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Netzliteratur konkret
5.2  Martina Kieninger: Der Schrank. Die Schranke. 1 Stück Theater für 1 Denker im Denktank
 

Was hat man als Leser zu erwarten, wenn zwei Daemons, ein Regisseur, ein Schrank und ein Revoluzzer auf einer hypertextuellen Bühne aufeinandertreffen? Martina Kieninger hat ein skurriles Stück Netzliteratur geschaffen, das auf den ersten Blick an ein lineares Theaterstück erinnert, aber durch die eingebauten Links zu einem ungewöhnlichen Textnetz wird, das mit den Erwartungen der Leser spielt und überraschende Effekte bereit hält. Der Text beginnt mit einer Einstiegsseite, die an die Umschlagsseite eines Buches erinnert, und über den Titel des Stücks – Der Schrank. Die Schranke. 1 Stück Theater für 1 Denker im Denktank – sowie den Namen der Autorin informiert. Klickt der Leser auf die Worte ”HIER DRÜCKEN”, dann gelangt er zum Beginn des Stücks. Die Struktur von Der Schrank. Die Schranke. ist zunächst relativ einfach gehalten. In den Haupttext sind 11 Links eingebaut, die vom Text abzweigen und in andere Textsegmente führen. Häufig befinden sich innerhalb dieser Textsegmente weitere Navigationsmöglichkeiten für den Leser, der sich so weiter vom Haupttext entfernen kann. Aufgrund der recht geringen Anzahl an Links ist es jedoch nicht schwierig, wieder zum Haupttext zurückzukehren. Wie bei einem Theaterstück gibt die Autorin zunächst Orts- und Zeitangaben:

Ort: 1 ländlich-volksstückhafte Wirtshausstube am Ende der Datenautorbahn, 1 Biertresen, 1 Schrank.

Zeit: abends, nach Erledigung des Tages.

( http://www3.zeit.de/bda/int/zeit/tag/litwett96/Literatur-HTML/Kieninger/s2.htm )fn 2

In den Haupttext, der durchgehend aus schwarzer Schrift auf grellgelbem Hintergrund besteht, sind 13 Graphiken eingefügt, die die Szenen bildlich darstellen. Diese visuellen Elemente wurden allein mit den von der Computer-Tastatur zur Verfügung gestellten Zeichen erstellt, und besitzen so eine sehr technische und computerisierte Anmutung. Sie sind jedoch originell umgesetzt und überzeugen durch Ideenreichtum. Abgesehen von diesen Graphiken werden nur durch Farben und variierende Schriftgrößen Akzente gesetzt, andere Bilder oder Ton sind nicht in den Text integriert.

Aufgrund der Struktur von Kieningers Stück bietet es sich zur Analyse an, den Textverlauf nachzuzeichnen und dabei besonders die Links zu berücksichtigen. Anschließend sollen die verwendeten literarischen Elemente und die Leserrolle innerhalb des Stücks untersucht werden. Bereits das erste Wort nach Orts- und Zeitangabe (”Daemons”), noch immer eine Regieanweisung, ist durch eine unterstrichene Linie als Link markiert und fordert den Leser auf, den Haupttext zu verlassen. Klickt man auf ”Daemons”, dann gelangt man zu einem Textsegment, das zum einen die beiden Daemons als Charaktere einführt, und zum anderen den Leser in gewisser Weise vor dem Verweilen im Internet warnt. Graphisch ist dieses Textelement das Gegenteil zum Haupttext – während dieser einen gelben Hintergrund mit schwarzer Schrift besitzt, ist jetzt die Schrift gelb und der Hintergrund schwarz.

Die Daemons werden als ”Programme, die auf Befehle warten” definiert und somit in den Bereich der Computertechnik eingeordnet. Sie bestehen sowohl auf der Ebene des Stücks als Protagonisten (wobei die Autorin auf Dämone anspielt), als auch als Bestandteil der Technik, die das Lesen des Stücks erst möglich macht. Sie sind die gehorsamen Arbeiter der Computer-Nutzer und führen deren Befehle aus. In einem Dialog beschreiben sie ihre Aufgabe:

1. daemon: he, daemon wohin so eilig?

