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3. Erscheinungsformen der Literatur im Internet

Wie bereits oben erwähnt, gibt es unzählige Formen und Mischformen von Literatur im Internet. Zunächst kann man unterscheiden zwischen Literatur im Netz und Netzliteratur.
Literatur im Netz bedient sich des Internets lediglich als Medium zur Veröffentlichung. Es handelt sich also um "Papier-Literatur, deren einziger netzliterarischer Vorzug es ist, per FTP ihren Ort im Netz gefunden zu haben." (
HP der Mailingliste Netzliteratur ; FTP steht für File Transfer Protocol.Es handelt sich um ein Verfahren zum Übertragen von Dateien)
Netzliteratur dagegen nutzt die Möglichkeiten des Netzes (dabei muss es sich nicht unbedingt um das Internet handeln. Es gibt zahlreiche nichtelektronische Netzliteratur-Projekte. Im Rahmen dieses Artikels soll der Begriff Netzliteratur diese aber ausklammern und sich nur auf das Internet beziehen) und des Computers als Stilmittel. Hierzu gehören vor allem die Möglichkeiten der Technik, der Interaktivität und der Kommunikation.
Die Netzliteratur grenzt sich wiederum ab von  Hyperfiction, die sich nur durch die Verwendung von Links von herkömmlicher Literatur unterscheidet, und anderer Computerliteratur:

"Jedenfalls ist es ganz wichtig, innerhalb des Begriffes ´Netzliteratur` das ´Netz` nicht zu verwechseln oder zu verwässern mit ´Computer` und ´Hyperlink`." (Guido Grigat).

In einem Definitionsversuch zum Begriff "Netzliteratur" von Oliver Gassner heißt es:

" Zeit und Softmoderne", (gemeint sind der Internet-Literaturwettbewerb der Wochenzeitung "Die Zeit" und IBM Deutschland 1997 und die Softmoderne, das Festival der Netzliteratur), "verwechseln ´Hyperfiction` mit ´Netzliteratur`. Sie meinen Hyperfiction, sprechen aber von Netzliteratur. Während Hyperfiction ´nur` HTML und dessen Plugins nutzt (faktisch also ´höchstens das http-Protokoll aus der Internet-Suite benutzt, bzw. eben ganz ohne das Netz an sich auskommt), wäre ´Netzliteratur `eine Kunstform, die als notwendige (aber nicht hinreichende) Bedingung auf einem kreativen Prozeß basiert, der durch vernetzte Kommunikation bestimmt (oder zumindest tangiert) wird.
Es geht darum, die Texte 'formal'nicht einzuschränken, d.h. ein literarischer Papiertext, der massiv von Netzkommunikation beeinflusst ist, wäre nach dieser Definition ebenfalls 'Netzliteratur'. "

Die folgende Darstellung der Erscheinungsformen von Literatur im Netz und Netzliteratur wird sich jedoch auf im Internet existente Netzliteratur beschränken.

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3.1 Literatur im Netz

3.1.1. Autoren-Homepages

"Das Computernetz befreit den Autor von seinem Verleger. Ungehindert (...) kann ein schreiblustiger Autor Buch nach Buch direkt ins Netz werfen." (Agentur Bilwet 1995, Der Datendandy. Über Medien, New Age und Technokultur)

Im Internet publizieren zahlreiche Hobbyautoren ihre Texte auf eigenen Homepages. Zur Zeit läßt sich vor allem unter unbekannten, jüngeren Autoren ein regelrechter Homepage-Boom beobachten., was nicht weiter verwundern dürfte, gibt es doch kaum eine preiswertere Möglichkeit , die eigenen Werke in anspruchsvollem Layout zu veröffentlichen und auch noch potentiell die ganze Welt zu erreichen. Jeder kann sich Autor nennen und Autor sein. Es gibt außer dem Leser niemanden, der eine qualitative Auswahl trifft. Dieser Umstand hat natürlich nicht immer positive Auswirkungen auf die Qualität der Texte. Mit ein bißchen Ausdauer ist es aber problemlos möglich, auf gute Literatur zu stoßen, die durch die Barriere der Verlagslektorate ohne das Netz wohl nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt hätte.  Dies trifft vor allem für junge Autoren zu, da diese meiner Meinung nach auf dem heutigen deutschen Literaturmarkt kaum eine Chance haben, ihre Manuskripte bei einem Verlag unterzubringen. Die Leser müssen also die Chance, Literatur jenseits der Verlagsprogramme lesen zu können mit der Zeit, der Mühe und den Online-Gebühren bezahlen, die qualitativ guten Seiten in dem unüberschaubaren Angebot von Autoren-Homepages selbst zu finden. Allerdings gibt es im Internet einige Angebote, die Links zu Autorenseiten sammeln, katalogisieren, kommentieren und bewerten, um den Lesern die Orientierung zu erleichtern. Zu diesen Angeboten gehören unter anderem die kommentierte Linksammlung von Enno E. Peter und Sabrina Ortmann und sowie die bereits erwähnten Links zur Literatur von Oliver Gassner.
Bei vielen Texten, die auf Autoren-Homepages zu finden sind, handelt es sich um konventionelle Kurzgeschichten und Gedichte, wie sie aus Literaturzeitschriften und Anthologien bekannt sind.
Einige Autoren haben über die Publikation ihrer Werke im Netz auch schon einen Verlag gefunden, Zum Beispiel
Florian Schiel. Im November erschienen die zuvor auf seinen Internetseiten veröffentlichten "Bastard Pages. Eine Sammlung bitterböser Geschichten" im Schwarten Verlag. Im Internet sind nun nur noch vier Geschichten als Leseproben verfügbar: "Verständlicherweise sieht es der Verlag nicht so gerne, wenn der komplette Text im Internet abrufbar ist.... (Florian Schiel). Wer mehr lesen möchte, kann die kompletten "Bastard Ass(istant) from Hell, B.A.f.H." direkt über die Homepage des Autors beim Verlag bestellen.
Immer mehr Menschen stellen darüber hinaus ihre Tagebücher ins Netz:

