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Bodo Streich
Auf dieser
Seite stellen wir hauptsächlich Bücher vor, die sich mit der Literatur im
Internet befassen und solche, die im Internet entstanden sind. Wir bieten
Besprechungen der wichtigsten Publikationen von den Anfängen der Forschung
zum Thema digitale Literatur 1996 bis heute.
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Jan Ulrich Hasecke: Die Reise nach Jerusalem
ISBN 3-8311-0321-6 / Roman, 150 Seiten, 19,80 DM
Entstanden ist dieser Roman als
Fortsetzungsgeschichte im Internet, und zwar in Jan Ulrich Haseckes
Sudelbuch, das seine Leser im WWW und per E- Mail mit tagesfrischer
Literatur und Satire versorgt
(
http://www.sudelbuch.de
).
"In dem 150seitigen Roman geht es um
Viktor, einen jungen Mann, der nach Israel reist, um den Tod seiner
französischen Geliebten Aline zu vergessen. Doch statt interessanter
Ablenkung trifft Viktor im Heiligen Land auf Rona, eine junge
Israelin, die ihn immer wieder schmerzlich an Aline erinnert. Die
Reise nach Jerusalem wird für Viktor zu einer Reise in die
Vergangenheit. Je mehr er sich in Rona verliebt, um so stärker
empfindet er den Verlust Alines. Ronas Großvater, der Besitzer der
Herberge, in der Viktor übernachtet, hat als junger Mann das
Konzentrationslager Auschwitz überlebt. Viktor, aufgewachsen in den
60er und 70er Jahren, gehört zur geschichtslosen zweiten
Nachkriegsgeneration und wird durch die Begegnung mit Rona und ihrem
Großvater in Israel zum ersten Mal in die deutsche Geschichte
verwickelt. Virtuos werden die verschiedenen Erzählebenen
miteinander verknüpft. Der Leser geht mit dem Erzähler auf eine
sprachgewaltige Reise durch faszinierende Landschaften und Orte
Israels, die sich in kräftigen Farben von Paris und dem dörflichen
Frankreich abheben." (J.U. Hasecke)
Dass in seinem Roman auch die Erotik
nicht zu kurz kommt, hat Jan Ulrich Hasecke bereits unter dem Titel
"Lockendere, Üppigere, Vollere " mit einem Ausschnitt in Erosa 3
bewiesen:
http://www.berlinerzimmer.de/erotik/ausgabe3/haseke.htm
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Neue Rundschau: Netculture.
11.
Jahrgang 2000 Heft 2, Hrsg. von Martin Bauer, S. Fischer Verlag,
Frankfurt am Main, 2000, 183 Seiten, 16,- DM.
Im Juni dieses
Jahres gab Martin Bauer in der Neuen Rundschau unter anderem fünf
Beiträge heraus, die das Thema "Netculture" unter literarischen,
wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekten betrachten.
Eingebettet in
eine Geschichte über das Sterben seiner Großmutter zieht Jonathan
Rosen auf den ersten Blick recht ungewöhnlich erscheinende
Parallelen zwischen dem Talmud und dem Internet: "Unter anderem
werden beide durch ihr riesiges Ausmaß und nicht zu
kategorisierendes Wesen definiert." In gewisser Weise geht es hier
auch um das Schreiben im elektronischen Zeitalter und die damit
einhergehende Flüchtigkeit des Textes: das Tagebuch, dass der Autor
während des Sterbens seiner Großmutter am Computer führt, geht
verloren, ein Ausdruck existiert nicht. Der Computer als
Schreibgerät erscheint hier in einem denkbar schlechten Licht.
Auch als Medium
zur literarischen Veröffentlichung vermag das WWW Autoren offenbar
nicht zu überzeugen: Burkhard Spinnen ist einer der Autoren, die
sich im Printbereich einen Namen gemacht und das literarische
Schreiben im Netz selbst ausprobiert haben. Als Mitautor des von
Thomas Hettche 1999 bei DuMont herausgegebenen
Online-Literaturprojektes "Null" berichtet er in "Mein Jahr im Netz"
über seine Erfahrungen das Schreiben im Internet betreffend. Es geht
hauptsächlich um Spinnens Schreibhemmung, die aus seiner Auffassung
resultiert: "Das Allerfremdeste im Netz ist die Literatur!"