2. daemon: durch Netze und Kabel,

durch dicke und dünne

verdrahtetes Babel

verkabelte Sinne

ich trage Akten

Informationen

sinnlose Fakten

die den Weg nicht lohnen (s3.htm).

Gleich in diesem ersten Dialog der Daemons werden die Vorbehalte, die gegen das Internet bestehen, beim Namen genannt: ”Ich tausche über das Netz nur völlig nutzlose Informationen ohne Zusammenhang aus” (s3.htm). Die von vielen gefürchtete extreme Form der Informationsgesellschaft, der es nicht mehr um die Qualität der Meldungen, sondern nur noch um die Quantität und Schnelligkeit der Übermittlung geht, wird sarkastisch aus der Sicht derjeniger geschildert, die diese Informationen weitertragen. Und ein weiteres Problem, das in Zusammenhang mit der Diskussion um das Internet immer wieder auftaucht, wird ebenfalls im ersten Dialog angesprochen: die Verbreitung von Pornographie im Internet. Vom zweiten Daemon vernimmt man dazu:

Mein übergeordneter Netznutzer beispielsweise

guckt sich zweidimensionale Nachbildungen

der weiblichen Wirklichkeit an

während er sich heimlich unterm Schreibtisch

die Hose öffnet,

weil er mit Objekten besser zurechtkommt

als mit sogenannten Lebewesen.

So transportiere ich Pornos (s3.htm).

Das Wort ”Pornos” ist als Link markiert, und wenn man diesen betätigt, dann führt dies zu einem weißen Bildschirm, auf dem erst nachdem man auf der Seite nach unten gefahren ist in roter Schrift die Worte ”BittewartenSieSiewerdengleichbedient” erscheinen, so als hätte der Leser durch den betätigten Link selbst darauf gehofft, auf einen pornographischen Inhalt zu stoßen und befinde sich jetzt in der Warteschlange. Ironisch greift die Autorin Ängste und Vorurteile gegen das Internet auf und konfrontiert den Leser bereits am Anfang des Stücks damit.

Zu Beginn der Seite ist noch ein Link eingebaut, es ist der Wortteil ”eil” des Wortes ”eilig”, das in der ersten Zeile des bereits zitierten Dialogs auftaucht. Dieser Link führt zu einem Reim, der variationsreich mit dem Sprichwort ”eile mit weile” spielt und schließlich mit der Zeile ”e-mail mit eil-e!” endet. Klickt man auf das markierte Wort ”e-mail”, dann erscheint automatisch das Mailprogramm, das bereits die Adresse der Autorin enthält, und somit diese letzte Zeile zum Aufruf macht, mit der Autorin in Kontakt zu treten. Jetzt erst wird deutlich, warum nur der erste Teil des Wortes ”eilig” markiert ist, denn so wird eine Verbindung zum letzten Wort des Reims hergestellt.fn 3 Spätestens an dieser Stelle zeigt sich offensichtlich, daß dieser Text nicht in gedruckter Form möglich wäre, und E-mail als die Kommunikationsform im elektronischen Medium integrieren kann.

Nur über den ”zurück”-Befehl des Internet-Programms kann der Leser wieder zum Haupttext zurückkehren und im Stück fortfahren. Der zweite Link innerhalb dieses Haupttextes taucht in Zusammenhang mit der Frage nach Existenz oder Nicht-Existenz von Sinn auf. Das ganze Stück hindurch sind die Grenzen zwischen Sinn und Unsinn fließend, und somit wird eine für den Inhalt des Stücks elementare Frage angesprochen:

Die Frage nach: Woher? Wohin? Ergibt keinen.

Brauchen wir ihn, suchen wir einen.

Zur Sache nicht gehörend selbst,

wird er vom Menschen beigelegt (s2.htm).

Klickt der Leser auf das Wort ”Frage”, dann gelangt er zu einer Seite, die die Sinnfrage als lautmalerische Formel ausdrückt. In roter Schrift auf schwarzem Hintergrund steht: ”Die Sinnfrage in fortran [(2b).or.(.not.2b)]”. Wird diese Formel Englisch ausgesprochen, dann liest man das berühmte Shakespeare-Zitat ”To be or not to be...” (Hamlet III,2). Ein Zitat der klassischen Literatur wird in eine Formel der Computersprache – fortran ist eine mittlerweile überholte Programmiersprache – umgesetzt, und man kann sich die Frage stellen, ob hier die Sprache der Programmierer zur Literatur erhoben wird, oder ob ein Klassiker der Weltliteratur zur bloßen Formel degradiert wird. Unterhalb dieser Formel stehen dem Leser zwei weitere Navigationsmöglichkeiten zur Verfügung.

