufwand auf global verfügbare multimediale Dokumente zugreifen und sie nach gesuchten
Informationen durchforschen. Bei vielen Angeboten können Artikel vor der Drucklegung
gelesen werden und Quellen können, sofern sie in elektronischer Form vorliegen, sofort
gesichtet werden, da die Hypertextstruktur Verweise auf interne und externe
Informationsangebote im gesamten WWW erlaubt.
Zukünftige Angebote werden eine
Individualisierung des Angebots durch Themenauswahl und anhand von Schlüsselwörtern
erlauben, so daß eine persönliche Ausgabe einer Zeitung im WWW als äußerst denkbar
erscheint.
Die Möglichkeit, online im WWW zu
publizieren, bietet Verlagen und Herausgebern von Zeitschriften mit kleinen Auflagen
insbesondere auch aus dem Bereich der Alternativen Presse eine besondere Chance. Einige
Onlineangebote entstehen erst durch die Möglichkeit, das Medium zu nutzen. So existieren
bereits z.B. viele Literaturzeitschriften im WWW, die gar nicht in gedruckter Form
erscheinen.
Für sogenannte Special Interest - Magazine,
also Publikationen mit kleiner Auflage, die zum Beispiel Hobbybereiche abdecken,
Informationszeitschriften von Bürgerinitiativen, aber auch wissenschaftliche
Fachzeitschriften, deren Inhalte immer spezieller werden, lohnt der Schritt vom
Printmedium zum Onlinemedium25.
Dies trifft insbesondere auf die sogenannten Fanzines zu, die (zunächst) ohne
kommerzielle Absichten von Privatpersonen in meist kopierter Form gratis oder zum
Selbstkostenpreis weitergegeben werden26. Für diese Publikationen existiert kein
Markt, d.h. es gibt zu wenig Leser, die bereit wären, einen regulären Preis
zu zahlen und keine Werbekunden, die die Kosten decken könnten. Diese Publikationen
erscheinen sporadisch, in schwankendem Umfang und wechselnder Aufmachung. Selten gibt es
eine feste Redaktion und einen genauen Erscheinungstermin. Viele dieser kleinen
Publikationen erreichen die dritte Ausgabe27 nicht.
Beim Publizieren dieser kleinen Zeitschriften
im WWW fallen viele Faktoren fort, die ihren Fortbestand gefährden. Andererseits ist aber
auch das Problem der Reichweite zu bedenken, denn das Internet bietet im
marktwirtschaftlichem Sinn nur eine geringe Reichweite, womit nicht die geographische
Reichweite gemeint ist, sondern die Möglichkeit, weite Teile der Bevölkerung
anzusprechen. Eine Internetzeitschrift auch über das Internet zu verbreiten, ist
einleuchtend, dagegen wird eine Zeitschrift für Senioren angesichts der Altersstruktur
der Internetnutzer wenig Sinn haben, da diese Altersgruppe das Internet bisher nicht
nutzt.
Trotz eines Wechsels vom Print- zum
Onlinemedium bleiben einige grundsätzliche Probleme bestehen: Wie findet man Autoren und
interessante Beiträge und wie gewinnt man Werbekunden? Einige neue kommen hinzu: Wie wird
das Onlinemagazin erstellt, wie werbe ich für meine Onlinepublikation?28 Die Beantwortung der
letzten beiden Fragen soll in den folgenden Kapiteln geschehen.
|