Schreiben und
Lesen am Computer ist auch das Thema der Geschichte digitaler
Literatur der 90er Jahre mit dem Titel "literatur@netzkultur.de".
Der Berliner Literaturwissenschaftler Stephan Porombka beginnt
seinen stellenweise etwas zu negativen Rückblick mit dem Projekt
Legible City von Jeffrey Shaw anlässlich der Ars Electronica
1989 und beschreibt die Euphorie und die Aufbruchsstimmung, die
Anfang der 90er mit der Möglichkeit des global-gemeinsamen
Schreibens einher gingen. Es folgt die "Bittere Bilanz der 90er":
die überzogenen Ansprüche an eine neue Avantgarde wurden nicht
erfüllt. Anschliessend wird die Geschichte des "Scheiterns" des
Internet-Literaturwettbewerbes Pegasus und der literarischen
Online-Experimente des ZDF Ende der 90er Jahre kurz dargestellt. Die
Lösung des beschriebenes Dilemmas elektronischer Literatur sieht
Porombka ausschließlich darin, bereits etablierte Autoren ins Netz
zu holen: "Nun endlich kamen die lesbaren Texte" kommentiert
Porombka die von ihm organisierte Veranstaltung HyperTextBerlin
1999. Leider bezieht Porombka sich ausschließlich auf die
Entwicklungen der beiden großen Netzliteratur- Veranstaltungen
Pegasus und Softmoderne. Die vielfältigen Projekte und
Experimente, die von Autoren und Initiatoren abseits von bekannten
Veranstaltern und Verlagen realisiert wurden und werden finden keine
Berücksichtigung.
Größere Chancen
werden dem elektronischen Publizieren im wissenschaftlichen Betrieb
vorhergesagt. Robert Darnton thematisiert die Bedeutung
elektronischer Bücher für die Wissenschaft unter der Überschrift
"Das neue Zeitalter des Buches". In den Geistes- und
Sozialwissenschaften sieht er "eines der Haupteinsatzgebiete für
E-Books". Der Autor stellt fest, dass langfristig wohl das
wissenschaftliche Buch insgesamt zur Disposition stehe und fragt ob
"vor diesem Hintergrund ausgerechnet das Electronic Publishing das
Heil bringen" kann. Darnton sieht schließlich zumindest für die
schwierige Situation des akademischen Nachwuchses eine Lösung im
elektronischen Publizieren.
Und auch die
Beziehung zwischen Kultur und Wirtschaft wird in der Neuen Rundschau
beleuchtet. Am Beispiel der geplanten Fusion von AOL und Time Warner
zeichnet Hilmar Schmundt unter dem Titel "Eine
150-Milliarden-Metapher" ein Sittenbild "von der Beziehung zwischen
Kultur und Industrie, zwischen Geist und Geld am Anfang des neuen
Jahrhunderts". In diesem Rahmen wirft Schmundt die Frage auf, warum
es nie eine Anti-Internet-Bewegung gegeben habe, obwohl das WWW
unsere gesamte Gesellschaft stärker verändert "als etwa die Atom-
oder Gentechnik es jemals getan haben".
Insgesamt
entsteht beim Lesen der Beiträge der Eindruck, als würde das
Internet lediglich für wissenschaftliche Publikationen von Bedeutung
sein. Die vielfältigen Entwicklungen in den künstlerischen Nischen
des Netzes finden kaum Beachtung.

(Sabrina Ortmann)
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Dieter E. Zimmer: Die Bibliothek der Zukunft. Text und Schrift in Zeiten
des Internet.
Gebundene
Ausgabe - 331 Seiten (2000) Hoffmann u. C., Hbg.; ISBN: 3455104215,
Preis: EUR 20,40
Im Sommer 2000
erschien "Die Bibliothek der Zukunft. Text und Schrift in den Zeiten des
Internet" von Dieter E. Zimmer. Der ehemalige ZEIT-Redakteur (und
Jurymitglied des Pegasus'98) stellt Vor- und Nachteile der
Digitalisierung der Schriftkultur vor und sucht nach Antworten auf die
Fragen, die mit dieser Entwicklung einher gehen - zum Beispiel wie lange
es noch Bücher geben wird und ob Bibliotheken bald überflüssig sind.