Er kann entweder auf ”2b – link” oder auf ”.not.2b – link” klicken, und es erscheint im ersten Fall ”1 blink + 1 blink” und im zweiten Fall ”1 blink – 1 blink”. Während ersteres wiederum als Link markiert ist und den Leser zur Einstiegsseite zurückführt, stellt sich letzteres als Sackgasse heraus. Hier wird ”blink” wörtlich genommen, und die roten Zeichen leuchten vor dem Auge des Betrachters auf und verschwinden wieder. Die Bedeutung der Worte wird so in graphisch animierter Form umgesetzt.

Ein weiterer Link im Haupttext führt dem Leser die Bedeutung des markierten Wortes bildlich vor Augen. Klickt man nämlich auf das Wort ”Leere”, dann erscheint nichts weiter als ein schwarzer Bildschirm, der die meisten Leser wohl zunächst überrascht. Mit der Erwartung, daß auch bei diesem Link ein größeres Textsegment mit Abzweigungen kommt, wird gespielt und stattdessen die angesprochene Leere visualisiert.

Der vierte Link im Haupttext hält jedoch ein verschachteltes Netzwerk unterschiedlicher Textsegmente bereit, das den Leser nicht nur in der Textstruktur, sondern auch inhaltlich weit vom Ausgangsdialog wegführt. Das als Link markierte Wort ”Untersuchungen” führt zunächst zu einem originellen Wortspiel:

|:forsch forscht der forsche forscherfrosch:|

den frosch erforscht der forscherfrosch

der forscherfrosch erforscht den frosch

forsch erforscht der forscherfrosch

den erfroschten froscherforscher (s13.htm)

Die aus der Musik entnommenen Wiederholungszeichen in der ersten Zeile geben dem Reim den Anschein eines Liedes. Klickt man auf den Wortteil ”frosch” in der ersten Zeile, dann gelangt man zu einem österreichischen volkstümlich anmutenden Gedicht mit dem Titel ”S‘ Geigerl”, das immer weniger eine Verbindung mit den vorangehenden Textsegmenten erkennen läßt. Während das auf ”Untersuchungen” folgende Sprachspiel noch insoweit einen inhaltlichen Zusammenhang bot, da dort ebenfalls von Forschungen die Rede war, ist eine solche Kohärenz im letzteren Fall kaum sichtbar. Die Grenze zwischen Sinn und Unsinn wird hier überschritten, und das Gedicht steigert sich in den Befehl ”lach!”, der dreimal ausgesprochen wird und durch die immer größere Schriftgröße noch eindringlicher wird. Alle drei Ausrufe sind als Link markiert, und während der erste nach mehreren Zwischenstationen wieder zum Beginn des Gedichts zurückführt, führen die anderen beiden zum Ende des Gedichts, das mit ”Auflösung” überschrieben ist:

lach! Wenn in dir die Wirbel knacken,

lach! wenn der Narr auf dem Dach,

wenn dem seine rohen Hände packen!

ach Geigerl, lach! (s14.htm)

Das Wort ”Narr” führt zu einem Textsegment, das zwar thematisch ”Narr” aufgreift, aber noch deutlicher in Klamauk abdriftet. Auf schwarzem Hintergrund liest man in den Farben Blau, Rot, Gelb und Grün einen in pfälzischem Dialekt geschriebenen Karnevalsvers, die bunte Schrift und wechselnde Schriftgröße führt den Unernst der Reime auch graphisch vor Augen. Wenn sich der Leser fragt, was dieser plötzliche thematische Wechsel bedeutet, dann gibt erst das Klicken auf die drei Punkte am Ende der Seite eine Auflösung. Dadurch gelangt man nämlich zu der Variation eines Liedes, das unter dem Titel ”Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei” vor einigen Jahren zur Karnevalszeit in Deutschland sehr erfolgreich war. Die Autorin hat den Text jedoch abgewandelt:

