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Literatur
im Netz: Engagiert und idealistisch
Von Sabrina Ortmann, Juni 2000
(erschienen
in: Gewerkschaftliche Monatshefte, Kunst und Kultur, 7/2000, Westdeutscher
Verlag, S. 424 - 431)

| Seit das Internet für die
breite Öffentlichkeit zugänglich ist, hat es eine vielfältige und
lebendige Literaturszene mit Profiautoren und Amateuren, Wettbewerben und
theoretischen Diskursen hervorgebracht.
Dieser Artikel gibt einen knappen
Überblick über die Geschichte digitaler Literatur und über die
aktuellen Literaturprojekte im World Wide Web.
Die Flüchtigkeit des Mediums bringt es mit
sich, dass Literatur im Internet und digitale Kunst allgemein kaum
sichtbare Spuren hinterlässt. Selten entstehen ausstellbare oder
verkäufliche Arbeiten. Dies mag ein Grund für die zaghafte
wissenschaftliche Auseinandersetzung mit digitaler Kunst sein.
Deutschsprachige Standardpublikationen zur Literatur im Internet sind rar,
der Diskurs findet hauptsächlich im Netz (z.B. auf der von
Dr. Roberto Simanowski herausgegebenen Web-Site "Dichtung-Digital,
Beiträge zur Ästhetik digitaler Literatur und Kunst") und
unter den Netzkünstlern selbst, etwa in Mailinglisten statt. Eine der
wichtigsten ist die von Sven Stillich gegründete und nun von Oliver
Gassner betreute "Mailingliste
Netzliteratur" (zu Netzkultur allgemein: "rohrpost").
Das Feuilleton der Zeitungen nimmt die
Literatur im Netz bisher selten ernst und bezeichnet sie beispielsweise
verniedlichend als "Virtuelle Dichterstübchen" (Anne Petersen
im Hamburger Abendblatt, 4.4.2000). Große Verlage und etablierte Autoren
halten sich im Netz zurück, vielleicht weil sie dort bisher kein Geld
verdienen können. Während im E-Commerce die Kassen klingeln, pflegen
Autoren und Literaturliebhaber nach Feierabend ihre Web-Sites und halten
mit ihrem Engagement die literarische Online-Welt am Leben.
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