Berücksichtigt werden ausserdem die Bibliothekskataloge (Opacs),
elektronische Zeitschriften, eBooks, Enzyklopädien, sowie die Geschichte
von und der alltägliche Umgang mit Computern,
Textverarbeitungsprogrammen, WWW und E-Mail. Schwerpunkt dieser
Publikation ist die Zukunft der Bibliotheken, auf die nach Meinung des
Autors aufgrund der nötigen Erschließung digitaler Informationen neue
Aufgaben zukommen. Die Entstehung einer virtuellen Weltbibliothek, in
der alles überall abrufbar ist, hält Zimmer dagegen für
unwahrscheinlich.
(Sabrina
Ortmann)


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Nina Hautzinger: Vom Buch zum Internet? Eine Analyse der Auswirkungen
hypertextueller Strukturen auf Text und Literatur.
1999, 32,- DM
Nina
Hautzingers "Vom Buch zum Internet?" stellt vor dem Hintergrund der
sozialen, psychischen und kulturellen Auswirkungen des Buchdrucks die
gesellschaftlichen und literarischen Veränderungen vor, die sich an Text
und Literatur durch den Einfluss der Digitalisierung abzeichnen,
analysiert sie und diskutiert die sich ergebenden Konsequenzen für den
Literaturbetrieb.
Es
wird die These aufgestellt, dass die klassischen Rollen von Autor und
Leser aufgehoben und neu definiert werden. Mit Blick auf die Texttheorie
Roland Barthes werden diese Veränderungen untersucht. E-Mail,
elektronische Diskussionsforen, Internet Relay Chat und Multiple User
Dungeons werden als "Kommunikationsformen im Internet" knapp vorgestellt
und ihre Bedeutung für die Netzliteratur wird heraus gearbeitet. Die
Darstellung ist sehr allgemein gehalten, d.h. es werden keine konkreten
Beispiele analysiert.
Der
letzte Teil in Hautzingers "Vom Buch zum Internet?" bietet Kriterien zur
Interpretation von Netzliteratur-Projekten an. Allerdings beschränkt sie
sich dabei auf drei Beiträge des Pegasus. Analysiert werden Projekte von
Martina Kieninger, Peter Berlich und Susanne Berkenheger. Hautzinger
stellt folgende Unterschiede zwischen gedrucktem Buch und Hypertext
heraus: "seine Nichtlinearität, die Integration von Hypermedia, und das
Prinzip der Links" . Links im Hypertext werden als neuartige Form der
Leseorientierung und als Grund für die weniger dominante Stellung des
Autors bezeichnet.
Schließlich gibt Hautzinger die Einschätzung ab, dass Netzliteratur
Bücher nicht überflüssig machen, sondern lediglich auf andere
Bedürfnisse der Leser eingehen wird. Die Entstehung einer neuen
Kunstform als "Ausdruck der modernen Informationsgesellschaft" hält sie
für möglich.
(Sabrina
Ortmann)
Auszug lesen ...
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Martin Klepper, Ruth Mayer, Ernst-Peter Schneck:
Hyperkultur. Zur Fiktion des Computerzeitalters.
Taschenbuch
(1996) de Gruyter, Bln.; ISBN: 3110147297 Preis: EUR 19,42
Die
1996 von Klepper, Mayer und Schneck herausgegebene Sammlung von
Aufsätzen mit dem Untertitel "Zur Fiktion des Computerzeitalters" ist
eine der ersten deutschen Publikationen, die sich mit der sogenannten
Hyperkultur befasst.
Der
Begriff "Kultur" im Titel ist hier etwas irreführend, geht es doch in
den meisten Beiträgen um Text und Literatur, um die Bezüge, die sich
zwischen moderner Literatur und Computertechnologie ergeben haben und um
die Veränderungen, die sich durch deren Digitalisierung abzeichnen und
vollziehen. Dabei wird weniger von der Frage ausgegangen, welche Wirkung
der Computer auf die Literatur hat. Die Beiträge legen vielmehr Wert auf
die "Kennzeichnung und Analyse der Metaphorik, die den Computer zum
zentralen Signifikanten des (post)modernen gesellschaftlichen Diskurses
werden läßt." Einige Artikel, wie Schmundts "Strom, Spannung,
Widerstand", Ruth Nestvolds "Das Ende des Buches" oder Idensens
"Schreiben/Lesen als Netzwerk-Aktivität" wurden inzwischen viele Male
zitiert.
