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Die
literaturWERKstatt berlin ist eine der nicht wenigen Institutionen im
ehemaligen Ostberlin, die sich nach der Wende im literarischen Leben der
ganzen Stadt etablieren konnte. 1989 ergriffen Literatur- und andere
Kulturschaffende die historische Chance, die bisher eingeschlossene Literatur
dem deutschen und internationalen Interesse zu öffnen. Durch ein vielseitiges
Programmangebot wurde die literaturWERKstatt schon in den 9oer Jahren zu einem
wichtigen Podium mit gegenwartsbezogener und internationaler Ausrichtung. Sie
kann sich mit Recht als ein „internationales Netzwerk für Literatur“
bezeichnen. Einem
breiten Publikum wird nicht nur die allmählich entartende Love Parade bekannt
sein, sondern auch das alljährlich stattfindende „Sommerfest der
Literaturen“ mit einer „Nacht der Poesie“ und den „Landkarten der
Poesie“ mit prominenten Dichtern der Gegenwart, der kultige Wettbewerb für
den literarischen Nachwuchs „Open Mike“, oder der „Literatur Express
Europa 2000“. Sie sind alle – wegen oder trotz – ihrer Seriosität zu
den in der Hauptstadt so beliebten Events geworden und haben
Hunderttausende von Menschen aus aller Welt angezogen. Was besonders gefällt, ist die im Unterschied zu anderen ehemals Westberliner Literaturstätten demokratische Praxis. Nicht nur die - wie die Berliner Politiker sagen - „Leuchttürme“ der Literatur sind hier zu bewundern, sondern auch die Poetae minores, die Existenzdichter aus dem zweiten und dritten Glied. Sogar seit der Wende verschollene und vergessene Autoren werden immer wieder vorgestellt oder lesen selbst. Wer erinnert sich denn etwa noch an Siamesische Zwillinge, Giftmörderinnen, 70 Trillionen Weltgrüße, Fette Rosen, Dreizack zerstreut, oder an diverse Prenzlbergrevolutionen ? Nichts ist so vergänglich wie die Gegenwart. Nicht
nur Lyriker, Internetsurfer und Hacker werden die Homepage www.lyrikline.org
anklicken. Dort finden alle lesenden Lehrer, schreibenden Girlies und
neugierigen Zeitgefährten Gedichte von weltberühmten Kollegen in Text und
gesprochenem Wort. Stille Poesie wird Lautpoesie. Ein einmaliges Unternehmen für
Auge und Ohr, das von Heiko Strunk betreut wird. Existenzgefährdend in der langen und skurrilen Geschichte des Hauses (1936 auf enteignetem jüdischen Grundstück von einem Nazi-Parteigenossen erbaut, 1945 Wohnung eines russischen Generals, 1950 Wohnung Otto Grotewohls, bis 1979 Gästehaus des Ministerrates der DDR, ab 1980 Haus des Schriftstellerverbandes der DDR) sind freilich die erst in den letzten drei Jahren aufgetretenen wirtschaftlichen und immobilienrechtlichen Schwierigkeiten. Der LiteraturWERKstatt droht der Verlust ihres Domizils. Das weiß das sehr aktive Team des Hauses unter Leitung von Dr. Thomas Wohlfahrt auf der Suche nach Unterstützung und Solidarität wohl zu nutzen. Vorläufig ist die Gefahr der Schließung gebannt. Aber nachläufig? Aber
immer ist die literaturWERKstatt einer der lebendigsten Literaturorte in
Berlin und einen Besuch wert.
P.M.S. literaturWERKstatt berlin Die Literaturwerkstatt zieht ab Frühjahr 2002 in die Kulturbrauerei! |
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