"Auf amerikanischen Sites finden sich schon seit längerem Tausende von Diaries, deren Besitzer das eigene Leben öffentlich protokollieren- bisweilen unter einem Pseudonym. Mittlerweile wird auch auf deutschsprachigen Webseiten immer häufiger der Lust gefrönt, hemmunglos 'Ich' zu schreiben. So stößt man auf ein Techno- und ein Yuppie-Tagebuch, auf ein Hausfrauen- und das 'einzig wahre Emanzen-Tagebuch'. Es finden sich Kriegs- und Reisetagebücher, Tagebücher mit und ohne Fotos, echte und fiktive." (Thomas Wegmann: Leben und lesen lassen. Die ganz privaten Seiten des Netzes)

Es gibt bereits einen Webring, den Wellenbrecher, der Tagebücher im WWW miteinander verbindet und Linklisten, die sich auf Online-Tagebücher spezialisiert haben.

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3.1.2. Etablierte Autoren im Netz

Etablierte Autoren nutzen das Netz bisher nur sehr selten als zusätzliches Medium. Ein Beispiel ist das täglich aktualisierte Online-Tagebuch "Abfall für alle" von Rainald Goetz. Goetz bietet hier Beobachtungen und Gedanken aus seinem Alltag. Die Texte werden exklusiv für das Internet-Angebot verfaßt. Wird die Seite aufgerufen, landet der Leser automatisch beim aktuellsten Beitrag.
Andere Autoren, wie zum Beispiel Joseph von Westphalen und der Krimiautor
Jürgen Groß, präsentieren sich in Zusammenarbeit mit ihrem Verlag auf einer eigenen Homepage. Hier finden sich Leseproben aus erschienen Büchern und die Möglichkeit, diese direkt über das Internet beim jeweiligen Verlag zu bestellen. Joseph von Westphalen reflektiert auf seinen Internetseiten darüber hinaus über die Auswirkungen der Computertechnik auf die Literatur und auf das Schreiben. Oft findet der Leser auch Fotos des Autors und biographische Informationen und die Möglichkeit,  mit dem Autor per Email Kontakt aufzunehmen.
Neu ist bei diesen Formen der Literatur im Netz nur das Medium, in dem veröffentlicht wird und damit verbunden die Möglichkeit des direkten Kontakts zwischen Autor und Leser.

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3.1.3. Literaturprojekte und -magazine im Internet

3.1.3.1. Literaturprojekte

Aber auch ohne eigene Homepage können Autoren ihre Texte im Netz publizieren.. Es gibt viele elektronische Literaturprojekte, wie das von Wolfgang Tischer herausgegebene  Literaturcafé im Internet . Das Literaturcafé besteht seit Juni 1996, hat vier ehrenamtlich arbeitende Mitarbeiter, wird zwei- bis dreimal in der Woche aktualisiert und weist damit, wie andere Internet-Projekte auch, eine Aktualität auf, die eine Printausgabe nicht erreichen kann. Das vielseitge Projekt bietet zur Zeit nach Angaben des Herausgebers insgesamt etwa 300 Texte, davon über hundert Prosa- und Lyrikbeiträge unterschiedlicher Autoren, die in einem Register alphabetisch archiviert werden, wechselnde Mitschreibprojekte und Wettbewerbe, aber auch andere Beiträge wie die monatliche Kolumne "Näumanns Nörgelei", Kritiken, Buchbesprechungen, Interviews und aktuelle Berichte von literarischen Ereignissen (im September 1997 wurde zum Beispiel von der Softmoderne, dem Festival der Netzliteratur, in Berlin berichtet. Bereits am selben Abend konnte im Internet nachgelesen werden, was am Tag auf dem Festival geschehen ist).
Das durchschnittliche Niveau der Texte liegt nach Angaben Wolfgang Tischers trotz qualitativer Auswahl unter dem einer Verlagspublikation:

"Die durchschnittliche Qualität der Beiträge ist sicherlich nicht dem Niveau der (deutschen) Literaturwissenschaft gewachsen. In der Tat müßten fast alle Texte redigiert werden, wozu wir natürlich weder die Zeit noch die finanziellen Mittel haben. Neben mangelnder Sprachbeherrschung finden sich auch viele logische Fehler in den Texten. Aber die Veröffentlichung im Internet und im Café ist natürlich eine andere, als wenn etwas gedruckt erscheint. Man darf nicht vergessen, daß hier keine Profis am Werk sind (mit wenigen Ausnahmen). Ich bekomme Geschichten von Hobbyautoren, die häufig nie für eine Veröffentlichung schreiben sondern vielleicht auch einfach mal einen Text von ihrer Festplatte mitschicken. Da wurde sicherlich nicht lange daran herum gefeilt. Und auch ein Buch - selbst wenn es von einem renommierten Schriftsteller stammt- geht ja erst mal durch die Hände eines Lektoren, das können wir wie gesagt nicht leisten. Aber gerade das ist ja das schöne am Café. Hier gibt es keine perfekten auf Verkaufszahlen getrimmten Texte. Und das ist gut so!"

Ein weiteres Literaturprojekt ist  die von Claudia Klinger und Dirk Schröder herausgegebene Textgalerie. Die Textgalerie veröffentlicht  Prosa, Lyrik und teilweise Portraits  unterschiedlicher Autoren. Am 9.7.98  enthielt das Projekt 289 Texte von 73 Autoren. Jede Woche  kommen   etwa sechs bis sieben Texte von zwei bis drei Autoren dazu. 
Sowohl im Literaturcafé als auch in der Textgalerie  veröffentlichen aber nicht nur Hobbyschriftsteller, sondern auch professionelle Autoren. Bei beiden Projekten findet außerdem   durch die Herausgeber eine qualitative Auswahl statt. Hierzu meint der Mitherausgeber der Textgalerie Dirk Schröder:

"Ausgewählt wird selbst verständlich, sogar eher restriktiv. Von 10 eingereichten Texten nehmen wir etwa drei.Webspezifische Kriterien spielen dabei keine Rolle - außer, dass wir Texte von über 5 DIN A4-Seiten als "nicht webgemäß" ablehnen. Weiterhin nehmen wir keine Auszüge aus längeren Werken (mehr).
Ansonsten spielen ausschließlich literarisch- künstlerische Gesichtspunkte eine Rolle. Ein einziges Mal haben wir einen Text wegen rechtlicher Bedenken zurückgewiesen (Auf forderung zu Straftaten). Wir sind natürlich kein Nobel-Verlag und nehmen daher immer noch recht viel, Herz-Schmerz-Gedichte allerdings ebensowenig wie Prosa ohne Konzept oder Erzaehltalent
."

Für die Textgalerie ist noch in diesem Jahr eine Printausgabe geplant, die dann jährlich erscheinen soll.

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3.1.3.2. Literaturmagazine

Neben den Literaturprojekten erscheinen auch immer mehr Literaturmagazine im Netz. Der Unterschied zu den Projekten liegt vor allem darin, daß Magazine in periodischen Ausgaben erscheinen. Oft handelt es sich um Print-Literaturmagazine, die zusätzlich vollständig oder in Auszügen im Internet publiziert werden. Hier wäre um Beispiel die Online-Ausgabe des Literaturheftes "Der arme Poet" zu nennen. Das Angebot bietet dem Leser, neben einer Auswahl von Prosa und Lyrik der bereits erschienenen Print-Ausgaben, Graphik, Informationen über das Heft sowie Hinweise für Autoren, die ihre Manuskripte einschicken wollen.
Ein reines Online-Magazin ist "
Der brennende Busch". Dementsprechend erscheint das Magazin auch nicht in Ausgaben, "da diese Metapher im Internet keinen Sinn macht" (http://www2.netdoor.com/~busch/info.html), sondern Beiträge erscheinen in unregelmässigen Abständen. "Der brennende Busch" veröffentlicht Gedichte, Geschichten, Essays und Multimedia, wobei die Beiträge nach Kategorien sortiert werden. Zum Angebot gehören außerdem eine chronologische Übersicht, eine Linkliste und die Möglichkeit, das Magazin zu abonnieren. Das Abonnement eines Online-Magazins kann sich grundlegend von dem eines Print-Magazins unterscheiden: "Das Abo dieses elektronischen Magazins sieht so aus, daß man eine email erhält, sobald sich auf den Seiten etwas verändert hat" (www2.netdoor.com/~busch/abo.html).

 


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