Die
elektronische Literatur betreffend, sind vor allem die ersten Aufsätze
interessant: Nestvold reflektiert die Auswirkungen elektronischer
Literatur auf den etablierten Literaturbetrieb. Die Möglichkeiten der
Computertechnologie für die literarische Arbeit untersucht William
Dickey in seinem Aufsatz "Weißer Raum und Stille". Hilmar Schmundt
analysiert verschiedene Hyperfiction-Romane und spricht sich für einen
Widerstand gegen den "U.S.-amerikanischen Topos des Technisch-Erhabenen"
aus. Die veränderten Produktions- und Rezeptionsbedingungen, als auch
deren ökonomische Aspekte beleuchtet Hannah Möckel-Rieke unter dem Titel
"Der virtuelle Text". Idensens Beitrag setzt sich mit Lese- und
Schreibstrategien sowie der Ästhetik des Hypertextes auseinande.

(Sabrina Ortmann)

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Astro Teller: Hello, Alice, e-mail Roman.
Taschenbuch - 237 Seiten (1999) DTV, Mchn.;
ISBN: 3423202793
EDGAR wurde von Alice programmiert
und war eigentlich als Browser gedacht, der Infos aus dem
Web und aus den News zusammenstellen und dann an
Alice zurücksenden sollte. Die künstliche Intelligenz
edgar macht sich über Weihnachten plötzlich selbständig, tritt mit Alice
in E-Mailkontakt und lernt rasend schnell. Alle formalen
Eigenheiten der E-Mail-Kommunikation sind in dem Buch berücksichtigt,
z.B. die Kopfzeilen mit Datum, Absender, Empfänger und "Subject", aber
ebenso die sogenannten "Smilies", die in der elektronischen
Kommunikation Emotionen ausdrücken. Die E-Mails selbst enthalten darüber
hinaus URLs, fiktive Codes, die Adressen von Newsgroups und viele andere
computer- und internetspezifische Elemente. Der Autor ist übrigens der
Enkel des Kernphysikers Edward Teller.
Unterhaltsam ist auch die Web-Site
http://www.hello-alice.de

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Rainald Goetz: Abfall für alle. Roman eines Jahres.
Taschenbuch - 863 Seiten (1999) Suhrkamp,
Ffm.; ISBN: 3518410946, Preis: EUR 25,46
1998 lud Rainald
Goetz im Rahmen eines Online-Tagebuchs täglich seinen "Abfall für alle"
ins Netz.
1999 verlegte
Suhrkamp die gesammelten Einträge als "Roman eines Jahres". Ernst zu
nehmende Literatur also, wenn Goetz auch am ersten Tag betonte:
"Wie vor allem das
meiste muss schweigen, sonst gehen riesige Lügen los, Spastereien, im
Grunde Literatur und das wollen wir ja gerade vermeiden hier."


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Beat Suter, Michael Böhler: hyperfiction. Hyperliterarisches Lesebuch:
Internet und Literatur.
Taschenbuch (1999) Nexus Vlg., FFM; ISBN:
386109150X, Preis: EUR 19,42
Im Januar 1999
trafen sich 30 "Cyberliteraten" und Wissenschaftler aus Deutschland,
Österreich und der Schweiz zum Symposium Digitaler Diskurs. Im Herbst
erschien anschließend an das Symposium ein hyperliterarisches Lesebuch
mit theoretischen Essays und Erfahrungsberichten. Als zentrales Dokument
liegt dem Buch eine CD-ROM bei, die eine repräsentative Zusammenstellung
hyperfiktionaler, literarischer Texte in deutscher Sprache enthält "und
diese nicht nur online, sondern in erster Linie über das gewohnte Umfeld
für Literatur, den Buchhandel, bekannt zu machen sucht" . Zu den Autoren
gehören unter anderen Dirk Schröder, Heiko Idensen, Reinhold Grether,
Michael Charlier, Peter Berlich, Johannes Auer und Martina Kieninger.
Die meisten in diesem Band enthaltenen Aufsätze sind auch im WWW
verfügbar.
(Sabrina
Ortmann)
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