Alles hat ein Ende, nur das Netz hat keins,

HURRA! Mein Schatz, ich trink noch eins,

doch Du darfst nicht traurig sein,

im Netz bleibt man nicht lang allein,

DENN:

Alles hat ein Ende, nur das Netz hat keins,

mein Schatz, ich trink noch eins! (s20.htm)

Geschickt wird auch hier das Karnevals- und Unsinnsmotiv wieder aufgegriffen, aber jetzt mit einer sinnvollen Aussage versehen. Das thematische Abschweifen der Links zuvor verdeutlicht die Endlosigkeit des Netzes, wo der Leser unvermittelt von einem thematischen Bereich in den nächsten wechseln kann. Diesen Vorgang des Verlorengehens in der Informationsfülle hat die Autorin den Leser durch die angebotenen Links nachempfinden lassen und löst ihn in diesem Abschlußvers auf. In der vorletzten Zeile ist das Wort ”keins” markiert, und dieser Link führt wieder zur Einstiegsseite des Stücks zurück. Der Kreis kann erneut von vorne beginnen und theoretisch kann der Leser sich endlos darin bewegen.

Aber mit Hilfe des ”zurück”-Befehls kann er sich aus diesem Kreislauf befreien und den Haupttext wieder erreichen. Dieser ist mit sieben weiteren Links versehen, die im folgenden beschrieben werden sollen. Klickt man auf die vom Regisseur geschrieenen Worte ”Da capo!!”, dann springt die Seite im Text nach oben, und die gerade gelesene Prügelszene zwischen den Daemons wird, ganz wie es bei ”Da capo!!” zu erwarten wäre, wiederholt. Link Nummer sechs macht deutlich, daß hinter dem auf dem Bildschirm erscheinenden Hypertext eine fehleranfällige Technik steckt. Er führt nämlich zu einer Fehlermeldung des Computers und nimmt in einer comicähnlichen Graphik die Frustration des Computernutzers bei technischen Problemen dieser Art mit auf.

Im Verlauf des Haupttextes lautet eine Regieanweisung ”während 1 auf offener Bühne von einem Notarztteam versorgt wird, rappen der Revoluzzer und Schrank über die Bühne”. Am Ende dieses ”Raps” verfällt der Text ins Stottern, und man liest:

Stellt Euch mal vor dadadada

alle für Euch mal vor

dededenktank gededededenktank

Lochschrank dedededenktank

Stellt Euch mamamal vor (s2.htm)

Das markierte ”dedededenktank” führt zu einem Textelement in dem die Autorin mit Sprachspielereien die Zunahme von Anglizismen in der deutschen Sprache ironisiert. So ist von einem ”Denktank” die Rede, das wohl eine wörtliche Übersetzung des englischen ”thinktank” darstellt, in dieser Form aber keinen Sinn ergibt. Auch das Weglassen von Flexionsendungen greift sie auf, wenn sie schreibt ”auf die Wand von sein Blechtank”. Die Zeilen sind mit dem Aufruf ”THINK!!” überschrieben. Visuell erinnert dieser Textabschnitt an die Einstiegsseite des Stücks, da der gleiche Hintergrund verwendet wird. Er ist in Grautönen gehalten und zeigt in wiederkehrender Folge die gleichen drei, sich überschneidenden Elemente: einen Soldaten, einen offenen Kühlschrank und eine Comicfigur. So wird auch bildlich die Verbindung zum Titel, der ebenfalls den ”Denker im Denktank” enthält, wieder aufgegriffen.

Die vorletzte Regieanweisung des Stücks lautet ”Die Schranktür fällt zu”. Das markierte ”fällt zu” transferiert den Leser zu einem originellen Sprachspiel mit dem Wort ”viele” und dem Computerausdruck ”file”, die sich nur dann reimen, wenn ”file” nach den deutschen Ausspracheregeln ausgesprochen wird:

***MESSAGE***

...mit viel gefühl

mit viele gefühle

mit fühle gefile

viele viele

viele file

end of file

************

(s7.htm)

Wenn der Leser nach diesem kleinen Sprachspiel wieder zum Haupttext zurückkehrt, dann kann er selbst entscheiden, ob für ihn das Stück beendet ist oder nicht. Er hat die Wahl zwischen ”Vorhang fällt” und ”fällt nicht”. ”Vorhang fällt” führt zurück zur beschriebenen Einstiegsseite, bei ”fällt nicht” springt der Text zurück zum ersten Dialog, und der Leser kann das Stück von vorne beginnen. Als letztes Element hat die Autorin die Möglichkeit zu positiver und negativer Kritik vorgesehen. Klickt man auf ”?????APPLAUSAPPLAUS / BUUUHBUUUH?????”, dann erscheint wieder das bereits zuvor eingebaute Sprachspiel ”eile mit weile”, das letztlich zur E-mail Adresse der Autorin führt und so eine direkte Reaktion nach Beendigung des Stücks ermöglicht.

