Willkommen

Literatur im Netz

Buchtipps

EROSA

Tagebau

Berliner Künstler

Newsletter

Mailingliste

Chat

Forum

Gästebuch

Webcam

Suchen

Enno E. Peter

Sabrina Ortmann

Presse

Literatur im Netz: Engagiert und idealistisch

Von Sabrina Ortmann

ruler.gif (1421 Byte)

Der Traum vom eigenen Buch

Heute veröffentlichen und schreiben im WWW, in den Newsgroups oder per elektronischer Post nicht mehr nur technikbegeisterte Netzkünstler. Viele unbekannte Autoren bauen eine eigene Homepage und präsentieren ihre Verse dem Rest der Welt. Den Traum vom eigenen Buch können sie sich im WWW ohne finanzielles Risiko in gewisser Weise erfüllen. Die Leser dagegen finden Literatur jenseits der Verlagsprogramme. 

Dank E-Mail können Autor und Leser leicht und schnell miteinander in Kontakt treten: "Kein anderes Medium bringt diese Nähe zwischen Autor und Leser. Kaum eine Stunde nachdem ein neuer Text Online steht, gehen die ersten Mails ein", berichtet zum Beispiel "Der Poet" Christopher Ray, dessen humorvolle und selbstironische Reime bereits seit den achtziger Jahren, damals noch im T-Online-Vorläufer Btx, online sind. Inzwischen lässt Ray sein Buch "Weiber und andere Katastrophen" im Selbstverlag bei "Books on Demand" (BoD speichert die Texte für einen geringen Betrag elektronisch und druckt sie nur auf Bestellung aus) drucken. 

Einige gründen, wie der Krimiautor Jürgen Groß, einfach einen eigenen Verlag. Die Web-Site des Solmser Buchverlages enthält Leseproben und einige Informationen über Groß. Natürlich lassen sich die Bücher auch gleich per Mausklick bestellen. In der virtuellen Welt kann Literatur auch im Abo bestellt werden: Jan-Ulrich Hasecke zum Beispiel stellt täglich seine "Sudeleien" ins Netz und verschickt die anspruchsvollen Texte kostenlos per E-Mail direkt an die Leser. 

Nur wenige finden wie Florian Schiel über ihre Aktivitäten im Netz einen Verlag: Der Münchner Uni-Assistent verschickte 1994 seine Computer-Satiren mit dem Titel "Bastard Ass(istant) from Hell", kurz "B.A.f.H." im Usenet. Der Erfolg war so groß, dass ein Verlag die E-Mail-Erzählungen 1996 gesammelt als Buch herausgab. Schiel schrieb weiter, stellte die Texte ins Netz und versendete sie per E-Mail. Zwei weitere Bände folgten. Im letzten Jahr erklommen die Bastard-Geschichten die ersten Plätze in den Verkaufs-Charts von amazon.de. "Inzwischen interessieren sich Goldmann, Ullstein und Knaur für die Geschichten", berichtet Florian Schiel, der demnächst seinen ersten Internet-Krimi im Schwarten-Verlag veröffentlichte. 

Regina Berlinghof und Norman Ohler gehörten 1995 zu den ersten deutschsprachigen Autoren, die komplette Romane gratis ins Netz stellten. Sowohl "Mirjam" als auch "Die Quotenmaschine" sind inzwischen als Buch erschienen. 

Ingo Schramm gehört zu den wenigen deutschen Schriftstellern, die bereits einen Verlag gefunden haben und ihre Arbeit aus privater Initiative im WWW präsentieren. Seine Bücher verlegt Schramm seit vier Jahren bei Volk und Welt, mit seinen Lesern kommuniziert er im Internet. Unter der URL www.ingoschramm.de bietet der gelernte Buchhändler seit Herbst 1998 umfangreiches Material zu seinem literarischen Schaffen: Prosa, Hörspiele, theoretische Texte und Leseproben aus drei bereits erschienen Romanen lassen sich online lesen oder als ZIP-Datei auf die Festplatte speichern. Der Verlag hat nichts dagegen: "Das ist ja auch Werbung für die Bücher. Insofern habe ich die Genehmigung ohne Probleme bekommen", so Schramm. Da sich die klassischen Literatur-Interessierten über das Feuilleton der Zeitungen und nicht im Netz informieren, hofft er mit seiner Homepage neue Leser zu gewinnen. Werbung könne aber online nur funktionieren, wenn man zusätzliche Angebote bereitstelle. 

Bei der Arbeit an seinem neuen Roman "Die Feigheit der Fische" ließ sich der Autor über die Schulter sehen: es gibt Tagebuchnotizen zum Entstehungsprozess, eine unlektorierte Fassung des ersten Kapitels, eine FAQ-Liste mit häufig gestellten Fragen und Links zu Sites, auf denen Schramm selbst recherchiert hat. Informationen dieser Art gibt es gewöhnlich erst viele Jahre nachdem ein Buch erschienen ist. "Bei mir bekommt man dieses Material im WWW aus erster Hand." Der gebürtige Leipziger ist überzeugt, dass seine Leser diesen Service honorieren. 

Experimentelle Netzliteratur und technische Spielereien sucht man auf Ingo Schramms Seiten vergeblich. Dafür bietet er seinen Internet-Besuchern kostenlos Informationen, die auf anderem Wege nur schwer oder gar nicht zu bekommen sind. Zum Beispiel ein wöchentliches persönliches Feuilleton zu literarischen oder aktuellen Themen, das Schramm exklusiv für seine Web-Site verfasst. "Meine ganze Tätigkeit besteht ja eigentlich in der Kommunikation mit den Lesern, da ist das Internet eine ideale Ergänzung", meint Schramm, der jede elektronische Zuschrift beantwortet. 

Vereinzelt wagen sich auch die Verlage gemeinsam mit ihren Autoren ins Netz: In Zusammenarbeit mit Suhrkamp lud Rainald Goetz 1998 im Rahmen eines Online-Tagebuchs täglich seinen "Abfall für alle" ins Netz. Im letzten Jahr brachte der Verlag die gesammelten Einträge als "Roman eines Jahres" heraus. Ernst zu nehmende Literatur also, wenn Goetz auch am ersten Tag betonte: "WIE vor allem das meiste muß schweigen, sonst gehen riesige Lügen los, Spastereien, im Grunde Literatur und das wollen wir ja gerade VERMEIDEN hier."

>>

ruler.gif (1421 Byte)

 

Anfang

Literatur im Internet und Internet-Literatur

Frühe telemediale Kunst und Literatur

Von den ersten Hyperifctions zum "Pegasus"

Der Traum vom eigenen Buch

Gemeinsam schreiben

Idealisten am Werk

 

 


ruler.gif (1421 Byte)

Zurück ] Home ] Nach oben ] Weiter ]


(C)opyright Sabrina Ortmann und Enno E. Peter 1998 bis 2001
Impressum
Kontakt:
info@berlinerzimmer.de