Kieningers Text bewegt sich immer an der Grenze zwischen Sinn und Unsinn und wechselt spielerisch zwischen absurden und ernsthaften Passagen hin und her. Mehrmals wird der Satz ”es ist so sinnvoll” unvermittelt in die Dialoge eingefügt und ironisiert so zum Beispiel die verzweifelten Bemühungen, den Schrank exakt zu beschreiben. Werden ernsthaftere Themen wie Arbeitslosigkeit, Atomkraft oder Angst angesprochen, dann wird das sofort mit dem erschreckten Aufruf ”Über so etwas spricht man nicht!” abgewürgt. Dies kann als ein Hinweis darauf verstanden werden, wie viele Menschen mit unangenehmen Themen umgehen. Durch Verdrängen oder das Ausweichen in Nonsens werden Probleme beiseite geschoben und nicht gelöst.

Die bereits erwähnten 13 Graphiken setzen die Szenen bildlich um. Sie sind aber nicht nur Erläuterungen zum Text, sondern übermitteln auch Details, die nicht im Text erwähnt werden. Dies gilt insbesondere für die Prügelszene, die in neun Graphiken visualisiert wird und die durch die eingefügten lautmalerischen Ausrufe wie ”Argh!” oder ”KA-POFF!!” an Comiczeichnungen erinnert. Hier gehen die Graphiken über den Text hinaus und sprechen für sich. Mit originellen Ideen hat die Autorin die auf der Tastatur vorhandenen Zeichen in Bilder umgesetzt, und gleichzeitig Ausrufe wie ”meine Brille!” oder ”ATTACKE!” als Schriftzeichen darin integriert. Sie stellen daher ein Beispiel für die These dar, daß sich im Hypertext Schrift und Bild immer weiter annähern.

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Abbildung

Die Netzwerkstruktur des Stücks ist relativ einfach gehalten. Die Autorin orientiert sich noch stark an linearem Text, indem sie einen Haupttext geschaffen hat, von dem zwar Links abzweigen, zu dem der Leser aber unkompliziert wieder zurückfindet. Die Möglichkeiten, die Hypertext bietet, um die Linearität des Textes aufzulösen, nutzt sie nicht. Dadurch besteht kaum die Gefahr, daß Leser in der Struktur verloren gehen könnten. Dieser Text ist daher für diejenigen, die an Netzliteratur interessiert sind, aber noch keine Erfahrung im Umgang mit Hypertext haben, eine gute Einstiegsmöglichkeit, um mit dem Prinzip vertraut zu werden. Andererseits ist die Struktur des Textes nicht sehr reizvoll und fordert nicht dazu auf, immer wieder zum Text zurückzukehren. Der gesamte Haupttext ist auf eine durchgehende Seite gestellt, was das Lesen etwas beschwerlich macht. Der Leser muß entweder mit Maus oder Tastatur die Seite nach unten fahren, und kann leicht in der Zeile verrutschen.

Martina Kieninger hat ein originelles Stück Netzliteratur geschaffen, das mit den Erwartungen der Leser spielt und durch überraschende Wendungen gute Effekte erzielt. Visualität und Struktur des Stücks sind in sich schlüssig, aber nicht besonders aufwendig gestaltet. Sie stellt eine Verbindung zwischen inhaltlicher Aussage und hypertextueller Umsetzung her, denn in den Dialogen werden wiederholt die Themen Internet und Computer angesprochen. Das Stück Der Schrank. Die Schranke. ist interessant und anregend zu lesen, und die Autorin hat mit einfachen Mitteln Netzliteratur geschrieben, die trotz kleinerer Schwächen überzeugt.

 

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